Wacker-Brummis rollen zu langsam
Zwischen fünf und zehn Minuten könnten Fahrzeuge schneller auf der A 14 sein. Voraussetzung wäre die neu ausgebaute B 169.
 
Von Thomas Riemer
 
Für Wacker-Chemie in Nünchritz drehen sich die Räder zu langsam. Im doppelten Wortsinne. Denn das Werk gehört ob seiner Lage zu den verkehrstechnischen Sorgenkindern der Region. Deshalb kommt den Erhebungen im Zuge der neuerlichen Untersuchung zum Bau der B 169 zwischen Riesa und Döbeln eine große Bedeutung zu. Denn: „Von der Fertigproduktion verlassen derzeit rund 75 Prozent unser Werk in Lkw’s auf der B 169 in Richtung A 14“, teilte das Chemiewerk jetzt auf Anfrage der SZ mit. „Wir schätzen, dass etwa 400 Lkw in unserem Auftrag pro Arbeitstag die B 169 nutzen“, so Unternehmenssprecherin Asta Tehnzen-Heinrich. Hinzu kämen Kleintransporter und Pkw, deren genaue Zahl nicht zu ermitteln sei. Die Rechnung klingt banal: Ein Ausbau der B 169 bis nach Döbeln würde pro Fahrzeug eine Zeitersparnis von fünf bis zehn Minuten ausmachen. Zwar ließen sich daraus resultierende Kosteneinsparungen nur sehr schwer quantifizieren, so Tehnzen-Heinrich. Aber der wirtschaftliche Aspekt ist freilich ausrechen- und absehbar.
 
Das Wacker-Problem ist hausgemacht. Denn Alternativen zum Transport der Produkte „gibt es leider nur bedingt. Für nur etwa acht Prozent der fertigen Produkte macht es Sinn, die B 98 in Richtung A 13 zu nutzen“, so Asta Tehnzen-Heinrich. Rund 35 Prozent gehen per Schiene bzw. per Schiff auf der Elbe in Richtung Hamburg sowie zum Überseehafen Rotterdam und von dort zum Kunden. „Leider ist die Nutzung des Wasserweges durch insgesamt geringe Wassertiefe und schwankende Niederschläge und derzeit durch Eisgang immer wieder eingeschränkt“, sagt die Sprecherin. Zudem stelle der Schienentransport für die meisten deutschen und europäischen Kunden keine Alternative dar, da die Lieferzeit dadurch erheblich verlängert wird. Für Wareneingänge von technischem Material und für Fremdfirmen, die aus dem Westen bzw. Süden des Landes in die Region kommen, gebe es ebenfalls keine andere Möglichkeit als die B 169.
 
Und letztlich gilt der Wacker-Blick natürlich auch der laufenden Werkserweiterung, die unter anderem unter der Prämisse einer neuen B 169 gestartet wurde. Mit Inbetriebnahme der Produktion von Polysilicium für die Nutzung von Sonnenenergie werde das Transportaufkommen weiter ansteigen, konstatiert Asta Tehnzen-Heinrich.
 
„Eine gut ausgebaute funktionstüchtige Verkehrsinfrastruktur ist für uns unerlässlich, damit wir in dieser Region weiterhin wettbewerbsfähig bleiben“, so Werkleiter Gerd Kunkel. Der Ausbau der B 169 zu einer schnellen und zuverlässigen Anbindung an die A 14 leiste dazu einen wichtigen Beitrag.
 
Wacker-Chemie gehört zu den rund 30 Unternehmen rund um Riesa, die jetzt vom Rathaus und dem Vereinten Wirtschaftsforum in eine Untersuchung einbezogen wurden. Eine Berliner Ingenieurgesellschaft war zu Wochenbeginn beauftragt worden, eine Studie der Verkehrsströme auf der B 169 im jetzigen sowie im gewünschten vierspurigen Ausbauzustand anzufertigen. Mitte nächster Woche sollen die Unternehmen die Fragebögen in Berlin einreichen. Sie werden dann umgehend ausgewertet, die Ergebnisse sollen als Argumentationshilfe bei den im März anstehenden "Nachverhandlungen" auf Landesebene über die Einreichung vorrangiger Straßenbauprojekte dienen. Die Studie kostet reichlich 47000 Euro, 20000 Euro davon trägt das Vereinte Wirtschaftsforum. Den "Rest" steuert die Stadt Riesa aus dem Haushalt 2012 bei.
 
(Sächsische Zeitung Riesa am 11. Februar 2012)

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