Alte Hubschrauber ins Freilichtmuseum?

 

Bundeswehr-Aktivist will alte Hubschrauber ausstellen

Die behördlichen Hürden sind zwar hoch. Aber Armin Benicke lässt sich dadurch nicht entmutigen.

Von Thomas Riemer

Armin Benicke hat eine Vision. Was und wer ist die Bundeswehr? Diese Frage bekommen nach seinem Dafürhalten Erwachsene, vor allem aber deren heranwachsende Jugendliche nicht ausreichend genug vermittelt. Schon gar nicht in Großenhain und Umgebung. Denn: Die Bundeswehr verschwindet immer mehr aus der Fläche. „Schuld“ ist die Bundeswehrstrukturreform.
Deshalb, so Armin Benicke, sei es wichtig, in gewisser Weise gegenzusteuern. Und da gebe es keinen besseren Platz als das Luftfahrtfreilichtmuseum auf dem Großenhainer Flugplatz, so sein Credo. Deshalb hat sich der Großenhainer Vorsitzende der Kameradschaft ehemaliger Soldaten, Reservisten und Hinterbliebene des Deutschen Bundeswehrverbandes an Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) gewandt. Sein Wunsch: Die Überlassung ausgesonderter Luftfahrttechnik für die Erweiterung des Museums.
„Grundsätzlich steht einer Abgabe von ausgesonderter Luftfahrttechnik für museale Zwecke nichts entgegen“, so Wilfried Georg, zuständiger Referatsleiter im Ministerium. Allerdings unter einigen Bedingungen. Es müsse ein Sammlungskonzept vorliegen, das von der Bundeswehr akzeptiert ist. Außerdem sei eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung der örtlich zuständigen Behörde“ zwingend notwendig, so Wilfried Georg in seinem Brief an Armin Benicke.
Der hatte natürlich damit gerechnet, dass er den von ihm avisierten BO-105-Hubschrauber nicht so ohne Weiteres auf die Großenhainer Flugplatz-Wiese stellen kann. Deshalb hat sich der gelernte Versicherungsfachmann vorab schon mal über einige behördliche Hürden kundig gemacht. Zustimmen müsste beispielsweise das Großenhainer Rathaus in Person des Oberbürgermeisters. Auch das Ja-Wort des Landratsamtes wäre nötig, weil sich das Areal von Flugplatz und -museum im sogenannten Außenbereich befindet. Und auch der Staatsbetrieb für Sächsisches Immobilien- und Baumanagement will ein Wörtchen mitreden.
Und dann steht da auch die Frage der Kosten. Ausgesondertes Material der Bundeswehr werde gemäß der Bundeshaushaltsordnung nur zum vollen Wert abgegeben, so Wilfried Georg. Hinzu kämen für den Interessenten die Transportkosten sowie die notwendige Demilitarisierung.
Und was die Hubschrauber BO 105 angeht: Sie werden bei der Aussonderung gegenwärtig zur Ersatzteilgewinnung verwendet. „Ob ein solches Luftfahrzeug dann noch als Ausstellungsstück geeignet ist, muss im Einzelfall bewertet werden“, so Wilfried Georg.
Armin Benicke lässt sich davon nicht entmutigen. Er will in den nächsten Tagen entsprechende Kontakte und Antworten suchen. Zunächst wahrscheinlich auch beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz, um zu erfahren, ob ein BO 105 überhaupt zur Verfügung steht.

(Sächsische Zeitung Großenhain, 21. Juli 2012)

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