Grube-Stadion wird entmüllt

Am Sonnabend trafen sich Mitglieder und Sympathisanten des SC Riesa erstmals zum Arbeitseinsatz in der traditionsreichen Sportstätte. Ab August soll hier wieder Fußball gespielt werden.

Hacke, Schaufel und Spaten stehen bereit, der Multicar wartet auf Ladung: Rund ein Dutzend Unentwegter schnappen sich das Arbeitsgerät und verteilen sich rund um den Platz, auf die Traversen und in den Zuschauerbereich im Riesaer Ernst-Grube-Stadion. Gekommen sind am frühen Samstagmorgen vor allem „alte Haudegen“ und Sympathisanten vom Sportclub Riesa, die ein einziges Ziel vereint: Im altehrwürdigen „Grube“soll am 20. August wieder Fußball gespielt werden.
Es ist der erste Arbeitseinsatz, zu dem der neue SC-Sponsor Feralpi-Stahl und der Sportclub eingeladen haben, nachdem der Stahl-Riese sein Engagement für das Stadion verkündet hat.
Aller Anfang ist schwer. Das weiß auch der Abteilungsleiter Fußball beim SC Riesa, Gerd Keller. Deshalb mag er die zunächst etwas mager anmutende Zahl der Arbeitswilligen auch weder über- noch unterbewerten. „Irgendwann müssen wir ja mal einen Startschuss geben“, sagt Keller kurz und bündig. Dann greift er wieder zur Hacke, um das Unkraut vom Spielfeldrand zu beseitigen. Ein weiteres Grüppchen hat sich in den früheren Gästeblock begeben. Das Problem ist nicht etwa, dass das ungeliebte Grün meterhoch wuchert. „Wir haben zum Teil Disteln rausgezogen mit metertiefen Wurzeln“, beschreibt Stephan Maes das eigentliche Dilemma. Maes ist Nachwuchsübungsleiter beim SC und wie die anderen beseelt von der Idee, dass im „Grube“ der Ball wieder rollen soll. Als kleiner Steppke hat er die Glanzzeiten des Riesaer Fußballs als Fan erlebt, als Dynamo Dresden, Carl-Zeiss- Jena oder der BFC Dynamo hier um den DDR-Meistertitel spielten.
 
Der Rasen ist intakt
 
Davon sind sowohl der Riesaer Fußball als auch das Stadion an der Rudolf-Breitscheid-Straße derzeit jedoch weit entfernt. Wo sich einst Zuschauer drängten, wächst das Unkraut. Was früher einmal Laufbahn war, ist kaum noch zu erahnen. Und die gewaltige Zuschauertribüne verfällt nach wie vor und ist seit mehr als zehn Jahren baupolizeilich gesperrt. Nur der heilige Rasen – der ist intakt. Er wird wieder regelmäßig gepflegt, sei vertikutiert und erifiziert – zu deutsch: belüftet und von ungeliebten Gewächsen befreit – worden. Dank intensiver Bewässerung zeigt er sich im fußballtypischen kraftvollen Grün, auch die beiden Großfeldtore stehen wie eh und je. Bis zum vergangenen Jahr gab es hier noch Punktspiele einzelner Nachwuchsmannschaften, sagt Gerd Keller.
Wehmütig blickt der Abteilungsleiter dagegen in Richtung der Haupttribüne. Ihr droht der endgültige Abriss. Denn nicht nur die Bausubstanz ist mehr oder weniger hin, auch Versorgungsleitungen und Sitzschalen sind marode. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft ist jedoch noch nicht gefallen. Wichtig sei allein, dass jetzt jemand die Initiative übernommen habe, so Keller. „Das Stadion hat doch Tradition.“ Bis zu 13000 Zuschauer kamen zu den Oberliga-Spiel der BSG Stahl Riesa in den 70er und 80er Jahren, erinnert er sich. Lang ist’s her.
Jetzt muss die Sportstätte erstmal wieder tauglich für den „normalen“ Betrieb werden. Das wird mit Arbeitseinsätzen wie dem am Samstag allein nicht zu schaffen sein. Die soll es trotzdem auch in den nächsten Wochen geben, den nächsten schon an diesem Sonnabend. Dann, glaubt Gerd Keller, werden sicherlich schon mehr Freiwillige – vor allem auch jüngere Mitglieder - Hacke, Spaten und Schaufel in die Hand nehmen. Der Auftakttermin sei möglicherweise etwas ungünstig gewählt worden. Einige Nachwuchsmannschaften seien am Wochenende noch zum Spiel- und Turnierbetrieb unterwegs gewesen. Akteure der Männerteams standen zum gleichen Zeitpunkt auf dem Lok-Sportplatz in Riesa-Weida beim Feralpi-Cup auf dem Rasen.
Nach vier Stunden Arbeit und einem kleinen Imbiss, den Fußball-Urgestein Manfred Frohl im ebenfalls sanierungsbedürftigen Verwaltungs- und Sanitärgebäude vorbereitet hat, sind erste Ergebnisse zu sehen. Meter für Meter haben sich die Männer an den Barrieren durchs Unkraut gekämpft. Und der Gästeblock hebt sich wohlwollend von anderen Traversenbereichen ab. Alle Hoffnungen, dass es hier weitergeht, setzen die Riesaer Fußballfans nun in Feralpi. Ein Schmuckstück soll es wieder werden, das Areal nahe des früheren Stahlwerkes. Vielleicht ja auch irgendwann mit einer Flutlichtanlage? “Schön wär’s“, sagt Gerd Keller. Und schnappt sich wieder Hacke und Schaufel. (rt)
 
(erschienen am 27. Juni 2011 in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa)
 

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