Wenn es im Park lauter wird
Am Riesaer Puschkinplatz treffen sich immer wieder Bier trinkende Leute auf dem Spielplatz. Passanten betrachten das Geschehen mit gemischten Gefühlen.
 
Von Thomas Riemer
 
Früher Nachmittag auf dem Riesaer Alexander-Puschkin-Platz: An den Bushaltestellen herrscht reges Begängnis. Schüler des naheliegenden Städtischen Gymnasiums warten auf die Linienfahrzeuge, die sie nach dem Unterricht nach Hause bringen. Ein paar Jüngere toben auf dem Spielplatz. Passanten freuen sich auf ihren Feierabend, lesen Zeitung. Normaler Alltag – wenn da nicht immer mal wieder Bierflaschen rollen und etwas lautere Gespräche – vorsichtig ausgedrückt – durch die Bäume und Sträucher dringen. „Die Suffköppe streiten sich bestimmt mal wieder“, sagt Anna-Maria Schaller (Name geändert). Die 17-Jährige fährt zwei Mal die Woche um die Mittagszeit vom Puschkinplatz in Richtung Meißen. Über die Wiesen laufe sie schon lange nicht mehr, sagt sie. „Wer weiß, was dort liegt.“ Andere Passanten werden deutlicher. „Die p… an die Bäume oder auch mal in den Papierkorb“, sagt Rene, Gymnasiast, hinter vorgehaltener Hand. Und auf die öffentliche Toilette gehe er am Puschkinplatz schon lange nicht mehr…
Treffs alkoholisierter Leute sind zwar auf öffentlichen Plätzen in Riesa offiziell mehr oder weniger verboten – doch wer soll das schon kontrollieren. Beschwerden aus jüngster Zeit gebe es dazu im Rathaus jedenfalls nicht, so Stadtsprecher Uwe Päsler. Obendrein sei der Puschkinplatz längst nicht der einzige Punkt, an dem sich die meist Arbeits-, nicht selten auch Obdachlosen zum Bier treffen. An der Elbe, nahe des Kinos oder auch am Rathausplatz gibt es weitere. Nein, tatenlos sieht die Stadt dem Treiben natürlich nicht zu. „Unsere Politessen gehen regelmäßig dort entlang“, so Uwe Päsler. Und Beobachter bestätigen, dass auch die Polizei die Plätze desöfteren unter die Lupe nimmt. „Aber die Leute wissen natürlich auch, wann unsere Politessen Dienstschluss haben“, so Uwe Päsler. Und die Polizei kann bekanntlich nicht immer und überall sein.
Größere Scherereien sind zumindest in den letzten Monaten ausgeblieben. Sieht man einmal von diversen kleineren Zerstörungen auf dem Spielplatz am Puschkinplatz ab. Zudem hat das Rathaus beispielsweise schon seit geraumer Zeit Vorsichtsmaßnahmen für die öffentlichen Toiletten getroffen. Die nämlich sind ab dem frühen Abend und vor allem nachts verriegelt. Der eigentliche Grund dafür war seinerzeit, dass dort sogar Leute geschlafen hatten, erklärt Uwe Päsler.
Anna-Maria Schaller peitscht zwar der Ekel bei diesem Gedanken. Doch insgeheim hegt sie ein gewisses Verständnis für die „Suffis vom Spielplatz“. Eigentlich seien es doch „bedauernswerte Gestalten, wenn sie schon früh zur Flasche greifen müssen“, sagt sie. Gymnasiast Rene pflichtet ihr bedingt bei. „So lange sie uns und die anderen Leute in Ruhe lassen, sollen die doch da sitzen“, sagt er. Für Stadtsprecher Päsler indes stellt sich das Problem von einer anderen Seite dar. Denn Zerstörungen oder auch Erregung öffentlichen Ärgernisses sind keine Kavaliersdelikte. Letztlich ist sowieso alles irgendwie in der Polizeiverordnung der Stadt Riesa geregelt. Zum Beispiel ist es in oder auf öffentlichen Straßen, Anlagen oder Einrichtungen „der Genuss von Alkohol, wenn bereits dieser aufgrund konkreter Vorgänge unmittelbar erwarten lässt, dass andere Personen erheblich belästigt werden, beispielsweise durch aufdringliches oder aggressives Verhalten, verboten“. Gleiches gilt für das Zerschlagen von Flaschen oder das Verrichten der Notdurft. Und übrigens auch – das nebenbei – für das Wegwerfen von Kaugummis und Zigarettenkippen.
„Das Problem ist: Du musst die Leute dabei erwischen“, sagt Uwe Päsler.
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 29. Oktober 2011)

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