Das erste Jahr im Sportpark
Das Großenhainer Rathaus zieht eine positive Bilanz und stellt weitere Investitionen in Aussicht. Doch sind die Anlagen im Husarenviertel bereits ausgereizt?
 
Von Thomas Riemer
 
Werden Großenhains Sportler den Sportpark im Husarenviertel annehmen? Lohnt es sich, neun Millionen Euro zu investieren, um früheres Armeegelände für den Sport zu sanieren? Als der Sportpark vor fast genau einem Jahr eingeweiht wurde, konnte man diese Fragen noch nicht beantworten. Für die SZ zieht die Stadtverwaltung jetzt eine Bilanz.
 
„Der Sportpark wird sehr gut angenommen“, heißt es darin. Sportler und Gäste seien begeistert von den Sportstätten. Wohl auch deshalb nutzen sogar Aktive aus Riesa, Dresden oder Leipzig die Anlagen teilweise zu Trainings- und auch Wettkampfzwecken. „Die Schaffung des Sportparks bedeutet für die Stadt Großenhain eine enorme Imageaufwertung“, ist man sich im Rathaus sicher.
 
Derzeit bestehen Nutzungs- und Bewirtschaftungsverträge mit dem SV Motor Großenhain, dem Großenhainer Fußballverein sowie dem Großenhainer Rollsportverein. Sie nutzen die Sportstätten auf der Grundlage von Belegungsplänen, die jeweils für das Sommer- und das Winterhalbjahr erstellt werden. Einzelnutzungen für Turniere, Punktspiele und andere Wettkämpfe werden separat beantragt und dann von der Stadt geprüft und genehmigt. Für die Nutzung bestehe eine Nutzungsordnung sowie eine Pflegerichtlinie.
 
Bemerkenswert erscheint, dass die drei genannten Vereine keine Nutzungsentgelte an die Stadt zahlen. Allerdings müssen sie für anteilige Betriebskosten aufkommen, die sich aus der Frequentierung von Räumen im Sportgemeinschaftshaus sowie der Inanspruchnahme der Flutlichtanlage ergeben. Außerdem müssen die Vereine bestimmte, vertraglich geregelte Pflege- und Unterhaltungsleistungen an den Sportanlagen, die sie als Hauptnutzer nutzen, auf ihre Kosten übernehmen. Insgesamt sind im Stadthaushalt 2011 für den Betrieb und die Unterhaltung der Sportanlagen 52000 Euro angefallen. Eingenommen wurden lediglich rund 2500 Euro. Nach Auskunft der Verwaltung seien weitere Nutzungsverträge mit dem Handballclub Großenhain, dem SV Rotation sowie dem Rollladen e.V. in Vorbereitung.
 
Doch zu allererst diene das Husarenviertel der Absicherung des Schulsports für das Werner-v.-Siemens-Gymnasium, die 1. Grundschule, Franz-Schubert-Allee, die Förderschule sowie das Berufliche Schulzentrum. Ihnen seien die Sportstätten von 7.30 bis 15 Uhr vorbehalten. „Die Auslastung der Sportanlagen ist sehr gut“, resümiert die Stadtverwaltung. In den Wintermonaten werde der Kunstrasenplatz sehr gut genutzt. Neben dem GFV, der dreimal wöchentlich Training und an den Wochenenden Punktspiele durchführte, werde er auch von weiteren Vereinen in Anspruch genommen. So waren der SV Wildenhain, der FV Zabeltitz, der TSV Stahl Riesa, der FV Gröditz und sogar Dynamo Dresden hier zu Gast.
 
Entgegen anderen Aussagen gebe es ganz klare Vereinbarungen mit dem Großenhainer Fußballverein. Der nutze zwar den Kunstrasen auch im Sommer zwei Mal für das Talentetraining. Doch von Anfang an sei beabsichtigt gewesen, dass die Jahnkampfbahn auch künftig als Mittelpunkt des Trainings- und Wettkampfbetriebes für den GFV gilt. „Dazu gibt es langfristige vertragliche Vereinbarungen, an denen seitens der Stadt Großenhain nicht gerüttelt wird“, versichert das Rathaus auf Anfrage der SZ.
 
Anfangs habe es durchaus „normale Abstimmungsprobleme“ zwischen einzelnen Nutzern gegeben, wird eingeräumt. So gab es seitens der Leichtathleten Vorbehalte, wenn gleichzeitig zu deren Kindertraining die Fußballer auf dem Rasen „bolzten“. Doch das sei im Gespräch geklärt worden, die Stadt stehe auch weiterhin als Vermittler und Ansprechpartner zur Verfügung. Klar geregelt sei die Registrierung der anfallenden Energiekosten durch den Einbau von Unterzählern. Für die Flutlichtanlage am Kunstrasenplatz habe jeder Nutzer einen Code, sodass eine genaue Zuordnung und Abrechnung der Stromkosten möglich sind.
 
Eitel Sonnenschein herrscht trotzdem nicht. Beklagt wird seitens der Vereine zum Beispiel das Fehlen von Parkplätzen. Doch hier ist eine Lösung in Sicht. Nördlich der Rödertalsporthalle ist ein zentraler Parkplatz vorgesehen. Am 16. April beginnt die Weber Bau GmbH Großenhain mit den Arbeiten. Vorbereitet wird zudem neben der weiteren Begrünung die Schaffung von Abstellanlagen für Fahrräder. „Die geplanten Poller werden künftig die Zufahrt aus dem öffentlichen Bereich in das eigentliche Sportareal verhindern“, versichert der Bauherr. Damit sei ein Befahren und wildes Parken im Gebiet nicht mehr möglich. Die Sicherheit der Schüler und Sportler werde damit deutlich erhöht.
 
Zusätzlich werden mit dem Bau einer dritten Garage im Mai/Juni auf dem Areal im Stadion weitere Lagerflächen geschaffen. Es habe sich herausgestellt, dass für die Sportgeräte der Leichtathleten des SV Motor weiterer Platzbedarf besteht. Nicht zuletzt ist auch eine Lösung für kleine Unzulänglichkeiten bei der Wasserversorgung und Beregnung der Grünflächen und Anlagen, wie Tennenplatz, im Visier. Dazu besteht bereits eine Regenwasserzisterne mit insgesamt 160 Kubikmetern Fassungsvolumen. Jetzt sollen noch Versorgungspoller für Wasser und Strom nördlich des Stadions und der Rollsportbahn entstehen.

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