Strehlaer Karnevalsumzug gerettet
Wegen Bedenken der Verkehrsbehörden mussten die Karnevalisten einem Kompromiss bei der Streckenführung zustimmen. Die gute Laune soll das aber nicht vermiesen.
 
Von Thomas Riemer
 
„Ganz Strinks - ist ein Theater“ lautet das Motto der laufenden Kanevalssaison in Strehla. Und nach dem sehr gelungenen Start am 11.11. auf dem Marktplatz wurden die Strehlaer Narren nur wenige Wochen später ein wenig unwirsch ans das Thema erinnert – allerdings nicht ganz freiwillig.
 
Grund war eine Krisensitzung noch im alten Jahr, als es im Strehlaer Rathaus um die Auswertung des letzten Umzuges sowie die Vorbereitungen des diesjährigen Events im 1000-jährigen Städtchen am 19. Februar gehen sollte. Bürgermeister Harry Güldner (CDU) hatte als Schirmherr dazu eingeladen. Gekommen waren Vertreter der oberen Straßenbehörde der Landesdirektion Dresden, der unteren Straßenbehörde vom Landratsamt Meißen sowie Verantwortliche der Polizei aus Dresden und Riesa.
 
Zumindest für die Strehlaer Urgesteine war die Beratung eigentlich eher als Routineangelegenheit betrachtet worden. Alle Jahre wieder nämlich geht es um eine von den Karnevalisten gewünschte zweistündige Vollsperrung der Bundesstraße 182, um den erwarteten mehr als 10000 Gästen am Straßenrand eine tolles Erlebnis bieten zu können. Zum anderen ist eine rund halbstündige Befahrung der Leckwitzer Straße zwischen der Kreuzung Sahlassaner Straße bis zum Kleintierzoo nötig. Doch diese Abschnitt gilt bei der Straßenverkehrsbehörde als sogenannte Umleitungsstrecke.
 
Warum auch immer: Im 36. Jahr des Bestehens der traditionellen Strehlaer Faschingsumzüge wurde die Strecke erstmals in Frage gestellt. Bei den Strehlaer Narren stieß das auf Unverständnis. Erich Knott, seines Zeichens Stadtrat und im Carnevals-Club gleichzeitig „Minister für Umzug und Brauchtumpflege“, stellte klar, dass es beim letzten Umzug vor einem Jahr in Strehla „keinerlei Auffälligkeiten oder Beschwerden von Seiten der Bevölkerung oder Verkehrsteilnehmern gekommen ist“. Und deshalb sollte es nach seiner Ansicht doch wohl möglich sein, mit vereinten Kräften einen vernünftigen Kompromiss zu finden. Schließlich sei der Strehlaer Fasching über die Stadtgrenzen hinaus beliebt wie bekannt. Seit Wochen schon bereiten sich die fast 800 aktiven Umzugsteilnehmer auf „ihren“ großen Auftritt vor.
 
Etwas irritierend wirkte beim Bürgermeister wie auch den Mitgliedern des Strehlaer Carnevals-Clubs daher die „Argumentation“ der oberen Verkehrsbehörde von der Landesdirektion. Die rechnete nämlich vor, dass in der Zeit des zweistündigen Umzuges laut Verkehrserhebungen rund 70 (!) Lastkraftwagen - natürlich mit sonntäglicher Sondergenehmigung! – durch Strehla rauschen würden. Eine Umleitung von Schirmenitz über Cavertitz, Laas und Zaußwitz wäre den Lkw in der heutigen Zeit „nicht mehr zuzumuten“.
 
Starker Tobak also für die weiteren Gespräche. Zunächst wurden hitzig neue Umzugsrouten diskutiert. Zum Beispiel über den Bereich Feldstraße/Wasserturm, die Fischer- und die Badergasse. Durch die überaus verwinkelten Trassenführungen aber ist ein Carnevalsumzug dort nicht möglich. So drohte nach gut einer Stunde Diskussion sogar völliger Stillstand der Gespräche. Einig waren sich Karnevalisten und Behörden lediglich in einem einzigen Punkt: An der B 182 sowie am Marktplatz muss der Umzugs-Weg entlang führen.
 
Die „rettende Idee“ hatte schließlich SCC-Präsident Herbert Naumann. Er schlug vor, den Umzug traditionell auf der Bahnhofstraße zu beginnen und über die bewährte Route Hauptstraße-Marktplatz-Oschatzer Straße zum Wendepunkt Kleinrügeln zu führen. Enden solle der Umzug Dann wieder auf dem Marktplatz.
 
Mit diesem Kompromiss können oder müssen nun alle leben. Aus Sicht der Karnevalisten bedeutet er freilich auch Verzicht. Denn die traditionelle Vorbeifahrt der einzelnen Wagen und Umzugsbilder am Altenpflegeheim auf der R.-Kirsten-Straße entfalle diesmal. Gerade ältere und gehbehinderte Bürger, die an dieser Stelle gern das Treiben in etwas „ruhigerer“ Atmosphäre verfolgten, „werden darüber enttäuscht sein“, heißt es aus Karnevalisten-Kreisen. Aber der „Schimmel“ der Kutsche könne halt noch so laut wiehern – eine Überfahrt über die Leckwitzer Straße sei aus Behördensicht 2012 nun einmal nicht möglich.
 
Trotzdem wollen die Strehlaer Faschings-Fans den Senioren im Heim das närrische Treiben nicht vorenthalten. Aus gewöhnlich „gut unterrichteten Kreisen“ drang jetzt durch, dass der SCC als Trostpflaster am 17. Februar von 15 bis 16 Uhr im Kulturraum des Altenheimes ein buntes Faschingsprogramm kostenlos darbieten wird. Und alle anderen sollten sich den 19. Februar schon gut vormerken. Denn trotz aller Debatten um den „richtigen“ Weg findet der Strehlaer Karnevalsumzug statt. Dann findet das „Strinkser Theater“ eine würdevolle Fortsetzung.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 3. Januar 2012)

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