Großenhainer Krankenhaus wird plattgemacht

Der Abriss geht in die letzte Phase. Nur eine Statue wird gerettet.

Von Thomas Riemer

Ein mächtiger Bagger reist Stein für Stein vom früheren Anbau des Großenhainer Krankenhauses herunter. Aus dem früheren Behandlungs- und Bettenhaus gegenüber, gleich neben dem Heimweg, donnert rhythmisches Hämmern und Bersten. An den reichlich und akribisch aufgestellten Bauzäunen klickt immer wieder mal der Auslöser eines Fotoapparates, wird so manche Nase an den Gittern platt gedrückt. Nicht Personal in weißem Kittel, sondern kräftige Männer in Bauarbeiterkluft hasten durch die einstigen Patientengänge. Die Operation heißt: Abriss.

Inventar genau geprüft

Das 50-jährige Bestehen des alten Gemäuers wird nicht mehr gefeiert. Ein paar Wochen vorher soll vielmehr die Eröffnung des „Nachfolgers“, einer Reha-Klinik, erfolgen. Bis dahin bleibt dort kein Stein auf dem anderen. „Die innere Entkernung läuft schon seit einigen Wochen“, sagt Daniela Bollmann, Sprecherin der Elblandkliniken. Begonnen wurde in der früheren Poliklinik, das ehemalige Hauptgebäude mit dem OP-Trakt im Obergeschoss kommt zum Schluss an die Reihe. Bereits jetzt türmen sich aber auch dort jede Menge alte Türen und Fenster, Sanitärgegenstände, Platten. Das Gros des Abrissgutes landet später ordnungsgemäß auf der Müllhalde. Allerdings längst nicht alles. Gerade die technischen und medizinischen Geräte seien laut Inventarliste erfasst und begutachtet worden. Ein Teil sei auf die verbleibenden Häuser der Elblandkliniken verteilt, anderes auch zum Verkauf angeboten worden, so Diana Bollmann. Beim eigentlichen Abriss ist die Firma TFI Netzschkau mit zehn Arbeitern vor Ort. Gefahr trächtiges Baumaterial soll es dem Vernehmen nach nicht geben. Wegen der enormen Staubentwicklung muss die Baustelle gleichzeitig mit Wasser bespritzt werden. Schließlich herrscht im halbfertigen Neubau der Reha-Klinik gleich nebenan teilweise bereits Publikumsverkehr. Denn mehrere Praxen, die früher im Krankenhausanbau niedergelassen waren, haben dort ihr neues Domizil gefunden.
Die Großenhainer sehen den Abriss mit gemischten Gefühlen. Auch wenn er schon seit Ewigkeiten beschlossen und avisiert ist, mischen sich hier und da Emotionen und auch ein wenig Nostalgie ins Geschehen. Dass es künftig in ihrer Stadt so gar kein „herkömmliches“ Krankenhaus mit Notfallambulanz und OP-Saal gibt, stimmt manchen auch traurig und besorgt. Schließlich kamen hier früher die Großenhainer Babys zur Welt, wurden Leben gerettet, Patienten geheilt. Das ist endgültig vorbei.
Dabei hatten die Elblandkliniken in der Vergangenheit keine Mühe gescheut, die Schließung zu begründen. Jede denkbare Alternative hätte früher oder später zu einem Ende des Klinikbetriebes an diesem Standort geführt, so Markus Funk vom Vorstand der Elblandkliniken im Frühjahr. Das Großenhainer Haus sei sowohl medizinisch, als auch wirtschaftlich nicht überlebensfähig gewesen. Deshalb habe das Unternehmen die kurzfristige Chance, etwas Neues an der Stelle zu bauen, genutzt. Gemeint ist die Reha-Klinik, deren Konturen bereits sehr deutlich neben der Abriss-Baustelle zu erkennen sind.
In etwa zwei Wochen sollen auch die letzten Mauern, die mal ans fast 50-jährige Krankenhaus erinnerten, verschwunden sein. „Bis zur Eröffnung der Reha-Klinik wird es sicher schon alles schön gemacht sein“, zeigt sich Klinik-Sprecherin Bollmann zuversichtlich. Selbst der Springbrunnen vor dem Eingangsbereich – früher ein beliebter Treffpunkt für Patienten und deren Besucher – wird dann bereits verschwunden sein. Stattdessen entstehen dort Außenanlagen und Parkplätze für die neue Einrichtung. Erhalten bleibt lediglich ein, wenn auch nicht das unwichtigste, Detail – die Bronzestatue. Sie wird in den nächsten Tagen abgebaut und eingelagert, um später einen würdigen Platz zu bekommen.

Künftig 234 Mitarbeiter

Markus Funk sieht den Standort Großenhain trotz allem nicht gefährdet – sondern sogar aufgewertet. „Wir bauen hier eine hochmoderne Klinik mit vielen Annehmlichkeiten für Patienten und deren Angehörige, die zu Besuch kommen, und mit hervorragendem Personal“, sagt er. 234 Mitarbeiter wird es geben, ein Teil davon rekrutiert sich aus ehemaligen Krankenhausmitarbeitern der Röderstadt.
Sie alle, Mitarbeiter, Patienten wie Besucher gleichermaßen, müssen sich dann im Neubau zurechtfinden. Die alten Hinweisschilder zum Großenhainer Krankenhaus sind dann mit Sicherheit ebenfalls verschwunden.

(Sächsische Zeitung Großenhain/Riesa, 28. August 2012)

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