Nichts für schwache Nerven

Freud und Leid lagen bei den Regionalmeisterschaften der Cheerleader in der Erdgasarena nah beieinander. Fast 2000 Teilnehmer kamen. Die Riesaer Teams holten fünf Medaillenplätze. Vier Mannschaften schafften die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften.

 

Von Thomas Riemer

 

Immer wieder bilden die jungen Damen der Funky Arrows aus Pirna einen Kreis, legen die Arme um die Schultern. Dann ein Jubelschrei. Wieder und wieder wiederholt sich das Szenario – am Ende dann Freude pur, obwohl die Funkys ihren Auftritt noch gar nicht absolviert haben. Doch die Tränen, die die Mädels vergießen, gelten dem Pirnaer Nachwuchs. Die Little Arrows und danach auch die Silver Arrows aus der Elbestadt sind Regionalmeister der Cheerleader.

 

Emotionen wie diese gab es am Sonnabend in der Riesaer Erdgasarena quasi am laufenden Band. Zu den Regionalmeisterschaften waren immerhin fast 2000 Sportler aus acht Bundesländern gekommen, um in den verschiedenen Cheer- und Dance-Kategorien ihre Besten und gleichzeitig die Teilnehmer an den Deutschen Titelkämpfen am 12. Mai in Erfurt zu ermitteln. Zehn Stunden Wettkampf zwischen sportlichen Kraftakten, Konzentration, Anmut, Grazie, Temperament – und das gepaart mit einem Meer voller Tränen. Denn Freud und Leid liegen gerade in einer Teamsportart wie dem Cheerleading sehr nahe beieinander.

 

Rund 3000 Zuschauer, zumeist Fachpublikum aus den teilnehmenden Vereinen, sorgten vor allem am Nachmittag für eine ohrenbetäubende Kulisse. Neben den Pirnaern jubelten da vor allem die kleinen Cheerleader aus Auerbach. Die entschieden diesmal den Wettlauf um die Vorherrschaft im Vogtland gegen ihre Nachbarn aus Plauen zumindest sportlich ganz klar für sich. Das sorgte bei den Plauenern zwar für so manchen Verdruss und – wen wundert’s – bei den Mädchen und ihren Muttis auch für ein paar Tränen der Enttäuschung. Doch im Wettbewerb um den lautesten Fanblock standen die Plauener weder den Auerbachern, Potsdamern, Berlinern oder Riesaern nach. Wobei: Fair ging vor. Jede Superleistung wurde mit tosendem Beifall belohnt. Kleine und auch größere Patzer fanden aufmunternden Beifall. Selbst die „Junior Vipers“ aus dem brandenburgischen Schönwalde, die wegen eines Meldefehlers ohne Wertung antraten, trumpften mit einer erfrischenden Show auf und holten sich im Hexenkessel den inoffiziellen Titel des Publikumslieblings – quittiert natürlich mit ein paar feuchten Augen ob des Missgeschicks. Thomas Luthardt, Chef des gastgebenden Riesaer Cheerleadervereins, kann die Situation nachvollziehen. „Die Gruppen trainieren das ganze Jahr auf diesen Höhepunkt hin – da liegen die Nerven natürlich blank, wenn etwas passiert“, sagt er.

 

Erstmals wurde eine Regionalmeisterschaft unter der Federführung des neuen „Cheerleading und Cheerdance Verbandes Deutschland e.V.“ (CCVD) durchgeführt. Bei der Premiere in Riesa gab es neben den Rekord-Teilnehmerzahlen auch sehr viele lobende Worte für die Gastgeberstadt. „Die Veranstaltung war eine gute Symbiose zwischen Verband, der FVG und den Helfern aus unserem Verein“, resümiert Thomas Luthardt. Wegen der großen Teilnehmerzahlen waren eigentlich alle auf diesen oder jenen organisatorischen „Zwischenfall“ eingerichtet. „Doch es lief wie am Schnürchen“, so Luthardt. Moderator Bernd Schädlich, sonst bezeichnenderweise für gute Laune beim „Vogtlandradio“ zuständig, führte zügig und souverän durch die Wettkampfteile, sparte nicht mit motivierenden Worten und „trennte“ wortgewandt auch fein säuberlich die „Rivalen“ aus der Heimat.

 

Die Riesaer wiederum können mit dem sportlichen Verlauf der Wettkämpfe mehr als zufrieden sein. Von den sieben gestarteten Formationen qualifizierten sich drei für die Deutschen Titelkämpfe – eine wird in Erfurt sogar doppelt starten. Fünf Medaillen – je zweimal Gold und Silber sowie einmal Bronze – gab es. Für den „absoluten Hammer“ – O-Ton Thomas Luthardt – sorgten am Abend die „Minimaniacs“. Sie hatten nachmittags ihren Auftritt mehr oder weniger verpatzt und „mächtig Nerven gelassen“. Um so stärker dann die Vorstellung als „Mini-Dancers“. Da wurden die Elbestädter sensationell Zweite und holten sich auch das Ticket für Erfurt. Viel Lob gab’s zudem für die jüngsten Riesaer, die „Tinymaniacs“. Erst seit September trainiert die Gruppe zusammen. „Für viele war das hier der erste Auftritt überhaupt“, so Thomas Luthardt. Umso größer die Freudentränen bei Aktiven wie Eltern über den 9. Platz. „Ich glaube, die sind unter unserem Startern die stolzesten“, so der Vereinschef.

 

Luthardt hofft, nach dem Großereignis die CCVD-Chefs vom Standort Riesa als Austragungsstätte überzeugt zu haben. „Alle haben fantastische Arbeit geleistet“, sagt er. Die Erdgasarena sei aus seiner Sicht prädestiniert, auch größere Wettkämpfe auszurichten. „Hier könnten sogar Cheer und Dance parallel auf zwei Wettkampfanlagen laufen.“ Damit würde nach seinem Dafürhalten ein immer wiederkehrender Konfliktpunkt bei großen Titelkämpfen entschärft. Nicht nur deshalb also wird der CCVD an der Elbestadt auch künftig nicht vorbeikommen. Natürlich auch wegen der Emotionen pur – denn die Stimmung beim Cheerleading ist in Riesa wahrscheinlich einmalig.

 

(Sächsische Zeitung Riesa, 2. April 2012)

Nach oben