Cafe schließt nach über 20 Jahren
Das Weihnachtsgeschäft bestritt Karin Roßberg im neuen Wagen vor dem Cafe. Künftig geht sie neue (gastronomische) Wege.
 
Von Thomas Riemer
 
Das Weihnachtsgeschäft „brummte“ nochmal so richtig. Wildwürste und -schinken, Glühwein und Wurstbemmchen gingen über den Tresen des Verkaufswagens vor dem Cafe Roßberg auf der Riesaer Hauptstraße. Trotz teilweise miesen Wetters gab es kaum eine Minute, in der Kundschaft fehlte.
Inhaberin Karin Roßberg muss sich in diesen Tagen von diesem Kapitel verabschieden. „Das Cafe wird geschlossen“, sagt sie kurz und knapp und ringt dabei mit wehmütigen Gefühlen und um Fassung. Denn: „Ich hätte gern noch ein Jahr drangehängt“, sagt die Chefin. Mehr will sie nach mehr als 20 Jahren gastronomischer Arbeit im Stadtzentrum dazu nicht sagen. Außer: „Der Abschied fällt richtig schwer.“
Die Erinnerungen gehen zurück an den Anfang. Bis dahin hatte Karin Roßberg ihre Arbeit bei der Handwerkskammer, ihr Mann war Tierarzt. Doch die „Wendewirren“ endeten für die Roßbergs in der Gastronomie. 1990 übernahmen sie das heutige Cafe von der damaligen HO und begannen mit dem Verkauf von Kaffee und Tee. 1991 kamen Backwaren und ein Imbiss hinzu. „Mein Mann hatte einen Meisterbrief, das war unser Glück damals“, erinnert sich Karin Roßberg. So konnte der Familienbetrieb auch die frühere Bäckerei auf der Speicherstraße übernehmen. „Wir sind durch alle Höhen und Tiefen gegangen“, blickt Karin Roßberg auf die 1990er Jahre zurück.
Am 18. Februar 2002 erhielt sie die Gewerbeerlaubnis für das Betreiben einer Gaststätte auf der Hauptstraße. Zehn Tage später öffnete das Restaurant, avancierte dank der Ideen und Flexibilität der Chefin auch schnell zu einer der ersten Adressen auf dem Boulevard. Ein nicht unwesentlicher Grund: Bei Roßbergs war ständig Wild im Angebot. Denn Karin Roßbergs Mann ist aktiver Jäger und Fleischermeister – da lag das Ausfüllen dieser „Nische“ natürlich recht nahe.
Doch nicht nur gastronomisch machten Karin Roßberg und ihr Team immer mal wieder auf sich aufmerksam. Keine Veranstaltung in Riesa ist vergangen, ohne dass es rund ums Cafe nicht irgendeine besondere Aktivität gab. Oft war es „Teufelsgeiger“ Martin Roßdeutscher, der durch seine unnachahmliche Art Musik zu zelebrieren, das Publikum begeisterte. Stadtfeste, Automeile, einkaufsoffene Sonn- oder Feiertage – „Wir waren immer dabei“, sagt Karin Roßberg stolz. Auch spontane Aktionen waren darunter. So im Januar 2005, als sie kurzentschlossen die Sammelbüchse in die Hand nahm, um im und vor dem Cafe für die Tsunami-Opfer in Südostasien Geldspenden zu sammeln.
In all den Jahren konnte sie sich auf ein junges Team stützen. Viele durchliefen im Familienbetrieb eine Lehre als Bäcker und Konditor, später als Restaurantfachleute. Und auch die Kunden hielten dem Unternehmen stets die Treue – in guten wie in schlechteren Zeiten. „Die haben immer geholfen, standen zur Seite“, sagt Karin Roßberg.
„Alles hat mal ein Ende. Aber irgendwie wird es weitergehen“, ergänzt die Leutewitzerin mit leiser Stimme. Den Verkaufswagen, der in der Adventszeit vor dem Cafe stand, haben Roßbergs erst dieses Jahr angeschafft. Gut möglich, dass man ihn ab März bei dieser oder jener Veranstaltung wieder sieht. Denn Wild will die Familie auf jeden Fall weiterhin anbieten, vorerst überwiegend auf dem heimischen Grundstück. Dass sie in all den Jahren nicht ein Mal Urlaub gemacht hat, erwähnt Karin Roßberg nur am Rande. Auch jetzt denkt sie daran nicht. „Hauptsache, wir sind gesund“, sagt sie.

Nach oben