Gefährliche grüne Oase
 
 
Von Thomas Riemer
 
Nach Überschwemmungen der letzten Jahre wächst der Dobrabach nach und nach zu. Anwohner fürchten das nächste Hochwasser.

Nur rein äußerlich ist es idyllisch am Dobrabach, wenn sich der Lampertwalder Bürgermeister Wolfgang Hoffmann im Ortsteil Mühlbach am Wasser postiert. Zu gut hat er in Erinnerung, was hier vor knapp zwei Jahren - genau am 3. Advent - passierte. Da nämlich drohten Wassermassen ein nahe gelegenes Haus zu fluten. Hoffmann höchstpersönlich fuhr damals nachts mit dem Bagger zu dem betroffenen Grundstück nach Mühlbach und schaufelte den Abfluss vom Feld in das Flussbett der Dobra frei.

Flucht an die Dobra

Rainer Weber wohnt seit 2003 an der Krisen-Stelle. Ironie des Schicksals: Damals zog er unmittelbar nach dem Jahrhunderthochwasser von Dresden weg, um in Mühlbach "auf dem Trockenen" zu leben. Doch vor zwei Jahren stand das Wasser in seinem Haus. "Die Dobra ist einfach schlecht gepflegt", sagt Rainer Weber.

Zugegeben: Tagesaktuell droht weder dem kleinen Flüsschen noch angrenzenden Gehöften eine solche Katastrophe. Ganz im Gegenteil, zur Situation von damals herrscht im Moment eher Niedrigwasser. Die Dobra bahnt sich gemächlich und unscheinbar ihren Weg - ist kaum sichtbar. Normalerweise ist sie an dieser Stelle dreimal so breit wie gegenwärtig. Doch genau das bereitet Wolfgang Hoffmann unterschwellig Sorgen. Denn das Bächlein wuchert ganz langsam zu. Damit, so seine Befürchtung, werden auch die Abflüsse nach und nach zuwachsen. Doch genau die, so Hoffmann, müssten unbedingt offen gehalten werden.

Nach Ansicht des Gemeindechefs wäre dafür jetzt ein geeigneter Zeitpunkt. Denn Landwirt Martin Steinborn, der ein benachbartes Feld bewirtschaftet, hat dort gerade geerntet, so dass eine ungehinderte Zufahrt möglich wäre.

Abhilfe schaffen müsste die Landestalsperrenverwaltung mit Sitz in Pirna. Denn so klein der Dobrabach auch ist - er ist als Gewässer erster Ordnung eingestuft. Und wird damit von der Flussmeisterei Riesa bewirtschaftet und in Schuss gehalten. "Schon seit drei Jahren bin ich mit denen darüber im Gespräch", beklagt Wolfgang Hoffmann. Dabei gehe es letztlich gerade mal um 300 Meter Flusslänge, die geräumt werden müsste.

Baumfällung war ein Witz

Auch Rainer Weber "pflegt" mit den Behörden seit längerem einen intensiven Schriftwechsel. Doch bislang sei wenig passiert. Meist habe er zur Antwort bekommen, dass es jetzt erst einmal dringendere Dinge als die Dobra gebe, beklagt der Unternehmer. Selbst die unter anderem als Hochwasserschutzmaßnahme angekündigte Fällung von Pappeln durch die LTV Anfang des Jahres war aus seiner Sicht "ein Witz". "Die eigentlich störenden Gehölze am und im Wasser wurden stehengelassen", so Weber.

Die Landestalsperrenverwaltung will sich zum Problem heute äußern. Rainer Weber hofft, dass nicht wie schon häufig fehlendes Geld die entscheidende Rolle spielen wird. Denn aus seiner Sicht muss schnell etwas getan werden. Der nächste Regen, der nächste Frost - und die nächste Überschwemmung kommen bestimmt.

(Sächsische Zeitung Großenhain, 26. September 2012)

 

 

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