Fahrten mit Bus und Bahn schon wieder teurer
Seit Dienstag gelten im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) neue Tarife. Um durchschnittlich 2,7 Prozent wird der Preis beim Großteil des Ticketsortiments angepasst. Kunden reagieren erstaunt und teilweise verständnislos.
 
Von Thomas Riemer
 
Gerald Laubusch staunte am Dienstag nicht schlecht. Wie bislang wollte er beim Einsteigen in Nünchritz einen kleinen „Vorrat“ an Viererkarten beim Fahrer kaufen und legte bereitwillig sieben Euro passend auf die kleine Ablage. „Das macht jetzt 7,20 Euro“, so der Busfahrer. Denn: Seit 1. November gilt im Bereich des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) für einige Tickets eine Fahrpreisänderung. „Tarifanpassung“ nennen es die Experten beim VVO, „Preiserhöhung“ heißt es dagegen bei vielen Fahrgästen. Denn sie müssen durchschnittlich 2,7 Prozent mehr für einen Großteil des Ticketsortiments bezahlen als bislang. Darüber trösten auch einige Übergangsregelungen, die der VVO eingeräumt hat, nicht hinweg.
 
Dessen Sich ist relativ simpel. Im nationalen Vergleich liege das Preisniveau im VVO dennoch weiterhin im Mittelfeld, das Umsteigen auf Bus und Bahn bleibe attraktiv, heißt es in einer Presse- und Kundeninformation, die am 25. Oktober verbreitet wurde. „In Dresden zahlt der Inhaber einer Abo-Monatskarte für einen Tag mit Bus und Bahn 1,45 EUR, etwa soviel wie für einen Liter Benzin“, wird auch gleich ein Beispiel genannt. Damit alle Kunden die Chance haben, sich auf die Veränderungen einzustellen und Tickets zum alten Preis abzufahren, böten die Übergangsregelungen genügend Zeit.
 
„Den Unternehmen laufen die Kosten davon“, begründet VVO-Sprecher Christian Schlemper die Tariferhöhungen. Mit der Anpassung sollen demzufolge die zum Teil deutlichen Kostensteigerungen der Verkehrsunternehmen teilweise aufgefangen werden. Insbesondere die Preise für Energie seien seit 2010 spürbar gestiegen. Die Kraftstoffpreise kletterten binnen Jahresfrist um 10,9 Prozent. Die Kosten für Fahrstrom stiegen um bis zu 7,1 Prozent.  In den letzten zwei Jahren sind zudem die Tariflöhne nach teils jahrelanger Enthaltsamkeit gestiegen. Ein weiterer Kostentreiber sind nach VVO-Angaben die gesunkenen Fahrzeugförderungen. Demnach werden die Busunternehmen in Sachsen in der Zukunft ihre Fahrzeugflotten mit geringeren staatlichen Zuschüssen erneuern müssen. Dies habe zur Folge, dass das Fahrzeugdurchschnittsalter und somit auch die Instandhaltungskosten steigen. Zwar hätten die einzelnen Nahverkehrsunternehmen versucht, die immensen Kostensteigerungen abzufedern. So sei unter anderem bei anfallenden Werkstatt- und Marketingkosten gespart worden. „Doch das hat letztlich natürlich nicht gereicht“, so Schlemper.

Monique Stelzl (19) hatte zumindest vorgesorgt und sich rechtzeitig noch eine Monatskarte zum bisherigen Preis besorgt. Sauer ist die Rand-Gröditzerin trotzdem. „Ich hab erst zwei Tage vorher erfahren, dass es schon wieder teurer wird“, sagt die Pendlerin, die täglich zur Ausbildung nach Riesa mit dem Bus fährt. Außerdem ärgere sie sich, dass die Preiserhöhung wieder mal pünktlich zum Beginn des Winterverkehrs komme. „Einen idealen Zeitpunkt für so etwas wird man nicht finden“, entgegnet Christian Schlemper. Beim VVO würden Preisänderungen seit etwa zehn Jahren stets per 1. November eingeführt. Anderswo werde das zum Beispiel pünktlich zu Schuljahresbeginn praktiziert – und da sei das Geschrei dann viel größer…
Den Vorwurf, vor allem die Fahrgäste etwas spät informiert zu haben, räumt der Sprecher mit ein paar Abstrichen ein. Die Tarifanpassung sei bereits im Juni vom VVO beschlossen und auch bekanntgegeben worden. Zumindest an Automaten der Deutschen Bahn und der Verkehrsgesellschaft Meißen gebe es seit Oktober Hinweise. Und auch die Busfahrer hätten bei Bedarf Auskunft geben können, so Schlemper. Dennoch werde der VVO für die Zukunft darüber nachdenken, frühzeitiger zu informieren.
 
Nach der Preisanpassung des vergangenen Jahres bleiben Einzelfahrscheine für alle Preisstufen diesmal konstant. Dafür ändern sich die Tarife der Viererkarten. Die Preise der Tageskarten für eine Person für eine und zwei Tarifzonen bleiben konstant, nur die Preisstufe Verbundraum wird um 50 Cent teurer. Familientageskarten für eine Tarifzone werden um 50 Cent angehoben, für zwei Zonen und den Verbundraum steigen die Preise um einen Euro. Der Preis der Kleingruppenkarte steigt um einen auf 24 Euro. Das NachtTicket wird erstmalig geringfügig um 50 Cent angehoben. Des Weiteren erhöhen sich die Preise der Zeitkarten fast aller Preisstufen. Die „Gegenleistung“ des VVO und seiner Unternehmen ist dagegen eher eine ideelle. „Wir erhalten unseren Kunden das vorhandene Fahrplanangebot“, so Christian Schlemper salopp.
 
Übergangsregelungen im Überblick
 
1.        Alle Fahrausweise, die preislich unverändert bleiben, können auch weiterhin verwendet werden.
2.       4er-Karten zum alten Preis können noch innerhalb von drei Monaten genutzt werden, wenn mindestens ein Abschnitt der 4er-Karte spätestens am 31. Oktober entwertet wurde.
3.       Wochen- und Monatskarten zum alten Preis, die bis zum 31. Oktober entwertet wurden, gelten dann bis zum Ende ihrer zeitlichen Gültigkeit.
4.       Für die Abo-Kunden wird grundsätzlich der Monat November 2011 noch zum alten Preis berechnet. Für Abo-Kunden im Direktbezug über die Schulen wird der neue Preis bereits ab 1. November berechnet.
5.        Jahreskarten 2011 gelten bis zum 1. Januar 2012 unverändert nach dem alten Preis.
6.       Nicht genutzte Fahrausweise zum alten Preis – bei 4er-Karten darf keine Entwertung vorgenommen worden sein – können mit Wertausgleich in allen Servicezentren der Partnerunternehmen im VVO umgetauscht werden. Die Umtauschmöglichkeit ist befristet bis 31. März 2012.
7.       Informationen zu den neuen Preisen sind auch bei den Mitarbeitern der VVO-Mobilitätszentrale sowie der Partnerverkehrsunternehmen, an der VVO-InfoHotline unter 0351 / 852 65 55 sowie unter www.vvo-online.de erhältlich.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 3. November 2011)

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