Vereine ziehen Nachwuchs-Teams zurück
Stahl Riesa und die SG Canitz lösen ihre D-Jugend-Mannschaften wegen Personalmangel mitten in der Saison auf. Statt zehn sind es nun nur noch acht Mannschaften in der Staffel. Die Konkurrenz ist sauer.
 
Von Thomas Riemer
 
Mit zehn Mannschaften startete im Herbst die Staffel 2 der Fußball-Kreisklasse der D-Jugend in die Saison. Jetzt sind es nur noch acht. Denn pünktlich zum Rückrundenstart haben der TSV Stahl Riesa und die SG Canitz ihre Teams vom Spielbetrieb zurückgezogen. „Unsere erst zum Saisonstart aufgestellte D-Jugend wurde (…) aus dem Spielbetrieb genommen und aufgelöst. Alle Spieler werden entsprechend ihrer Altersklassen in die C- und E-Jugend integriert“, teilte der TSV Stahl vor ein paar Tagen auf seiner Homepage kurz und knapp mit. Ähnliches passierte bei der SG Canitz. „Aus personellen Gründen wird die D-Jugend mit sofortiger Wirkung zurückgezogen. Die Jungs trainieren ab jetzt bei den C-Junioren mit“, heißt es von dort.
 
Die Reaktionen reichen von verständnisvoll bis überrascht – zumal eine offizielle Information des Kreisverbandes noch aussteht. Zwar spielten beide Mannschaften in der Hinrunde keine berauschende Rolle, kam beispielsweise die junge Stahl-Truppe nur „dank“ zweier Niederlagen von 0:44 gegen den Staffel-Primus Traktor Priestewitz und 0:46 gegen den 1.FC Coswig in die Schlagzeilen. Doch der Rückzug, vor allem auch der Zeitpunkt, stößt auf Ungemach. Denn nach der Hallensaison hatten sich Spieler, Trainer und Eltern auf rassige Spiele auf dem grünen Rasen gefreut. „Jetzt haben wir, mitten im Frühling, zur besten Fußballzeit, vier Wochen Punktspielpause“, sagt der Priestewitzer Teammanager Andreas Suche. Auch Trainer Michael Zech ist darüber nicht erfreut. „Wir müssen halt versuchen, für diese Zeit Freundschaftsspiele zu vereinbaren“, sagt er.
 
Vor allem die Entscheidung aus Canitz kommt überraschend. Denn der „Dorfclub“ ist in Insiderkreisen als gute Nachwuchsschmiede bekannt. Doch nach Angaben des Vereins hatten sich zuletzt gleich mehrere der ursprünglich zwölf D-Jugend-Spieler abgemeldet. „Die Gründe reichen von schulischen Problemen, arbeitsbedingtem Wegzug der Eltern bis hin zu ,Mein bester Freund spielt nicht mehr, da habe ich auch keine Lust mehr‘“, heißt es. Deshalb wolle man nicht riskieren, in Unterzahl antreten oder Spiele absagen zu müssen.
 
Etwas anders stellt sich die Situation bei Stahl Riesa dar. Der Rückzug habe in jedem Falle nichts mit den hohen Niederlagen der D-Jugend zu tun, so Jugendleiter Ron Bößneck. Der Verein musste vielmehr die C-Jugend verstärken, weil der Sächsische Landesverband eine Großfeld-Nachwuchsmannschaft fordert. Deren Bestand sei nun durch die Ergänzung aus der D-Jugend gesichert. Dass die Entscheidung etwas mit der Gründung der Fußball-Akademie in Riesa zu tun habe, dementiert Ron Bößneck indirekt. Und ein von so manchem Beobachter empfohlener Zusammenschluss mit den Gleichaltrigen aus Canitz zu einer Spielgemeinschaft „war nicht möglich“, so Bößneck mit Blick auf den „Rest“ der Saison.
 
Angesichts der verkürzten Saison, aber auch der großen Niveauunterschiede in dieser Altersklasse, erhält jetzt die Diskussion um den Spielmodus in der aktuellen Spielzeit neue Nahrung. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich mit dem 1. FC Coswig, Traktor Priestewitz und der zweiten Mannschaft des Lommatzscher SV am Wochenende bzw. am Mittwoch gleich drei Kreisklassen-Teams für die Runde der letzten Vier im Kreispokal qualifizieren und gegen höherklassige Kreisliga-Mannschaften durchsetzen konnten. Die Einteilung der Spieklassen vor der Saison sei viel zu sehr am Festhalten an Statuten, nicht aber am Leistungsniveau der einzelnen Vereine orientiert gewesen, sagen Kritiker. „Grundsätzlich sollte der Kreisverband im F- bis D-Bereich abgehen von den sturen Ligamodellen und – ähnlich wie jetzt schon im Stadtverband Dresden praktiziert – als Erstes Qualifizierungsrunden durchführen, um allen Mannschaften einen leistungsgerechten Wettspielbetrieb zu ermöglichen“, so Priestewitz‘ Coach Michael Zech. Das leuchtet ein. Denn über Spiele, die mit 44:0 gewonnen werden, freuen sich nicht einmal die Kinder wirklich.
 
(Sächsische Zeitung, 30. März 2012)

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