Wer kriegt den 55. Riesen?

Wer kriegt den 55. Riesaer Riesen?
Seit 1997/98 wird die Ehrung jährlich vergeben. Der Rahmen hat sich inzwischen verändert. Aber die Namen der Preisträger stehen wie ein Denkmal. Die SZ erinnert an sie.
 
Von Thomas Riemer
 
Muhammad Ali hat ihn trotz seines spektakulären Riesa-Besuchs vor zehn Jahren nicht bekommen. Ex-Oberbürgermeister Wolfram Köhler musste bislang auch „ohne“ auskommen. Sein Vorgänger Horst Barth indes ist eine von zwei Persönlichkeiten, die ihn für das Lebenswerk erhielten. Und Gunter Spies muss möglicherweise auch künftig auf den Preis verzichten – denn er verkörpert ihn in persona, den RIESAER RIESEN. Am Sonnabend wird die 1997/98 „erfundene“ Riesaer Auszeichnung wieder verliehen. Diesmal beim Treffen „Riesa für alle“ in der Stadthalle „Stern“. Die war auch schon früher Austragungsort der feierlichen Ehrung. Bislang freilich blieb dies stets einem erlesenen Personenkreis vorbehalten. Jahresball hieß das damals.
Diesmal wird alles anders. Alle für Riesa ist“ – wie der Name schon sagt – offen für alle und kostet auch keinen Eintritt. „Da und dort zu hörende Vorbehalte von einer womöglich „elitären“ Veranstaltung sind völlig unnötig“ so Stadtsprecher Uwe Päsler. Auch die Festveranstaltung ab 18 Uhr mit der Riesen-Verleihung sei für alle Interessierten ohne Eintritt zugänglich. „Man muss weder im Anzug erscheinen noch im Abendkleid“, so Päsler. Die Riesen-Verleihung ist mit etwa 90 Minuten geplant. Aber wer erhält nun die Ehrung? Alles streng geheim, heißt es dazu aus dem Rathaus. Nicht einmal eine Antwort, in welchen Kategorien der „Riese“ verliehen wird, ist zu bekommen. Klar ist: Es wird unter anderem der 55. Riese (ohne Stinkstiefel) vergeben. Bislang stehen 53 Namen in der Liste der Geehrten. Ein einziger übrigens doppelt: Dr. Horst Barth.
Ø Der Riese für das Lebenswerk
Erst zwei Mal kamen Riesaer Persönlichkeiten in den Genuss, für ihr Lebenswerk geehrt zu werden. Unvergesslich wird der Moment bleiben, da der frühere Oberbürgermeister Dr. Horst Barth die Ehrung von seinem Nachfolger Wolfram Köhler in Empfang nahm. 2006 war das aus Anlass der  888-Jahrfeier der Stadt Riesa. Zwei Jahre später erhielt der verdiente Kirchenmusikdirektor, Chorleiter und Organist Heinz Jäckel den Riesen. Zu den bleibenden Verdiensten zählen die Förderung der Kirchenmusik sowie die Unterstützung des musikalischen Nachwuchses und seine vielfältige musikalische Tätigkeit in der gesamten Region.
Ø Der Wirtschafts-Riese
Er wurde bislang nur einmal (2005) nicht vergeben. Meist ging er an Einzelpersonen. Der erste Riese für Wirtschaft ging an den viel zu früh verstorbenen Geschäftsführer Klaus Freidler von der Teigwaren Riesa GmbH für die Entwicklung der Sumo- Nudeln als herausragende wirtschaftsfördernde Idee. Bäckermeister Matthias Brade war 2003 Preisträger. Er hatte sein Röderauer Unternehmen nach dem Jahrhunderthochwasser vom August 2002 in Riesa neu aufgebaut. Und immer wieder ließ und lässt er sich zu verschiedensten Anlässen neue Backkreationen einfallen. Gleich sieben Männer standen 2006 auf dem Podium. „Wolfgang Helm, Klaus Ufer, Volker Lässig, Dietrich Fischer, Ralph Emmerlich, Horst Barth und Friedrich Liebau trugen maßgeblich zur Umgestaltung des Stahlwerkes nach der Wende bei“, begründete damals das Kuratorium. Bislang letzter im Bunde war 2010 Peter Grau, Geschäftsführer der Tralo GmbH.
Ø Der Riese für Sport
 
2005 sah die Öffentlichkeit der Riesen-Verleihung mit besonderer Spannung entgegen. Zu Recht, wie sich herausstellte. Denn die Auszeichnung wurde nur ein einziges Mal vergeben. An den Akrobatik-Trainer des Sportclub Riesa, Igor Blintsov. Den ersten Sport-Riesen 1997 nahm die Box-Staffel des SC in Empfang, „weil sie mit Hartnäckigkeit und Engagement versucht hat, die Riesaer Boxtraditionen wieder zu beleben“. Lang ist’s her. Namen wie Siegfried Martick, Gunther Engelbrecht, Harald Czudaj und Gerd Leopold stehen ebenso auf der Liste wie der ESV Lok Riesa, die SG Canitz und die letzten Geehrten vom Riesaer Cheerleaderverein.
Ø Der Kultur-Riese
15 Jahre ist es her, als mit Chorleiter-Legende Karl Haffner der erste Riesenpreisträger für Kultur auf der Bühne stand. In all den Jahren gelang es dem Kuratorium immer wieder, den breiten Mixed des Riesaer Kulturlebens mit oft in der Öffentlichkeit weniger bekannten Namen zu unterlegen. Gertrud Wenzel vom damaligen Hanns-Grundig-Club, Lutz „Nudel“-Walter, Wolfgang Haufe, Schriftstellerin Renate Preuß, die Musiker Ralf und Heiko Beutler reihten sich zu den Preisträgern ebenso ein wie die Neue Elbland Philharmonie, der stadtbahnverein oder das Musik-Kasparett „Zärtlichkeiten mit Freunden“. Im vergangenen Jahr erfuhr Lothar Gläsel die ehre „für seine langjährige Mitwirkung im Museumsverein und sein außerordentliches Engagement bei der Gestaltung niveauvoller Veranstaltungen“.
Ø Der Riese fürs Ehrenamt
Er ist das „jüngste Kind“ unter den Riesen. Erst seit 2004 wird er verliehen. Die Riesaer Jugendfeuerwehr bekam ihn damals als Anerkennung dafür, dass ihre Mitglieder ihr Herz einer überaus wichtigen ehrenamtlichen Aufgabe verschrieben haben. Zwei Jahre später, im Riesaer Jubiläumsjahr, konnte sich der Verein „Riesa und die Welt“ freuen. Gitta Frensel vom Kinderschutzbund wurde 2007 geehrt – unter anderem dafür, dass der Kinderschutzbund dafür sorgt, dass bedürftige Kinder eine warme Mahlzeit erhalten. Uwe Hübner wiederum war 21 Jahre Chef der Freizeitinsel in Merzdorf, wofür er 2009 den Riesen bekam. Und im letzten Jahr war es Fotograf Helmut Neumann, der mit seinen Bildern nach Ansicht des Kuratoriums viel zur Bewahrung der Riesaer Geschichte getan hat.
Ø Der „Stinkstiefel“
Er war umstritten wie kein anderer – und seinem „Empfänger“ wurde stets mit besonderer Spannung entgegen gesehen. Allerdings – und das unterscheidet ihn von den anderen Riesen – wurde er nie mit konkreten Namen unterlegt. „Gewürdigt“ wurden zum Beispiel die Querelen um den Verkauf der Pausitzer Delle (1997), die „Stadtruinen unter Denkmalschutz“ (1998), dien „Schmutzfinken von Riesa“ (1999), der „Untergang eines Fußballclubs“ (2002) und die „politische Unkultur und deren Verursacher“ im Wahlkampf 2002. Bemerkenswert war die Verleihung des Stiefels auch 1999. Damals richtete er sich gegen „alle links- und rechtsextremen Kräfte, die unserer Stadt – insbesondere im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Deutschen Stimme – in der Öffentlichkeit ein Image geben, das nicht stimmt und das die Bürger nicht wollen“. Seit 2004 wird der Stinkstiefel nicht mehr vergeben – er war wohl nicht mehr zeitgemäß.
Ø Das Riesen-Orakel für 2012
Die Spannung ist groß. Wer erhält die 2012er Riesen? Werden es ausschließlich neue Namen sein, die sich einreihen? Oder wird es „Wiederholungstäter“ geben? Das Kuratorium schweigt dazu hartnäckig. Verdient hätten ihn sicherlich viele für das, was sie im vergangenen Jahr leisteten. Auch Stadtmaskottchen Gunter Spies, der „richtige Riesaer Riese“, weiß nicht, wer die Gewinner sind und am 3. März auf der Bühne stehen.„Ist auch gut so“, meint Spies. Deshalb will er die Frage dann doch lieber diplomatisch beantworten. Und zwar mit einem Zitat von Alexander dem Großen. „Als er auf dem Sterbebett nach seinem Nachfolger gefragt wurde, soll er geantwortet haben: ,Der Würdigste‘. Dem kann ich mich bei der Preisvergabe nur anschließen“, so Gunter Spies.

Nach oben