Olympischer Geist in Riesa

Olympischer Geist in der Sportstadt

Zum dritten Mal trafen sich einstige Spitzensportler und Funktionäre in der Elbestadt. Neben Erinnerungen an legendäre Erfolge standen unter anderem eine Besichtigung von Riesaer Sportstätten und eine Schiffsrundfahrt auf dem Plan.

Von Thomas Riemer
Bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften haben sie sich nie getroffen: Ulrike Richter, Schmidt, Doppel-Schwimmolympiasiegerin von Montreal 1976, Hartmut Briesenick, Olympiadritter im Kugelstoßen bei den Spielen in München 1972, Dietmar Schauerhammer, einstiger Zehnkämpfer und 1984 mit Doppel-Gold als Bobfahrer sowie Volker Schmidt, Fußball-Legende von Wismut Aue. In Riesa saß das Athleten-Quartett am Samstag vereint und quietschvergnügt zur Autogrammstunde auf der Hauptstraße. Während sich andere Teilnehmer des Treffens ehemaliger Olympioniken noch auf Stadt- und Schiffsrundfahrt im Hotel vorbereiteten, sprachen sie mit Passanten, unterschrieben auf Fotos.
Rund 70 ehemalige Sportler, Trainer und Funktionäre waren der Einladung von Klaus Katzur zum dritten Treffen nach Riesa gefolgt. Katzur, selbst Zweiter bei Olympia 1972 in München im Schwimmen und mittlerweile Riesaer, hatte jede Menge Herzblut in die Vorbereitung gesteckt. Begrüßung im Riesenhügel am Freitag mit Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer, Besichtigung von Sportstätten der Elbestadt, eine Rundfahrt mit dem Motorschiff „MS Riesa“ und natürlich ganz viel Zeit zu Gesprächen über Vergangenheit und Gegenwart hatte er mit einigen Helfern vom SC Riesa organisiert.
Und die einstigen Sportgrößen, vorwiegend aus Ostdeutschland, fanden nicht nur Dankesworte für Klaus Katzur, sondern fühlten sich pudelwohl. „Wer sich diese Weste anzieht und so etwas auf die Beine stellt, vor dem habe ich Respekt“, sagte Martina Grunert-Abresch, die gemeinsam mit Katzur die Spiele 1968 in Mexiko erlebt hat und dort Silber in der Freistil-Staffel gewann. Die heute 62-Jährige gilt bei den Teilnehmern ein bisschen als die Stimmungskanone. Man kennt sich eben – nicht nur, aber vor allem durch die Treffen in Riesa. Längst stehen nicht nur Erinnerungen an „früher“ auf dem Plan. Als sich der Tross durch die Hitze und Riesaer Sportstätten kämpft, stehen plötzlich auch die sportlichen Ambitionen der Elbestadt wieder im Mittelpunkt. Nicht in der Erdgasarena, sondern in der benachbarten und traditionsträchtigeren WM-Sporthalle. So dachte der Turn-Olympiasieger von 1972 Klaus Köste zurück an die ersten Riesaer Weltmeisterschaften, die eben in dieser Halle Mitte der 90er Jahre stattfanden – die der Sportakrobaten. „Damals hatte ich als Trainer meine Schützlinge dabei“, so Köste. Betretene Gesichter indes löste die Nachricht aus, dass in der WM-Sporthalle der Zweitliga-Handball der Elbehexen aus finanziellen und sportlichen Gründen kein rühmliches Ende gefunden hat. Erstaunen wiederum löste die Nachricht aus, wie es vor ein paar Jahren gelang, ein Schwimmbecken für die Kurzbahn-Weltmeisterschaften in der Erdgasarena zu installieren.
Als Aktive haben nur wenige Teilnehmer Riesa selbst erlebt. Um so größer ist die Hochachtung vor dem, was hier passiert. Karin Barthelmes, Frau des letzten Generalsekretärs des Schwimmverbandes der früheren DDR  Gerd Barthelmes, brachte die Eindrücke auf den Punkt. „Riesa ist eine so schöne, so saubere Stadt. Das stelle ich jedesmal fest, wenn wir hierher kommen und mit anderen Städten vergleichen“, sagte sie. Und spornte beim Besuch in der Schwimmhalle unentwegt die Teilnehmer eines Wettbewerbes lautstark an.
Sportsgeist eben, wie er am Wochenende in Riesa zelebriert wurde. Auch wenn wahrscheinlich 80 Prozent der Gespräche mit einer Frage begannen: „Weißt Du noch?“

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 12. Juli 2011)

 

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