Angst vor weißem Pulver?

Nicht jede Schaumprobe ist eine Bombe
Nach dem „Pulver-Attentat“ aus Karlsruhe bleiben hiesige Postempfänger gelassen. Die Polizei appelliert an ein gesundes Augenmaß, bevor Panik gemacht wird.
 
Von Thomas Riemer
 
Vorsichtiges Abtasten der Briefumschläge, am besten mit aufgezogenen weißen Schutzhandschuhen geschützte Finger, Scanner und Schleusen – wer nach dem „Pulver-Anschlag“ aus ausgewählte Büros und Personen in Deutschland zu Wochenmitte auf derlei Szenarien in Ämtern und Behörden gelauert hat, wird enttäuscht. „Die Post wird – wie jeder von uns seine Briefe öffnet – geöffnet“, sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes Meißen Kerstin Thöns. Zwischen 300 und 500 Briefen, dazu etwa 20 Pakete trudeln wöchentlich dort ein, werden in der zentralen Poststelle erfasst und auf die einzelnen Dezernate verteilt. Bislang habe es jedoch noch nie irgendwelche Sendungen gegeben, die wegen eines verdächtigen Eindrucks einen Einsatz der Polizei o.ä. erforderlich machten. „In Riesa ist so ein Fall bislang noch nie aufgetreten“, sagt auch Rathaussprecher Uwe Päsler. Ebenso Großenhain. „Erfreulicherweise gab es bisher keine derartigen Vorkommnisse“, so Sprecherin Diana Schulze.
 
Und doch ist nach den jüngsten Vorfällen eine gewisse Sensibilität, auch Respekt, vor dem Umgang mit eingehenden Briefen und Paketen zu spüren. „Es ist wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren“, sagt daher auch Wolfgang Kießling von der Pressestelle der Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge. Einen Grund zur Panik sieht er trotzdem überhaupt nicht. „Ich bitte hier einfach um ein gesundes Augenmaß“, so Kießling. Natürlich sei es immer gut, aufmerksam zu sein – so wie man es vergleichsweise ja auch bei einem herrenlosen Koffer auf dem Flughafen oder in der Bank ist. Und wenn man sich bei einem Brief nicht sicher sei, sollte man zu allererst den Absender kontaktieren, rät er. Letztlich nämlich sei nicht jede Probe eines Haarwaschmittels mit einer Briefbombe zu verwechseln. Ein vorschneller Polizeieinsatz jedenfalls sei sehr aufwändig – und auch ziemlich teuer. Zwischen 60000 und 80000 Euro – „und die werden vom Delinquenten eingefordert“, so Kießlings Warnung an eventuelle Trittbrettfahrer.
 
Bei der Polizei selbst werde die eingehende Post zentral erfasst. Eine Art „Raster“ gebe es insofern, dass die Briefe beim Empfang auf den Absender kontrolliert und notfalls auch abgetastet werden. Spezialisten zieht die Polizei nur in absoluten Zweifelsfällen zu Rate – notfalls komme da auch mal ein Scanner zum Einsatz.
 
In der Riesaer Stadtverwaltung bleibt man gelassen. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Post zu tun haben, sind darüber belehrt, auf verdächtige Sendungen zu achten. Es gibt auch eine entsprechende Dienstanweisung dafür, und gegebenenfalls liegen auch Handschuhe bereit“, so Uwe Päsler.
 
Besondere Vorkehrungen gibt es auch im Großenhainer Rathaus nicht. Weder in der Zentralen Posteingangsstelle – in diesem Falle ist das das Sekretariat des Geschäftsbereiches Finanzen und Allgemeine Verwaltung – noch in den einzelnen Dienstbereichen sind Schutzhandschuhe Pflicht.„Diesbezüglich gibt es keine Festlegungen oder speziellen Handlungsanweisungen innerhalb der Stadtverwaltung Großenhain“, so Diana Schulze.
 
Zumindest für den Fall der Fälle existiert in Sachsen für alle Kommunen eine Art Fahrplan. „Demnach ist unverzüglich die Polizei zu verständigen. Sie sperrt vorsorglich den Auffundort und zieht - bei Bedarf - Kräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes hinzu, um die Gefahrenlage einzuschätzen“, so Landratsamts-Sprecherin Kerstin Thöns. Dann würden die weiteren Maßnahmen wie Schutz-Kleidung, Handschuhe, Atemschutzmaske festgelegt. Später werde über die Art und Weise der Sicherstellung entschieden. „Zudem sind die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zur Vorgehensweise bei Verdacht bei Kontamination mit gefährlichen Erregern zu beachten“, so Kerstin Thöns.
 

 

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