Was sich Riesaer 2012 wünschen

Was sich Riesaer für 2012 wünschen
Eine Blitzumfrage macht klar: Arbeit, Familie und soziale Absicherung stehen im kommenden Jahr ganz oben auf der Wunschliste. Doch wer soll die Wünsche erfüllen?
 
Von Thomas Riemer
 
„Ich wünsche mir Frieden auf der Welt!“ So lautet Jenny W.‘s  Antwort auf eine kleine Umfrage, die der „Riesaer Riese“ Gunter Spies kurz vor dem Jahreswechsel auf einer Internetplattform startete. „Welche Wünsche gibt es für 2012 in Riesa?“ fragte er provokant und gab auch gleich selbst die erste Antwort: Freundlichkeit.
Doch weitere Antworten, die nicht selten mit einer eigenen Geschichte verknüpft sind, verblüffen. Man müsste mehr anbieten für Alleinerziehende, „wo sie mit ihren Kindern hingehen können und ihnen auch mal geholfen wird“, sagt Stefanie Schlawne. Sie ist 21, alleinerziehend und absolviert derzeit eine Weiterbildung zum Pflegehelfer. Sorge bereitet ihr ebenso die Situation der Kindertagesstätten in Riesa. Die vorhandenen seien zumeist voll. „Man muss sowas von kämpfen, um einen Platz zu bekommen“, sagt sie. Und regt an, dass Kindereinrichtungen auch an Wochenenden oder gar über Nacht zur Verfügung stehen. Das verwundert nicht: Stefanie Schlawne geht „nebenbei“ auch am Wochenende oft arbeiten – wenn sie einen Aufpasser fürs Kind findet.
Lisa Klenner schlägt in eine ähnliche Kerbe. Sie befindet sich zurzeit im Erziehungsurlaub und wünscht sich nicht nur, dass mehr für Kleinkinder und junge Mütter – bis hin zur Hilfe bei der Ausbildungsplatzsuche - getan wird, sondern auch Freizeitangebote existieren, „die finanziell realisierbar sind“. Sie selbst habe vor der Schwangerschaft eine Ausbildung zum Altenhelfer begonnen, sei dann allerdings gekündigt worden. Deshalb arbeite sie jetzt in einem Discounter in Riesa als Aushilfe. Für Lisa Klenner ist daher denkbar, dass „die Stadt helfen und an fleißige junge Leute Lehrstellen vergeben“ sollte.
Nadine Schulz setzt ebenfalls aufs Familiäre. „Wenn das Wochenende ansteht oder Ferien sind, weiß man echt nicht mehr, was man mit den Kleinen machen soll“, sagt die Hausfrau und zweifache Mutter. Sie stört sich außerdem an der geringen Zahl von Kinderärzten in Riesa. „Wir haben hier in Riesa grad mal zwei Ärzte. Wenn die mal zu haben, muss man nach Nünchritz oder Strehla oder gar noch weiter“, so die 25-Jährige. Ums Kinderwohl sorgt sich auch Ines Zacharias (43). „Die Kinderbetreuung im Stadtteilhaus Gröba wurde wegrationalisiert – soviel ich weiß, aus Finanzgründen“, kritisiert sie. Ihre Anregung: Elternteile könnten in den dortigen Räumlichkeiten künftig für Betreuungsangebote sorgen, meint die Mutter von sieben Kindern.
„Ich wünsche mir, dass die Menschen in Riesa sich nicht immer beschweren, was es nicht gibt, sondern die vielen schönen Möglichkeiten nutzen, die schon da sind“, entgegnet Katja Kaufmann. „Riesa ist schön!“ ergänzt die 22-jährige Vertriebsassistentin. Man dürfe nicht der Stadt die Schuld geben, wenn man keine Arbeit finde. „Riesa ist, was Ihr draus macht“, so Katja Kaufmann.
 
Judith N. geht noch weiter und appelliert an die Menschen, nicht nur zu lamentieren. „Wem die Spielplätze nicht sauber genug sind, nehme sich eine Mülltüte und Gummihandschuhe mit und nutze die Zeit“, sagt sie. Kerstin Gothe (47), Immobilienkauffrau, stimmt zu. „Dreckige Spielplätze sind ja auch von jemandem so verunreinigt worden. Wer immer nur denkt, ich war das nicht, ich mach nicht sauber, muss sich nicht wundern, dass es nicht besser wird“, macht sie kein Hehl aus ihrem Unmut über ewige Meckerer und deren Tatenlosigkeit.
Lob dagegen verteilt Kerstin Gothe in eine andere Richtung. „Ich wünsche mir, dass weiter so viel in Sachen Sport für unsere Kinder getan wird“, sagt sie. Der Sportkus sei eine gute Sache. Die Talenteförderung der Riesaer Kinder statt fremder Spitzensportler sollte weiterhin Priorität haben. „Der Stadt wünsche ich ein glückliches Händchen mit der FVG“, so Kerstin Gothe. „Die eingeschlagene Richtung finde ich persönlich gut.“ Ähnlich, wenn auch auf Wunsch ohne Name, klingt dies: „Ich wünsche unserer Stadt kluge Menschen, die großartige Ideen verwirklichen dürfen.“
Ob Gunter Spies bei der Eröffnung seiner Umfrage mit derartigen Antworten gerechnet hat – die Antwort auf diese Frage steht aus. Der „Riese“ hat allerdings ebenso seine Wünsche für das neue Jahr. „Allen 2012 eine Arbeit – das ist schon wünschenswert“, sagt er. Und: „Ich fordere eine Petition für den Weiterbau der B 169 - ich unterzeichne als Erster. Wo so viel Geld für Europa bereitgestellt wird, muss auch was für die B 169 übrig sein. Jetzt – und nicht erst 2015“, so Spies.
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 2. Januar 2012)

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