Ranklotzen für das große Turnier
Beim SV Traktor Priestewitz laufen die Vorbereitungen für das Nachwuchs-Hallenturnier der Fußballer am Wochenende auf vollen Touren. Tausend kleine Handgriffe sind zu erledigen. Die SZ erzählt, was passiert.
 
Von Thomas Riemer
Für Freitag hat Michael Zech zum Hallenputz in die Priestewitzer Sporthalle geladen. Der Trainer der D-Jugend-Fußballer beim SV Traktor Priestewitz gehört zu den Cheforganisatoren des Hallenkicks am Wochenende. 14 Mannschaften aus vier Ländern spielen um den Turniersieg. Dass alles wie am Schnürchen läuft, dafür sorgen Betreuer, Eltern und weitere Enthusiasten weitgehend selbst.
Ø Lange Einkaufsliste der Mutti GmbH
25 Kartons Milch, 1,2 Kilo Fleischsalat, zehn Kilo Mehl, drei Kilo Zucker, 180 eier, 150 doppelte Brötchen, fünf Kilo Nudeln, ein Kilo Reibekäse, fünf Eimer Senf… Die „Beschaffungsliste“, die Romy Lichtner-Zech verwaltet, scheint endlos zu sein. Aber 150 Spieler, dazu Betreuer und Eltern sowie weitere Zuschauer wollen an den beiden turniertagen natürlich nicht nur Fußball sehen, sondern zwischendurch auch essen und trinken. Eigens dafür gibt es die so genannte Mutti GmbH. „Die Idee ist irgendwann mal beim Aufbauen und Einräumen des Essensverkaufsraums entstanden“, erzählt Romy Lichtner-Zech. Vorher gab es ein Hinweisschild für die Gäste zum „Traktoristen-Im-Biss“. Doch da die Muttis der Priestewitzer Kicker quasi in eigener Regie die Verpflegung absichern, wurde daraus dann die „GmbH“. Deren oberster Dienstherr ist übrigens der einzige männliche Vertreter im Unternehmen: Adolf Noppes, Vereinspräsident beim SV Traktor und Chef der Vereinsgaststätte. Er sichert ab, das alles seinen geregelten Gang geht. Dank der Hilfe zahlreicher Sponsoren kann die „GmbH“ unter anderem auf Crepe-Eisen, Kafeeautomat und weitere Utensilien zurückgreifen, um ein anspruchsvolles Menü zu bieten. Belegte Brötchen, warme Speisen, Crepes, Kaffee und Kuchen – quasi auf nichts müssen die Besucher verzichten. Und alles irgendwie hand- und hausgemacht von den Muttis. Einen Einsatzplan für die beiden Tage gibt es übrigens nicht. „Alle helfen, wenn Bedarf ist“, sagt Romy Lichtner-Zech. Auch wenn die Muttis dabei wahrscheinlich nicht jedes Spiel der eigenen Kinder anschauen können.
Ø Die kleine Baubrigade der Vatis
Seit Dienstagabend wird geschleppt, geräumt, geschraubt am Veranstaltungsort. Udo Fromm und eine kleine Gruppe von Spielervätern und Freiwilligen ist unentwegt dabei, die Banden anzubringen, Tribünen aufzubauen. „Wir liegen gut im Plan“, sagt „Brigadeleiter“ Fromm. Kein Wunder, denn inzwischen ist nach den Turniererfahrungen der letzten Jahre auch schon eine Menge Routine dabei. Ein Großteil der Werbetafeln und Banner ist bereits vorhanden, die meisten Utensilien werden von den Sponsoren selbst angeliefert. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Udo Fromm. Und besonders schön sei, dass zu den Spielervätern auch immer wieder Enthusiasten stoßen, die freiwillig helfen. Zum Beispiel der Priestewitzer C-Jugend-Trainer Hans-Ulrich Rätz.
Ø Der Prokurist am Hallen-Mikrofon
„Meine Gage sind die Freude und das Lachen in den glücklichen Kinderaugen und natürlich auch die vielen Fans und Zuschauer“, sagt Tino Noack. Vom ersten Hallenkick an sorgt er als Hallensprecher für Stimmung während der Spiele und in den Pausen. Angefangen hat es vor drei Jahren. „Eigentlich hatte ich für diesen Tag Karten fürs Grüne Gewölbe. Dann fragte mich Michael Zech, ob ich nicht das Turnier moderieren möchte. Ich fragte: Wer ist dabei? Naja, Dynamo Dresden, FSV Zwickau und der BFC Dynamo und so. Ich ließ die Karten fürs Grüne Gewölbe verfallen“, erinnert sich Tino Noack . Man müsse schon ein bisschen fußballverrückt sein, um solch ein Highlight auf die Beine zu stellen. „Aber es ist einfach toll, was dieses kleine Fußball-Priestewitz da macht“, sagt Noack. Es sind die kleinen Momente, an die er sich sofort erinnert. So wie letztes Jahr, als Thomasz, der kleine sympathische Torwart von Legia Warschau seinen ersten Satz auf Deutsch ins Mikro hauchte: „Vielen Dank für alles“. „Ich glaube, da waren auch die Härtesten gerührt“, so Tino Noack. Er selbst will am Wochenende wieder alles geben. „Da ich sowieso gerade Diät halte, freue ich mich über jedes Kilo, was ich verliere und hoffentlich nicht wiederfinde“, spielt er auf seinen zu erwartenden Einsatz an. Das Event sieht er als gelungene Abwechslung. Wen wundert’s: Im nichtsportlichen Leben ist Tino Noack Prokurist und Fertigungsleiter in einem Unternehmen der Metallbranche mit über 250 Mitarbeitern.
Ø Turnierleiter, Cheforganisator, Trainer, Manager, Herbergsvater – alles in vier Händen
Die kleinen Kicker der D-Jugend des SV Traktor klotzen diese Woche mächtig ran. Im Trainingslager. Trainer Michael Zech hatte ihnen die erste Ferienwoche „freigegeben“. Doch jetzt wird Vollgas gegeben. Denn zwar zählt Zech seine Jungs nicht zu den großen Favoriten. Aber wer weiß… Während der Übungseinheiten klingelt in diesen Tagen immer wieder das Handy. Denn bei Micha Zech laufen fast alle Fäden zusammen. Aber ohne Teammanager Andreas Suche ginge gleich gar nichts. „Die konkreten Planungen gingen schon im letzten Sommer los“, erzählt suche. Da wurden die teilnehmenden Vereine angeschrieben und dabei insbesondere Kontakte genutzt, die die Priestewitzer bei anderen großen Turnieren geknüpft haben. Letztlich sei es trotzdem eine sehr aufwendige Sache, „die viel Zeit frisst“, so Andreas Suche. Da müssen im Internet die Adressen gesucht, die anschreiben formuliert und die antworten abgewartet werden. Unterm Strich steht ein durchweg starkes Teilnehmerfeld mit Teams aus vier Ländern. Doch da steht schon die nächste Frage: Wo werden die Spieler und Betreuer untergebracht? Auch hier war in den letzten Wochen viel Klein- und Verhandlungsarbeit nötig. Andreas suche wälzte Internet und Telefonbücher, suchte Pensionen und kleine Hotels, bekam Zu- aber auch Absagen. Letztlich werden alle Spieler am Wochenende ein Quartier in Großenhain und Umgebung samt Frühstück finden. Die ersten Vereine – aus Hannover und Polen – reisen bereits am Freitag an. Auch hier zahlten sich langjährige Kontakte, zum Beispiel zur Pension Faust und zur Pension der sportbegeisterten Familie Peukert auf der Öhringer Straße in Großenhain aus. Wichtig für Manager und Trainer gleichermaßen ist es, dass hochklassige Vereine wie eben Hannover 96 das Priestewitzer Turnier als hochwertigen sportlichen Leistungsvergleich ebenso schätzen wie die familiäre Art der Durchführung. „Und das in einem Dorf wie Priestewitz!“ betont Andreas Suche. Dazu zähle im übrigen auch, dass die Veranstalter die Priestewitzer Sporthalle mit ihren guten Bedingungen voll nutzen können. „Anderswo ginge so etwas gar nicht“, sagt Michael Zech mit Blick ins benachbarte Großenhain. Von Vorteil erwies sich, dass die Halle nach wie vor von der Gemeinde betrieben wird und die „Traktoristen“ somit zum Beispiel die Verpflegung und die Technik in eigener Regie organisieren können. Bis hin zur Präsentation der Sponsoren, von denen es zum Glück recht viele in Großenhain und dem Umland gab.
 
Turnierablauf
Gespielt wird am 25. Februar ab 9 Uhr in einer ersten Vorrundengruppe, in der auch die Gastgeber kicken. Nach der offiziellen Eröffnung um 13.30 Uhr mit allen 14 Teams wird die Reihenfolge in Staffel II ermittelt. Der Sonntag beginnt um 8 Uhr mit der "Silberrunde" um die Plätze 9 bis 14. Zwischen 11.30 und 16 Uhr geht dann die Finalrunde über die Bühne. 16.30 Uhr ist Siegerehrung.
 
Das Teilnehmerfeld:
SV Traktor Priestewitz, Hannover 96, FC Hansa Rostock, 1. FC Union Berlin, FC Carl Zeiss Jena, RB Leipzig, 1. SC Feucht, SC Borea Dresden, Tennis Borussia Berlin, SG Dresden-Striesen (alle Deutschland), FK Cesky Lev Nestemice (Tschechien), WSK Slask Wroclaw (Polen), FK Raven Povazcka Bystrica (Slowakei), FK Usti nad Labem (Tschechien).

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