Straße führt ins Nichts

Straße endet auf der grünen Wiese

Der Seerhausener Weg ist plötzlich eine Sackgasse. Wer von Mautitz nach Seerhausen will, muss künftig mehr Zeit planen. Im Zuge des Neubaus an den Bundesstraßen ist eine Auffahrt oder ein Queren der B6 an dieser Stelle faktisch unmöglich.

Von Thomas Riemer
Wo geht’s denn hier weiter? Etwas ratlos blickte Annelies Ritzka vor ein paar Tagen drein, als sie mit dem Auto von Mautitz aus über den Seerhausener Weg in Richtung Bundesstraße 6 fuhr. Eigentlich wollte sie nur mal „Baustelle gucken“, sagt die Mautitzerin. Doch urplötzlich führte der gewohnte Weg auf der Straße nicht weiter, sondern endete abrupt auf der grünen Wiese ein paar Meter vor der B 6. „Dabei ist dies nun wirklich kein Feldweg“, sagt Annelies Ritzka. Vor allem für Radfahrer, die hier bislang den kürzesten Weg in Richtung Seerhausener Bahnhof hatten, sei die neue Situation schlecht. Zudem seien die Mautitzer über das plötzliche Ende der Straße auf dem Feld überhaupt nicht informiert worden. Selbst Navigationsgeräte für Autos weisen nach wie vor die bisherige Streckenführung auf dem Seerhausener Weg aus, sagt Annelies Ritzka verwundert.
„Das Projekt B 169/B6 ist Sache des Straßenbauamtes Meißen-Dresden“, heißt es auf SZ-Anfrage vom Riesaer Rathaussprecher Uwe Päsler. Im gleichen Atemzug bestätigt er jedoch, dass der Seerhausener Weg künftig zur Sackgasse wird. Dies sei nach seiner Kenntnis Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens für den gesamten Abschnitt der künftigen Bundesstraße 169 gewesen. Der Seerhausener Weg „würde genau in den Auffahrten zwischen beiden Bundesstraßen enden, was natürlich nicht geht“, so Päsler.
Den Planungen ist zusätzlich zu entnehmen, dass die Straße deshalb noch einen so genannten Wendehammer bekommen und als Sackgasse gekennzeichnet wird. Die Zufahrt zu den angrenzenden Feldern bleibt nach Auskunft des Rathaussprechers aber gewährleistet.
Radfahrer, die aus Richtung Mautitz ins Jahnatal wollen, haben damit offenbar künftig schlechte Karten. Sie müssen die bestehende Zufahrt aus Mautitz zur B 6 in Richtung Bloßwitz nehmen oder aber über Groptitz fahren. Beide Strecken sind erheblich länger.
Annelies Ritzka räumt zwar ein, dass die Zahl der Radler auf der Strecke sicherlich nicht ins Unermessliche steigt. Andererseits ist sie vor allem sauer, dass die Betroffenen vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Denn Informationen auf der Baustelle vor Ort gibt es kaum – stattdessen nur den Augen-Klick auf das Ende der Straße mitten im Grünen.

(erschienen am 7. Juli 2011 in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgaben Riesa und Großenhain)

 

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