Was wird aus der Sportstadt?

Großer Sprung für den Nachwuchs-Sport
Riesas Oberbürgermeisterin Töpfer macht beim „Kaffeeklatsch“ im Museum klar, dass ihre Prioritäten zum Thema Sportstadt künftig beim Kinder- und Jugendsport liegen.
 
Von Thomas Riemer
 
In Riesa wird man Weltmeister“, prangt es hier und da auf Plakaten. An der Autobahn wird auf die „Sportstadt Riesa“ verwiesen. Und Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer sagt dazu: „Ich fände es doof,  wenn die Schilder weg kämen“.
 
Aber die Rathauschefin sagte gestern vor reichlich 100 überwiegend älteren Zuhörern beim Kaffeeklatsch im Museum auch, dass Riesa nicht nur Sport zu bieten habe. Dafür bekam sie viel Beifall nach reichlich  einer Stunde Diskussion zum Thema „Quo vadis Sportstadt“. Denn Töpfer verstand es, dem Publikum die  Riesaer Stadtlinie zu erläutern. Sie wisse, dass viele es nicht gern hören, sage es aber trotzdem: Riesa  sollte nach ihrer Auffassung künftig nicht Zehntausende Euro für einzelne Spitzensportler ausgeben, sondern dieses Geld in den Kinder-, Jugend- und Nachwuchsleistungssport stecken.
 
Neu ist die Sichtweise der Oberbürgermeisterin freilich nicht. Seit ihrem Amtsantritt vor acht Jahren arbeitet sie am schrittweisen Wandel. Der sei dringend nötig. Denn was noch vor zehn Jahren – auch im Zuge der Euphorie der sächsischen Olympia-Bewerbung – ging, sei heute nicht mehr zu bewerkstelligen. Angesichts klammer Kassen müsse die Stadt entscheiden, was wichtig ist. Große Veranstaltungen bräuchten immer  städtische Gelder – „und die haben wir nicht mehr“, so Töpfer. Für sie sei es „viel, viel wichtiger, dass jedes Kind schwimmen kann“. Ebenso, dass ausreichend Kita-Plätze und gute Lebensbedingungen für die Menschen hier bestehen.
 
Dazu zähle freilich auch der Sport, keine Frage. Angesichts aktueller Entwicklungen und bevorstehender Ereignisse scheint der Spagat allerdings auf gutem Wege. Denn aus Sicht von Gerti Töpfer gebe es sehr   viele Beispiele, wie Riesaer Sportler ihre Leistungen einbringen und damit einerseits Meisterschaften in die Elbestadt holen, wie das Aerobic-Team des ESV Lok Riesa. Und auf der anderen Seite mit den Erfolgen die Stadt auch in der ganzen Welt bekannt machen – wie die Cheerleader oder die Wushu-Kämpfer. Dafür ohne es sich dann auch eine Förderung inklusive der Findung guter Trainer, wie sie ausdrücklich betonte.
 
Moderator Siegfried Martick „provozierte“ dennoch mit dem Satz, dass die „Sportstadt Riesa noch immer polarisiert“. Angesichts von reichlich 60 Sportvereinen, die im übrigen rund 7 000 Sportler in sich vereinen, sei das auch nicht verwunderlich, entgegnete Gerti Töpfer. Eine Fragebogenaktion unter den Vereinen habe unter anderem zum Ergebnis gehabt, dass sich eine Sportstadt eben so darstelle, wie die Vereine und deren Mitglieder gefördert werden.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 8. November 2011)

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