Wohin soll denn die Reise geh’n?

Christian Lisk aus der Schachtschule organisierte für seine 5c eine spannende Abschlussfahrt. Und musste dafür nicht Hunderte Kilometer fahren.

Von Thomas Riemer

Eine Dreitages-Busfahrt nach Frankreich? Oder Spanien? Abschlussfahrten und -feiern bestimmten in den letzten Wochen das Geschehen in vielen Schulklassen. Aber wie groß, wie aufwendig, vor allem wie teuer sollte es sein?

Christian Lisk, Klassenlehrer an der Mittelschule Am Schacht, ging seinen besonderen Weg. Fast im Alleingang organisierte er einen fünftägigen Schuljahresabschluss für seine Fünftklässler, den diese wohl nicht so schnell vergessen werden. Der Weg führte Lehrer, Schüler und Betreuer auf das Grundstück des Bootshausvereins Lauchhammer. „Der Verein ist Pächter des Geländes und hat es mir vermietet“, so Christian Lisk.

Der engagierte Vater von vier Kindern ist Stadtrat in Lauchhammer. Der „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, wie er sich selbst bezeichnet, nutzte seine Verbindungen zur Vereinen und Institutionen aus. So fand er Unterstützung bei der Herrichtung des Grundstücks. Das Rathaus fällte sogar noch ein paar Bäume, ein Elektriker reparierte einen Boiler. Vom Fakir e.V. orderte Christian Lisk Zelte für die Unterbringung. Ganz viele kleine Dinge nahm er selbst in die Hand. „Es geht nichts ohne eigenen Elan“, sagt er. „Und es geht nichts ohne eine Frau, die einem den Rücken freihält“, fügt er sofort hinzu. Lisks Ehefrau ist ebenfalls Lehrerin.
Schüler und Eltern mussten - bis auf ganz wenige Ausnahmen - nicht lange überzeugt werden. „Das Zusammenspiel hat wunderbar funktioniert“, erklärt der Pädagoge. Auch die Idee, mit dem Fahrrad an- und abzureisen, fand Zustimmung. „Ein Risiko ist da natürlich immer dabei. Aber wo gibt es kein Risiko?“ so Lisk. Am Standort selbst war alles perfekt vorbereitet. Eltern wechselten sich an den Abenden beim Essenkochen und Helfen ab, brachten das Gepäck ins Camp, nahmen teilweise an den Ausflügen teil.
Auch hier hatte Christian Lisk seine Fühler ausgestreckt und verschaffte den Sprösslingen unvergessliche Erlebnisse. Das Highlight dabei: Die Besichtigung einer riesigen Windkraftanlage im ehemaligen Tagebaugebiet um Kostebrau. Nicht nur der kilometerweite Blick in die Umgebung, sondern vor allem die Fahrt mit dem Mini-Lift in rund 70 Meter Höhe waren diesen Ausflug wert. Besonders setzte sich für diese Besichtigung der Geschäftsführer der Firma Ventotec und Inhaber des Windparkes Klettwitz, Ralf Heinen, ein. Extra aus Husum reiste Mathias Jähniche, Geschäftsführer von Triowind, an. Er hatte die Oberhand für die Sicherheit der Kinder bei dieser Aktion.
Weiterhin wurde das Besucherbergwerk F 60 in Lichterfeld nahe Finsterwalde besucht. Die Gesamtkosten für den fünftägigen Abenteuerurlaub: 60 Euro pro Kind.
Für Christian Lisk waren mehrere Dinge wichtig bei der Abschlussfahrt. „Schule funktioniert nur mit den Eltern“, sagt er rückblickend. Er habe das Projekt zudem insbesondere als teambildende Maßnahme gesehen. Der Zusammenhalt der Kinder, die stete gute Stimmung trotz teilweise wolkenbruchartiger Niederschläge inklusive der dann nötigen Provisorien, bestätigten seine Auffassung, „dass das sehr wertvoll für alle“ war. Und empfehlenswert für andere Schüler.
Schulleiter Axel Hackenberg ist begeistert von derlei Ideen, vor allem für die jüngeren Klassen. Denn aufwendig geplante und sehr teure Fahrten „sind ein Schmarren“. Natürlich müsse man bei der Planung auf die Wünsche von Schülern und Eltern eingehen. Zudem gebe es Traditionen zum Weiterreichen.

(Sächsische Zeitung Riesa/Großenhain am 23. Juli 2012)

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