Kein neuer Pfarrer in Sicht

An Pfarrers Stelle klafft eine große Lücke
Ein halbes Jahr nach dem Weggang von Renate Henke ist in Lorenzkirch kein Nachfolger in Sicht. Gerade jetzt wäre einer wichtig.

Von Thomas Riemer

 
Udo Schneider muss ziemlich tief Luft holen. Dann sagt er: „Nein, es gibt noch keinen Bewerber.“ Und es klingt bedrückt, fast traurig, als es der Vorsitzende des Kirchspiels Zeithain haucht. Und es sei auch nicht abzusehen, wann es einen neuen Pfarrer in Lorenzkirch gibt.
Ein halbes Jahr nach dem Weggang der Lorenzkircher Pfarrerin Renate Henke klafft im Dorf ein großes Loch. Nicht etwa, dass es seitdem in der kleinen Kirche nahe der Elbwiesen keine Gottesdienste mehr gibt.

Noch keine Ausschreibung

„Ein Pfarrer im Ort fehlt“, sagen aber die Bewohner. Marlies Weidner ist eine von ihnen. Erst unlängst beklagte sie, dass Lorenzkirch zwar nominell im Kampf um „Sachsens schönste Dörfer“ steht. Doch hänge der Erfolg im Wettbewerb nicht unwesentlich von zwei Personalien ab: der Neubesetzung der Pfarrstelle im Dorf sowie vom Nachfolger des noch amtierenden Bürgermeisters Hannes Berger. Der wird im Juni gewählt.
Ob bis dahin ein neuer Pfarrer in Lorenzkirch sein wird, ist eher fraglich. „Von heute auf morgen ist so etwas nicht machbar“, sagt Harald Pepel. Er ist amtierender Superintendent im Kirchenbezirk Großenhain und in diesem Falle sehr vorsichtig mit einer Prognose. Denn: Im Stellenplan für die Jahre 2014 bis 2018 sei in Lorenzkirch ein Pfarrer nach wie vor vorgesehen. „Eine Ausschreibung der Stelle ist aber bislang noch nicht erfolgt“, so Pepel. Mindestens bis zum Sommer werde es wohl bei der jetzigen Situation bleiben. Im Klartext heißt dies: „So lange muss es eine Vertretung für Lorenzkirch geben“, so Pepel.
Die hat seit dem Sommer 2011 der Strehlaer Pfarrer Volkmar Becher übernommen. Zu Gottesdiensten und zur Erledigung weiterer kirchlicher Belange fährt er regelmäßig auf die andere Elbseite. „Natürlich ist es eine zusätzliche Aufgabe, aber es ist auch ganz normal im Rahmen unseres Auftrages“, sagt er. Normal sei zudem auch, dass es mindestens ein Jahr dauere, bis eine Stelle neu besetzt werde. Und so lange er mit der Vertretung betraut sei, werde er diese auch wahrnehmen. Was bedeutet, dass er neben Strehla zusätzlich Lorenzkirch, Gohlis, Kreinitz und Jacobsthal sowie die Seelsorge in Röderau betreut.
In Lorenzkirch selbst spürt Volkmar Becher, dass die Menschen auf eine personelle Neubesetzung „ihrer“ Pfarrstelle warten. „Das ist nicht ständiges Thema. Aber natürlich sind die Leute gespannt, fragen nach jeder Sitzung im Kirchenbezirk nach“, so Becher.

Stelle schon 1998 vakant

Renate Henke hatte im Juli 2011 nach 17 Jahren in Lorenzkirch das Amt abgegeben, ist seitdem Pfarrerin der Johannesgemeinde in Meißen. Auch ihr Wirken im Elbdorf war einmal in Frage gestellt. 1998 nämlich sollte die Lorenzkircher Stelle quasi von heute auf morgen gestrichen werden. Damals machten sich Gemeindemitglieder dafür stark, dass Henke bleiben konnte. Zumindest ein solches Szenario ist diesmal offenbar nicht zu erwarten.

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