Chemiker feiern 60. Vereinsgeburtstag

Chemiker feiern

Vereinsjubiläum

Vor 60 Jahren wurde der Sportverein als „Betriebssportgemeinschaft Chemie Nünchritz“ gegründet. Heute hat er mehr als 400 Mitglieder.

 

Von Thomas Riemer

 

Am Sonnabend feierte der Sportverein Chemie Nünchritz seinen 60. Geburtstag. In der Wacker-Sporthalle. Ausgerechnet dort? Vereinschef Reinhard Neumann wiegelt ab. Denn zwischen Wacker und Chemie Nünchritz gibt es weder übertriebene Konkurrenz noch gar irgendwie „böses Blut“. Wacker ist Wacker. Und Chemie ist Chemie. Man nimmt es sportlich.

„Aus pragmatischen Gründen sind wir nicht Wacker geworden“, erklärt Reinhard Neumann das Prozedere. Denn als sich die damalige Betriebssportgemeinschaft (BSG) Chemie Nünchritz kurz nach der Wende zum SV Chemie wandelte, da war an Wacker in der Gemeinde noch nicht zu denken. Der Chemie-Gigant „flog“ erst Mitte der 90er Jahre ein.

Den „Chemikern“ ist’s egal. Sie blicken auf eine 60-jährige wechselvolle, aber überaus erfolgreiche Vereinsgeschichte zurück. Mit derzeit 409 Mitgliedern gehört der Verein zu den größten, die es in der Region überhaupt im ländlichen Raum gibt. Und das trotz der Tatsache, dass sich einige ehemalige Sektionen wie die Fußballer, die Kegler und die Sommer-Biathleten nach der Wende ausgliederten und eigene Vereine gründeten oder auflösten.

Natürlich war es vor allem das Nünchritzer Chemiewerk mit all seinen Facetten, das auch die sportliche Entwicklung in der Gemeinde prägte. Am 1. September 1951 erfolgte die Gründung der BSG Chemie aus einem Zusammenschluss von Vorgängervereinen ursprünglich zur BSG Traktor, aber schon damals in Trägerschaft des Chemiewerkes. Der Verein entwickelte sich stetig und schafft es bis 1989 zur stattlichen Mitgliederzahl von mehr als 1200.

Das Jahr 1990 brachte einen Umschwung. Mit der Umbenennung zum SV Chemie Nünchritz im Juni konnten zwar Symbolik und Eigentum beibehalten werden, sagt der heutige Vorsitzende Reinhard Neumann. Doch die Zahl der Vereinsmitglieder sank zunächst drastisch. Rund 250 „Chemiker“ blieben dem Verein treu. Schon beim 50. Jubiläum 2001 konnte die Vereinsführung wieder einen Anstieg auf 320 aktive Sportler verzeichnen. Und heute sei man stolz, dass von den wieder über 400 Mitgliedern 272 Erwachsene sind, von denen ein Drittel bei Wacker arbeiten. Logisch, dass sich dieses Verhältnis auch in etwa auf die Nachwuchssportler überträgt, die derzeit Sport bei Chemie Nünchritz treiben, so Reinhard Neumann.

Größte Abteilung sind heute die Turner mit rund 120 Mitgliedern. Zu ihnen gehört auch das älteste Vereinsmitglied - die 90-jährige Helene Kutschke nämlich. „Sie war schon Gründungsmitglied der BSG Chemie!“ so Reinhard Neumann. Der Öffentlichkeit bekannt sind die Turner vor allem durch ihre jährliche Weihnachtsschaudarbietung. Jüngste Abteilung dagegen ist die der Tänzer. Sie gründete sich „erst“ 2002 und stellt auch einen Großteil der Funkengarden des Glaubitzer Karnevalsklubs. Mit mehr als 90 Aktiven sind die Volleyballer nach eigenen Angaben einer der größten Vereine dieser Sportart im Elbland. Die Teams beteiligen sich am aktuellen Punktspielbetrieb – und das zum Teil recht erfolgreich. Weitere Sektionen sind Popgymnastik (seit 1985), Tischtennis, Leichtathletik und Kanu.

Das 60-jährige Bestehen der Chemiker wurde am Sonnabend zunächst mit einem Vormittag für jedermann eingeleitet. Dabei ging es an Fußballtorwand oder auf der Hüpfburg einfach um den Spaß. Den gab es auch am Abend bei der Party mit Vereinsmitgliedern und Gästen in der Wacker-Sporthalle. Popgymnasten, Tänzer und Turner zeigten, was den Verein ausmacht. Und so kann es jetzt also in die nächsten Jahre gehen – wacker, und als SV Chemie.

 

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 4. Oktober 2011)

Nach oben