Die Mona Lisa von Riesa

Auf den Spuren der Mona Lisa von Riesa
Vor 30 Jahren entstand ein Lied, das später in der Öffentlichkeit nur noch selten gespielt wurde. Riesaer kramen jetzt die Geschichte wieder heraus. Gibt es die Riesaer Schönheit wirklich?
 
Von Thomas Riemer
 
Markus Beyer war Profi-Boxer. Vor reichlich zehn Jahren kämpfte er in Riesa um den WM-Titel. Kraft „tankte“ er bei Spaziergängen mit seinem Hund „Mona Lisa“. Ob Beyer bei der Namensgebung an das berühmte Gemälde von Leonardo da Vince dachte, ist nicht überliefert.
Denn es gibt auch eine „Mona Lisa aus Riesa“. Musik: Arnold Fritzsch, Text: Jan Witte, Gesang Ines Paulke. „Ich habe das Lied 1982 im Sommer für Ines Paulke geschrieben, die damit beim Nachwuchsfestival ,Goldener Rathausmann‘ im September 82 auftrat“, erzählt Komponist Arnold Fritzsch.

Riesa passte gut zum Text

Er war damals ein erfolgreicher Musiker in der DDR, schrieb seine erste Erfolgsgeschichte mit der Gruppe Kreis („Ich wollt es wissen“). Fritzsch war als Komponist im Gespräch – die „Mona Lisa aus Riesa“ leider nicht. Und das, obwohl es nach dem „Goldenen Rathausmann“ zunächst nach oben ging. Denn noch während des Festivals wurde das Team von der Rundfunk-Produzentin Luise Mirsch angesprochen – genannt die „Beatluzie“. Sie arrangierte im Herbst 1982 die Rundfunkaufnahme.
Der Text stammt aus der Feder von Jan Witte, der heute Jan Rymon heißt und in Berlin lebt. Er stellte seinerzeit den Kontakt zu Ines Paulke her. Der Text zur „Mona Lisa“ sei ganz einfach den damaligen Gegebenheiten und (administrativen) Vorgaben des Systems geschuldet gewesen. Es sollte Popmusik mit peppigen Texten her, um der aufkommenden „Neuen Deutschen Welle“ aus dem Westen etwas entgegen zu setzen, so Rymon.
Aber gab es nun einen ganz konkreten Anlass, möglicherweise sogar eine „real existierende Mona Lisa aus Riesa“, der das Lied gewidmet war? „Da müssten Sie den Textautor fragen, der, wie ich weiß, damals zahlreiche Frauenbekanntschaften pflegte“, sagt Arnold Fritzsch augenzwinkernd. „Möglicherweise war auch eine Dame aus Riesa dabei.“
Jan Rymon verneint. „Hübsche Mädchen in Sachsen, da kam es nicht auf den Ort an“, sagt er und muss ebenfalls lachen. Nein, der Song sei „einfach so“ entstanden - ohne speziellen Hintergrund. Die Stadt Riesa kenne er natürlich trotzdem, war auch mal hier. „Das muss irgendwann Ende der 70er Jahre bei einem Konzert der Beatles Revival Band gewesen sein“, erinnert sich Rymon. Arnold Fritzsch wiederum hat keine persönliche Verbindung zur Elbestadt. „Mir fallen aber sofort die Sicherheitszündhölzer aus Riesa ein“, sagt er.
„Die Mona Lisa aus Riesa“ schaffte nach der Veröffentlichung den Sprung in die absoluten Hitlisten nicht. „Es wurde wie alle Rundfunkproduktionen archiviert und stand damit den Redakteuren zum Senden zur Verfügung“, sagt Komponist Fritzsch. „Warum sie das nicht zahlreicher getan haben, weiß ich nicht.“

Uraufführung vorstellbar

Sängerin Ines Paulke nahm sich vor knapp zwei Jahren das Leben. Der traurige Anlass war für viele der Grund, in ihrem Lebenswerk zu forschen. Auch für Gunter Spies. Er nahm 2011 Kontakt zu Arnold Fritzsch auf. Der wiederum verschaffte die Verbindung zur rbb media GmbH Mittschnittservice in Berlin. Nach Klärung von Rechtsfragen konnte das Lied inzwischen an vier Tagen im Dezember im Internet gehört werden. Ob weitere Veröffentlichungen möglich sind, dazu sind offenbar langwierige Verhandlungen zum Urheberrecht etc. zu führen. Aber immerhin: „Die Mona Lisa aus Riesa“ ist wieder da. Und zumindest Arnold Fritzsch kann sich vorstellen, das Lied bei einem geeigneten Anlass in Riesa zur neuerlichen Uraufführung zu bringen. „Warum nicht?“ so Fritzsch.
 
(Sächsische Zeitung Riesa am 25. Januar 2012)

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