Tierparksanierung liegt auf Eis
Wegen fehlenden Geldes im Riesaer Stadtsäckel gibt es dieses Jahr keine baulichen Veränderungen. Leiter Gerhard Herrmann kennt dennoch genug Gründe für einen Besuch.
Von Thomas Riemer
Max plappert mal wieder laut vor sich hin. „Da kann man vieles
reininterpretieren“, frozzelt der Chef des Riesaer Tierparks Gerhard
Herrmann. Denn Max ist ein Eichelhäher, der zwar mit den Elstern in
seinem Käfig ganz gut klarkommt und im Tierpark zu den
Publikumslieblingen zählt. Aber das gefühlte „Alles klar“ aus seinem
Schnabel will ihm dann doch niemand so recht abnehmen.
 
Für die Sommersaison in der beschaulichen Einrichtung am Rande des
Klosterkomplexes indes scheint wirklich alles klar zu sein. Auch wenn
es zumindest baulich in diesem Jahr keine Veränderungen zu verzeichnen
gibt. Denn die ursprünglich einmal avisierte Sanierung des Tierparks
bis 2013 liegt angesichts klammer Kassen weiterhin auf Eis. „Mit
relativ kargen Mitteln das Vorhandene erhalten“ heißt daher die Devise
des Teams um Tierparkleiter Herrmann. An Attraktivität hat die Anlage
natürlich trotzdem nichts eingebüßt. Die Verbindung zwischen Tierpark
und Kloster sei relativ einmalig, nennt Herrmann einen der wesentlichen
Vorzüge. Ein Besuch lohne sich für den Besucher, „weil er hier Natur
spüren und Geschichte erleben kann“.
 
61 Tierarten mit rund 220 Einzeltieren sollen auch in diesem Jahr das
Publikum anziehen. Den Winter haben sie komplett gut überstanden, die
meisten haben die kalte Jahreszeit in ihren Gehegen verbracht. „Nur die
Störche mussten wir mal kurz anderweitig unterbringen“, sagt Gerhard
Herrmann mit Verweis auf die beiden frostigen Wochen im Februar.
Neben den üblichen Tagesaufgaben der Pflege und des Fütterns ist das
Team aus sechs Mitarbeitern derzeit dabei, die Beete und Rabatten im
Areal in Ordnung zu bringen. „Nächste Woche beginnen wir mit der
Frühjahrsbepflanzung“, sagt Herrmann. Eine Winterpause an sich aber gab
es im Tierpark nicht. Geöffnet war bis auf ganz wenige Ausnahmen immer,
seit März können sich Besucher auch wieder bis 17 Uhr – vorher 16 Uhr –
umsehen.
 
„Es gibt jede Woche neue Situation, in denen man die Tiere erleben
kann“, sagt der Leiter. Wohl auch deshalb sind unter den Gästen immer
wieder bekannte Gesichter. Viele haben eine Jahreskarte. Und ganz
besonders freut sich Gerhard Herrmann, dass auch immer wieder ehemalige
Mitglieder seiner Arbeitsgemeinschaft – inzwischen mit ihren Kindern –
den Weg in den Komplex finden und auf diese Weise symbolisch eine Art
Staffelstab weiterreichen. Deshalb ist er auch zuversichtlich, die Zahl
von 35000 Besuchern wieder zu erreichen, die jeweils in den letzten
Jahren im Riesaer Tierpark waren.
 
Zumindest momentan müssen die Gäste allerdings auf aktuellen
Tiernachwuchs noch verzichten. Dafür aber ist Gerhard Herrmann
gespannt, wie sich die Ziesel in diesem Jahr entwickeln. Sie waren in
unseren Breiten in den 1970/80er Jahren ausgestorben. Seit 2005 gibt es
gemeinsam mit einem Projekt im Osterzgebirge den Versuch, die Art
wieder heimisch werden zu lassen. „Momentan sieht es gut aus“, sagt
Herrmann knapp. Man müsse halt abwarten, was der Winter gebracht hat.
Denn die Tiere – eine Gattung der Erdhörnchen – stammen eigentlich aus
der Nähe von Wien und müssen sich erst an das temperaturmäßig rauhere
Klima im Erzgebirge gewöhnen.
 
(SZ Riesa am 15. März 2012)

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