Was Riesaer so alles wegwerfen
Beim freiwilligen Frühjahrsputz beteiligen sich rund 1500 Frauen und Männer. An der Sammelstelle vor dem Rathaus wanderte mehr Müll als in den Vorjahren in die Container.
 
Von Thomas Riemer
 
Aus Nickritz kommt eine „ergiebige“ Fuhre: ausgebaute Autositze, Autoreifen, ein selbstgebauter Schneeschieber. Die Gröbaer um Andreas Näther bringen sogar ein Fahrrad, Autofelgen, ein Zirkusbanner, alte Teppiche, eine Küchenabzugshaube und ein Sofa. Die THW-Jugend lädt vom Fahrzeug jenen Müll ab, den sie zwischen Muskator-Werk und Elbbrücke aufgelesen hat. „Dort ist es sehr ergiebig“, berichten die jungen Helfer. Peter Margenberg, der den Einsatztrupp der Rorarier im Stadtpark leitet, hat dagegen festgestellt, dass es „dort erstaunlich sauber ist“.
 
Es ist ein Kommen und Gehen bei der 10. Auflage von „Sauberes Riesa“. Rund 1500 Einwohner haben teilweise den Freitagnachmittag, die meisten den Samstagvormittag geopfert, um an allen möglichen und unmöglichen Stellen ihrer Stadt achtlos Weggeworfenes oder auch „mutwillig Vergessenes“ zu sammeln und zum Rathausplatz zu bringen. „So viel Müll hatten wir noch nie“, konstatiert der Leiter des Bürgeramtes Wolfgang Beckel, als zur Mittagsstunde beim Entsorgungsunternehmen Remondis sogar ein vierter Container geordert werden muss. Gemeinsam mit Gerhild Teichmann koordiniert er die Arbeiten an der Sammelstelle auf dem Rathausplatz. „Rund 35 Gruppen sind im gesamten Stadtgebiet im Einsatz“, sagt Gerhild Teichmann. Hinter den Gröbaern notiert sie eine 30, Claus Wehlte vom Gartenverein „Reiter“ diktiert eine 43 in ihren Block – die Teilnehmerzahlen können sich sehen lassen. Waren es bei der Erstauflage vor zehn Jahren um die 150 putzende Riesaer, so sind es zehn Jahre später auch zehn Mal so viel. Viele seien von Anfang an dabei, sagt Gerhild Teichmann. Traditionell waren die Schulen schon am Freitag im Einsatz. Und Wolfgang Beckel lässt nicht unerwähnt, dass zum Beispiel zahlreiche Bewohner des Obdachlosenheimes spontan ihre Bereitschaft zum Mitmachen erklärten – auch das wie eigentlich in jedem Jahr.
 
Gunter Spies und Jürgen Stütz nehmen beim Umladen auf die Container genau unter die Lupe, was sie finden. „Der Kühlschrank ist total sauber – der stand nicht einen einzigen Tag draußen“, schimpft Spies. Die Vermutung, dass manche Leute nur auf den städtischen Frühjahrsputz warten, um ihren Müll abzustellen, liegt nahe. „Viele schaffen das Zeug von einem Stadtteil in den anderen und fahren dabei dreimal an Remondis vorbei“, ärgert sich Spies. Nach seinem Dafürhalten müsse noch mehr nach dem Verursacherprinzip beim Müll gefragt werden. Wenn man dort den Hebel ansetze, könne manche Dreckecke vermieden werden. Bestes Beispiel: An einem verwahrlosten Grundstück an der Goethestraße werden von Plakatierungskolonnen alte Banner immer wieder auf die Wiese geworfen, um Platz für neue zu schaffen. Pünktlich zum Frühjahrsputz ist der ganze Müll dann wieder auf dem Fußweg außerhalb des Grundstücks gelandet. Da gerät bei den Helfern das Blut schon mal in Wallung.
 
Denn bei allem Spaß, den die Müllsammler möglicherweise ob der gemeinsamen Aktion und vieler gereinigter Plätze haben, bleibt ein fader Beigeschmack. „Man hätte diesen Tag nämlich so schön verbringen können anstatt anderer Leute Müll wegzuräumen“, sagt Gunter Spies.
 
(Sächsische Zeitung Riesa, 23. April 2012)

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