Riesaer Motorsportler suchen Domizil

Motorsportler suchen Domizil

Vor einem Jahr gründeten rührige Zweiradfans den MSC Riesa und setzen seitdem vor allem auf Kinder- und Jugendarbeit. Derzeit suchen sie nach einem geeigneten Areal für Trainingsmöglichkeiten.

Von Thomas Riemer

 „Motorrad fahren ist cool.“ Immer wieder lässt der achtjährige Jan Pollmar den Motor seiner kleinen Maschine laut knattern. Mit wagemutigen, keinesfalls jedoch riskanten Manövern lässt er seine 125er „Monster“ über das Pflaster vor dem Jahndenkmal in der Berliner Hasenheide tanzen. Hier ist dafür Platz. Aber der Lärm nervt die Passanten. „Fernsehaufnahmen“, beruhigt Roland Opel. Das wirkt zunächst.

Das war am 19. Juni. An diesem Tag gehörten einige Mitglieder des Motorsportclubs (MSC) Riesa zu den Unentwegten, die zum 200. Geburtstag des 1. Deutschen Turnplatzes in Berlin reisten. Das Problem, mit ihren Maschinen nicht immer und vor allem nicht überall freudig begrüßt zu werden, kennen sie. „Wir haben keine Wettkampf- und keine Trainingsstätte – weder für die Kinder noch für die Erwachsenen“, sagt Roland Opel. Er gehört zu den Gründern des 2010 gebildeten MSC Riesa und knüpft heute als Organisationschef im Hintergrund die nötigen Fäden, um die Tradition des 1992 aufgelösten MC Pneumant Riesa wieder zu beleben. Mit Erfolg, wie sich schon nach einem Jahr zeigt. Fast 50 Mitglieder zählt der Verein bereits. „Unser Schwerpunkt ist die Kinder- und Jugendarbeit sowie deren Förderung im Bereich Motocross-Enduro“, sagt Opel. Längst gibt es erste sportliche Erfolge. Erstmals ging der MSC in der laufenden Saison mit sechs Kindern bei verschiedenen Meisterschaften an den Start. Bei der Sachsenmeisterschaft im Rahmen der deutschen Jugendförderung Motocross (DJFM) gab es Gold und Bronze, Podestplätze wurden auch bei der Brandenburgischen und der Ostdeutschen Meisterschaft eingefahren. 

Doch im heimischen Riesa ist es schwer, sich auf solche Events vorzubereiten. „Wir hatten uns etwas aufgebaut auf dem ehemaligen Gelände des Aropharmwerkes auf der Lommatzscher Straße“, erzählt Roland Opel. Das Gelände gehört zum dortigen Autohaus, doch dessen Betreiber brauchen es inzwischen für den eigenen Bedarf, so dass sich der MSC dort zurückziehen musste. Schade, so Opel. Denn dort habe es wenigstens etwas für die Kinder als Einstieg und fürs Trainieren gegeben. Ans Aufgeben denken die Motorsportler deshalb allerdings überhaupt nicht. Längst sind sie auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ihr aufwändiges Hobby. Hoffnung setzen sie dabei zurzeit auf die Riesaer Stadtwerke. Der MSC hat auf dem Gelände des Verkehrsflugplatzes Göhlis eine Fläche ausgemacht, die passen könnte. Zudem wären nach Ansicht der Vereinsspitze dort auch Möglichkeiten, sich als Verein mit einem eigenem Raum niederzulassen. Das Areal würde gute Voraussetzungen fürs Betreiben von Motorsport bieten. Denn: „Es sollte schon ein bisschen außerhalb liegen, damit es keinen Ärger mit Nachbarn und Anwohnern gibt“, so Roland Opel. Die nötigen Gutachten und Genehmigungen werde der Verein selbstverständlich einholen.

Man wolle das Areal nach Möglichkeit pachten, aber auch ein Kauf sei nicht undenkbar. Letztlich soll ein Domizil auf Dauer gefunden werden, um sowohl Sport- als auch Vereinsleben zu ermöglichen. Denn bislang treffen sich die Vereinsmitglieder zu ihren regelmäßigen Sitzungen in einer Riesaer Gaststätte – in Ermangelung eigener Räumlichkeiten. Ein eigenes Vereinsheim gehört deshalb ebenfalls zu den Vorstellungen der MSCer. „Wir sind doch fast so etwas wie eine große Familie“, sagt Roland Opel. Und nicht zuletzt leiste der Verein schon jetzt auch eine Menge an Werbung für Riesa und bringe sich ein. Dazu gehören Show-Auftritte bei Dorffesten wie jüngst in Nickritz ebenso wie eben die Teilnahme von Mitgliedern an der Jahn-Ehrung in der Berliner Hasenheide.

Kontakt zum Verantwortlichen bei den Stadtwerken gebe es bereits – aber noch keine Unterschrift unter einen Vertrag. Deshalb will der MSC jetzt versuchen, direkt im Riesaer Rathaus ein wenig Druck zu machen. „Mit unserem Anliegen sind wir absoluter Vorreiter im Landkreis Meißen“, begründet Roland Opel. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass sich bislang nirgendwo ein Platz für den MSC finden ließ. Ungeachtet aller eigenen Bemühungen sei man auch für weitere Angebote offen. „Wir sind für jeden Hinweis dankbar, weil unsere Kinder – und um sie geht es vorrangig – derzeit nichts zum Trainieren haben“, so Roland Opel.

 (erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 6. Juli 2011)

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