Abwasser: Verwaltung bleibt stur

Nauwalder Verwaltung bleibt im Abwasserstreit stur
Die Bürgerinitiative Abwasser wollte zur Ratssitzung wiederholt Vergleichszahlen zwischen zentraler und dezentraler Entsorgung auf dem Tisch. Sie beklagt fehlende Informationen.
 
Von Thomas Riemer
 
Der Streit ums Nauwalder Abwasser spitzt sich abermals zu. Zwar stand das Thema nicht offiziell auf dem Plan der jüngsten Gemeinderatssitzung zu Wochenmitte. Doch die „Bürgerinitiative Abwaser Nauwalde“ hakte in der Bürgerfragestunde erneut nach. Streitpunkt nach wie vor: Welche Entsorgungsvariante ist für die Gemeinde die günstigste? Und: Es müssen endlich Zahlen auf den Tisch, was sowohl eine zentrale als auch eine dezentrale Entsorgung den einzelnen Bürger kostet.
 
Doch genau darum drückt sich die Nauwalder Gemeindeverwaltung nun schon seit geraumer Zeit. „Die Gründe dafür sind uns nicht bekannt“, sagt Jürgen Müller von der Bürgerinitiative. Deren Mitglieder und Sympathisanten favorisieren prinzipiell für die Ortsteile Nauwalde und große Teile Spansbergs einen Anschluss an die zentrale Abwasseranlage in Gröditz. Für Nieska und Schweinfurth dagegen wird eine Entsorgung über biologische Kleinkläranlagen vorgeschlagen. Doch der Nauwalder Gemeinderat ignoriert dies bislang vehement und hält an einem gefassten Beschluss aus dem Jahr 2006 fest. Demzufolge sollen alle Ortsteile dezentral entsorgt werden. Was folgte, war ein Hickhack um Gutachten, Gegengutachten, Briefe. Alles bislang ohne Ergebnis.
 
Dabei sind aus Sicht der Bürgerinitiative die Forderungen klar. „Wir wollen einen Vergleich der Kosten sowohl für die dezentrale als auch die zentrale Variante“, so Jürgen Müller. Weil die Gemeinde darauf aber nicht reagiert, haben sich die Bürger im Sommer mit einer Petition an den Sächsischen Landtag gewandt. „Die Verunsicherung ist groß“, heißt es darin unter anderem, um auf die Dringlichkeit einer Lösung hinzuweisen. Der Petitionsdienst des Landtages bestätigte am 25. Juli dieses Jahres, dass man sich mit dem Thema befassen werde. Wann allerdings ein Abschlussbericht zum Petitionsverfahren gegeben werden kann, „lässt sich nicht vorhersehen“. Dass die Zeit drängt, macht Jürgen Müller klar. Zwei Hochwasser gab es im vergangenen Jahr. „Viele Kleinkläranlagen und Abwassergruben waren übergelaufen und mussten ausgepumpt werden“, so Müller. Er hofft, dass die Mitglieder des Landtages Wege aus der Abwassermisere aufzeigen können und helfen, die für die Bürger wirtschaftlichste Entsorgungsvariante voranzutreiben.
 
Parallel zu den Petitionsbemühungen hatte das Meißner Landratsamt der Gemeindeverwaltung eine Art Ultimatum gestellt: Bis 30. September sollte die ein überarbeitetes Abwasserkonzept einreichen. Den Termin ließ die Verwaltung verstreichen. Jetzt steht eine neue Frist. Bis zum 15. November haben die Gemeindeoberen Aufschub erhalten, so Kerstin Thöns, Sprecherin der Meißner Behörde.
 
Die Verwaltung im kleinen nördlichsten Dorf des Landkreises selbst hüllt sich dagegen vollends in Schweigen. Bürgermeisterin Barbara Hoffmann ist krank. Ihr Stellvertreter Bernd Damm lehnte gestern jegliche Auskunft gegenüber der SZ barsch ab. Nach Ansicht der Bürgerinitiative passt das ins Konzept. „Mit uns redet ja auch niemand von dort“, so Jürgen Müller. Wie er teilen auch andere Beobachter die Auffassung, dass die Gemeinde „das Problem aussitzen will“. Und dabei sogar versucht, den „aufmüpfigen Bürgern“ den Schwarzen Peter zuzuschieben. Oder der Stadt Gröditz. Denn die ist nicht nur erfüllende Kommune in der gemeinsamen Verwaltungsgemeinschaft. Vielmehr steht irgendwann eine Nauwalder Eingemeindung in die Stadt auf dem Plan. 
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 21. Oktober 2011)

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