„Fußball-Dresden ist nicht nur Dynamo“

Michael Zech ist der neue Nachwuchskoordinator beim SC Borea Dresden. Was wird sich in der neuen Saison im Verein ändern? Die Sächsische Sportzeitung hat mit ihm gesprochen.

Borea steht wieder auf – so hieß es in der Sächsischen Sportzeitung Anfang August. Während die 1. Männermannschaft einen durchwachsenen Start in der Landesliga hinlegte, steht der Saisonbeginn den Nachwuchsteams noch bevor. Auch hier geht der SC Borea neue Wege. Michael Zech ist künftiger Nachwuchskoordinator des Vereins für den Kleinfeldbereich. Die Sächsische Sportzeitung hat mit dem 42-Jährigen gesprochen.

Auf der Homepage des SC Borea Dresden wird „Frischer Wind aus Dresden-Nord“ versprochen. Was müssen sich die Dresdner darunter vorstellen?

Nach dem Rückzug der Oberliga-Mannschaft der Männer vor einem Jahr hatten viele den SC Borea komplett abgeschrieben. Doch jetzt sind wir dabei, nach einem ganz schwierigen Jahr wieder Strukturen im Verein aufzubauen. Dass dies richtig und auch gewünscht ist, zeigen die vielen neuen und auch alten Mitstreiter, die sich mit viel Engagement reinknien. Bestes Beispiel: Wir haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, quasi aus dem Nichts eine Männermannschaft aus dem Boden zu stampfen und zusammenzustellen, die jetzt in der Landesliga spielt. Diesen Schwung will ich jetzt natürlich auch auf den Nachwuchs übertragen.

Wie stellt sich denn jetzt, wenige Stunden vor Saisonbeginn, die Situation bezüglich des Nachwuchses dar?

Wir haben vor allem in den unteren Spielklassen, also von G- bis D-Jugend, einen sehr großen Zulauf an hoffnungsvollen kleinen Kickern. Mit acht Teams in diesen Altersgruppen sind wir, so denke ich, sehr gut gerüstet und aufgestellt. Gleiches gilt für die Übungsleiter. Im gesamten Nachwuchsbereich – also inklusive C-, B- und A-Jugend - gehen wir mit 13 Teams von der Landesliga bis runter zur Stadtklasse Dresden ins Rennen. Das sind immerhin rund 200 Kinder und Jugendliche, die wir betreuen. Die Zahl ist im Vergleich zur Vorsaison in etwa konstant geblieben. Das hat jedoch kaum jemand bemerkt – weil das Wichtigste im Verein, sozusagen das „Aushängeschild“, fehlte: eine Männermannschaft.

Mit welchem Anspruch gehen die Teams, mit welchem Anspruch gehen Sie in die Saison?

Zunächst einmal: Die Zugehörigkeit zu einer Spielklasse ist gerade im Kleinfeldbereich für mich nicht das einzig Entscheidende. Der SC Borea war immer dafür bekannt und anerkannt, dass die Ausbildung des Nachwuchses im Vordergrund steht. Das hat auch mich seit jeher beeindruckt. Nicht umsonst hat eine B-Jugend-Mannschaft des Vereins auch mal in der Bundesliga gespielt. Aus meiner Sicht stand die Nachwuchsausbildung bei Borea der bei Dynamo Dresden nicht nach, teilweise war sie sogar besser. Ich möchte dazu Beitragen,  den Nachwuchs hier im Jägerpark wieder dahin zu bringen.

Was haben Sie denn bei Ihrem Amtsantritt vorgefunden?

Die letzte Saison war für Borea eine ganz schwierige. Und zwar auch für die Spieler und deren Eltern. Da einer meiner Söhne in der B-Jugend spielt und im Internat wohnt, kannte ich all die Sachen und war recht gut involviert in den Verein. Noch immer gibt es viele Fragen und Probleme. Aber es ist hier auch mal angebracht, sich bei allen zu bedanken, die durchgehalten und geholfen haben, die letzte Saison anständig zu absolvieren.

Warum stellen Sie sich der Aufgabe, in solchen Zeiten Boreas Nachwuchs zu leiten?

Das hängt in erster Linie mit der Person des sportlichen Leiters des Vereins Thomas Baron zusammen. Er ist eine absolute Autorität und Kapazität für den Verein. Mit ihm wurde in den letzten Wochen das Fundament für den sportlichen Aufwärtstrend gelegt. Und deshalb habe ich zugesagt, als er an mich herantrat. Jetzt kommt es für mich darauf an, sämtliche Infos für den Nachwuchs zu bündeln, zu verarbeiten, weiterzugeben. Da gibt es organisatorisch einigen Nachholebedarf. Dass ich „nebenbei“ mit der D2 auch eine Mannschaft selbst trainiere, ist dem Spaß geschuldet, die Jungs zu betreuen. Eine schöne Herausforderung!

Welche Erfahrungen bringen Sie dafür mit?

Ich bin acht Jahre Trainer gewesen, davon die letzten vier beim SV Traktor Priestewitz. Dort habe ich unheimlich viele und gute Erfahrungen sammeln können, weil ich auch eine ganz tolle Unterstützung durch den Verein, vor allem in Person von Präsident Adolf Noppes, hatte. In dieser Form, das kann ich guten Gewissens sagen, war die Priestewitzer Zeit etwas ganz Einmaliges. Dafür kann ich mich nur ganz herzlich bedanken. Und die Erfolge meiner Mannschaft konnten sich sehen lassen. Jetzt beginnt aber eine neue Zeit, auch wenn gleich vier meiner früheren Schützlinge mit zum SC Borea gewechselt sind.

Zurück zu Borea: Es gibt ja einen neuerlichen Kooperationsvertrag mit Dynamo Dresden zur Nachwuchsarbeit. Was kann er bewirken?

Ich denke, dass sich der SC Borea zuallererst auf sich selbst konzentrieren und nicht auf andere Vereine warten sollte. Verträge wie den jüngsten gab es in der Vergangenheit wohl schon einige und es bleibt abzuwarten, ob und wie beide Partner davon profitieren können.

Wichtig ist doch aber, dass die Dresdner und das Umfeld wissen, dass ein zweiter Verein in der Stadt Leistungsfußball anbietet. Und dass damit auch die Wahrscheinlichkeit wächst, dass mal wieder einem Dresdner Talent der Sprung in den Profi-Fußball gelingt. Denn Fußball-Dresden ist nicht nur Dynamo!

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass der SC Borea als Verein wieder funktioniert?

Die neue Geschäftsführung strahlt eine ungeheuer positive Stimmung aus. Die geschaffenen Strukturen inklusive Marketing-Kreis nutzen jede Möglichkeit, das Vereinsleben ins Rollen zu bringen. Im Juni haben wir unser erstes Sommerfest gefeiert. Das wurde richtig toll angenommen – der Verein hat damit ein ganz deutliches erstes „Lebenszeichen“ gefunkt. Dort muss es weitergehen. Und mich persönlich reizt es natürlich, unter leistungssportlichen Bedingungen zu arbeiten.

(Gespräch: Thomas Riemer)

(erschienen: Sächsische Sport-Zeitung, Ausgabe September 2012)

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