Bier mit Hirschsteiner Kirschen

Belgisches Bier mit Hirschsteiner Kirschen

Im Riesaer Hammerbräu wird derzeit ein Kirschbier gebraut. Die Idee geht auf einen Streit im 13. Jahrhundert sowie die Internierung des belgischen Königs im Zweiten Weltkrieg in Hirschstein zurück.

Von Thomas Riemer
Hirschsteins Bürgermeisterin Christine Gallschütz ist unlängst höchstpersönlich auf die Leiter gestiegen – um Kirschen zu pflücken. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Dass aber Hirschsteiner Kirschen als Grundlage für ein besonderes Bier dienen, das ist schon was Besonderes. Herausgefunden hat diesen Zusammenhang der Riesaer Braumeister Gunter Spies. Er braut mit den Kirschen von Christine Gallschütz derzeit belgisches Bier. „KRIEK“ heißt das Gebräu und kommt aus dem Flamischen.
Der Hintergrund ist – wie bei Gunter Spies nicht anders zu vermuten – ein historischer. Er geht zunächst auf das Jahr 1623 zurück. Damals wurde dem „Rathdirektor der Holzflöße“ Christoff von Felgenhauer mit einem Schreiben vom 28. Juli das Stadt- und Marktrecht für Riesa eingeräumt, außerdem für zwei Extramärkte am ersten Sonntag nach Ostern (Quasimondogeneniti) und den ersten Sonntag nach dem 16. Oktober des Heiligen St. Gallus. Offiziell wird dieses Marktrecht seit Jahresbeginn von der Riesaer Magnet GmbH fortgeführt, so Gunter Spies.
Felgenhauer, ein reicher niederländischer Kaufmann, war gleichzeitig Besitzer von Schloss Riesa und Hirschstein. Auf Hirschstein wiederum soll am 16. August 1291 der Markgraf der Lausitz und Regent von Meissen Friedrich Tuta durch den Bischof von Meissen Withego I. von Furra mit Kirschen vergiftet worden sein, um einen Streit endgültig zu beenden. Daher rührt offenbar das Sprichwort „Mit hohen Herrschaften ist nicht gut Kirschen essen.“
Und schließlich ist es noch ein Ausflug in die Geschichte, der Gunter Spies zum „KRIEK“ geführt hat. Denn während des Zweiten Weltkrieges war das belgische Königshaus unter Leopold III. auf Schloss Hirschstein interniert. 1991 kehrte dessen Sohne Prinz Albert an die Stätte seiner Kindheit zurück, 1996 seine Frau – die belgische Königin. Und 2003 besuchte eine belgische Fußballmannschaft Schloss Hirschstein – damals unter Federführung des Riesaer Autohauses „Gute Fahrt“.
Gunter Spies hat aus allen Daten Eins und Eins zusammengezählt und für sich den Schluss gezogen: „Es wäre schade, wenn die Kontakte zwischen den Belgiern und uns abreißen würden.“ Also rief er kurzentschlossen Bürgermeisterin Christine Gallschütz an, die sofort ihre Zusage zum Kirschenpflücken gab und damit die Mär von den „hohen Herrschaften“ erst einmal ad absurdum führte.
Drei Fässer mit jeweils 50 Liter Pilsener Bauart mit Hirschsteiner Kirschen werden jetzt also im Riesaer Hammerbräu bereitet – das so genannte „Golden-KRIEK“. Ab 5. August wird es dort zum Kosten angeboten und nur ein klein wenig vom echten belgischen KRIEK abweichen. „Es wird riesig-fruchtig schmecken, jedoch etwas milder als das Original, da ich keine Sauerkirschen, sondern Süßkirschen verwendet habe“, so Braumeister Spies.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 26. Juli 2011)

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