Nachbarn staunen über Flugplatz-Pläne
 
 
Von Thomas Riemer
 
Zeithain verweist auf seinen längst erschlossenen Gewerbepark und kritisiert den Freistaat. Riesa glaubt an Impulse für die Region.

Ralf Hänsel ist nicht sauer - aber angesichts der neuerlichen Debatten um ein Super-Industriegebiet in Großenhain ist der neue Bürgermeister von Zeithain schon etwas verwundert. Denn: Zeithain verfügt auf ebenfalls früherem Militärgelände schon seit einigen Jahren über eine riesige erschlossene Gewerbefläche.

Dem gegenüber steht eine Bestandsaufnahme aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium. "Der Flugplatz Großenhain wäre eine attraktive Fläche für Gewerbeansiedlungen", so Ministeriumssprecher Florian Schaefer auf Anfrage der SZ. Das umso mehr, da "Gewerbeflächen in dieser Größenordnung langsam rar werden", so Schaefer.

Ralf Hänsel kann sich dazu ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Quasi vor seiner Zeithainer Rathaustür befindet sich das mit 124 Hektar Nettofläche größte, vollständig erschlossene und sofort bebaubare Gebiet für Industrieansiedlungen in der näheren Umgebung. Hänsel nennt weitere Vorteile: Im Zeithainer Gewerbepark gebe es im Gegensatz zu den vorgesehenen Großenhainer Flächen keinerlei Altlasten mehr. Außerdem existiere für Zeithain bereits ein genehmigter Bebauungsplan. Dass dies im Wirtschaftsministerium in diesem Zusammenhang bislang offenbar unberücksichtigt bleibt, ist aus Sicht des Zeithainer Gemeindechefs "traurig".

Wacker hat es vorgemacht

Im Riesaer Rathaus stößt die Vision aus der Nachbarstadt gleichermaßen auf Abwarten wie Spannung. "Für die gesamte Region bringt so ein Industriegebiet natürlich immer Impulse", so Stadtsprecher Uwe Päsler diplomatisch. Bestes Beispiel dafür sei die Erweiterung des Wacker-Chemiewerkes in Nünchritz. Rechtselbisch gebe es inzwischen ja kaum noch Bauplätze für Eigenheime, so Päsler vielsagend. Andererseits habe Riesa unter anderem bei der Vermarktung des Rio-Industriestandortes selbst erleben müssen, dass Investoren nicht Schlange stehen. "Es wird für Großenhain nicht leicht werden", so Päslers Prognose. Zeithains Rathauschef Ralf Hänsel fände es verhängnisvoll, wenn sich auf diese Art und Weise Kommunen um Großinvestoren streiten würden.

Für Klotzsche-Ersatz zu klein

Egal, wo sich ein größeres Unternehmen ansiedeln würde, hätten letztlich doch auch alle umliegenden Städte und Gemeinden etwas davon. Hänsel verwendet zwar nicht den Begriff einer "Konkurrenz". Zwischen den Zeilen hört man ihn aber schon heraus.

Florian Schaefer erklärte übrigens auch die Sicht des Ministeriums nach den Missverständnissen zur Rolle des Großenhainer Flugplatz in Katastrophenfällen. Richtig sei, dass Großenhain keineswegs ein geplanter Ausweich für Dresden-Klotzsche wäre. Dafür spreche schon allein die Tatsache, dass die Betriebserlaubnis des Verkehrslandeplatzes lediglich für Maschinen gilt, die weniger als 14 Tonnen auf die Waage bringen.

Aber: Wenn in Dresden wirklich etwas passiere, sei quasi jede geeignete Stelle für Notlandungen gefragt. Notfalls auch das Rollfeld in Großenhain.

(Sächsische Zeitung Großenhain, 28. September 2012)

 

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