Formel Eins auf drei Rädern
Die Adelsdorfer Dumperfreunde gehen in gut einer Woche in die neue Saison. Diesmal soll der Titel her. Thomas Hofmann ist Favorit und Hoffnungsträger.
 
Von Thomas Riemer
 
Formel-Eins-Weltmeister Sebastian Vettel würde vermutlich verzweifeln, doch für Thomas Neumann ist es das Normalste auf der Welt, auf drei Rädern durch Kurven und über Geraden zu balancieren. Denn Neumanns „Arbeitsgerät“ ist eine Dreikantfeile – ein Dumper. Und der 40-Jährige will in diesem Jahr hoch hinaus. „Ich fahre die fünfte Saison, war jedes Jahr einen Platz besser – und voriges Jahr war ich Zweiter“, erklärt er hintergründig sein Saisonziel. Erstmals will Thomas Neumann den Thron der Deutschen Dumper Meisterschaft (DDM) erklimmen. Schwer genug wird’s, denn insbesondere mit den Fahrern aus Lehndorf wartet eine starke Konkurrenz auf die Adelsdorfer. Das dortige Dumperteam ist in anderthalb Wochen Gastgeber des ersten von fünf Wettkämpfen. Den Heimvorteil wollen die Mitglieder im Gelände der Firma Wallberg am Dorfrand nutzen. „Wir sind reif für den Titel“, sagt auch Vereinspräsident Lutz Grafe.
 
Einen Dumper zu lenken, ist nicht leicht – und deshalb auch so etwas wie Berufung. „Das ist etwas für Leute, die sich die Formel Eins nicht leisten können“, sagt Thomas Neumann mit ironischem Unterton. Was nicht heißt, dass es ein billiges Hobby ist. Denn so eine Dreikantfeile ist einerseits nicht leicht zu haben. Und als Neueinsteiger muss man auch erst einmal einiges in das Fahrzeug hineinstecken, ehe es DDM-tauglich ist. Wobei bis auf den Motor am Grundaufbau nicht viel verändert wird. „Der Dumper muss auch ein Dumper bleiben“, so Neumann. Zu dem nicht alltäglichen Sport ist er eher zufällig gekommen. „Meine Frau hat mir die Mitgliedschaft zu Weihnachten geschenkt“, erzählt der Skauper. Danach wollte er natürlich auch sein eigenes „Dreirad“ haben. Das schließlich ersteigerte er bei Ebay für 505 Euro. „Der war gerade noch so fahrbereit“, erinnert sich Neumann. Sieben Stunden habe man gebraucht, um den Dumper aus der Nähe von Herlishausen an der hessischen Grenze abzuholen.
 
Die Erinnerung an derartige Erlebnisse lässt die Runde der 16 Vereinsmitglieder schmunzeln. Sieben der ungewohnten Fahrzeuge zählen die Dumperfreunde Adelsdorf zu ihrem Fuhrpark. Auf gerader Strecke und ordentlich „getunt“ schaffen sie bis zu 54 Sachen. Bei den Läufen zur DDM geht es freilich etwas langsamer zu. „Dumperfahren ist neben Tempo vor allem Geschicklichkeit“, sagt Vereinsvorsitzender Gottfried Scheeler. Um die 200 Meter lang sind die jeweiligen Wettkampfstrecken, die von jedem Fahrer zwei Mal absolviert werden müssen. Neben rasanten Kurven auf dem maximal 2,60 Meter breiten Oval ist die Kursgestaltung weitgehend offen. Die fünf gastgebenden Vereine bauen deshalb jeweils ein besonderes Highlight ein. „In Adelsdorf ist das die Wippe“, sagt der dortige DDM-Beauftragte Wolfgang Riedel. Die Zeiten werden bis zur Hundertstelsekunde genau gestoppt. In diesem Jahr ist zudem das Reglement leicht verändert worden. Für jede Reifenberührung gibt es statt zwei nur noch eine Strafsekunde. „Damit es bissel mehr Action gibt“, so Wolfgang Riedel.
 
Fünf Wettbewerbe gehören zur Rennserie der DDM. Veranstaltungsorte sind neben Adelsdorf noch Zwickau, Lehndorf, Koselitz und die Insel Rügen - „bei Bauer Lange“. Seit Jahren gehört dieser Wettkampf zu den absoluten Höhepunkten, gerät natürlich ob der langen Reise zum Familienausflug. Dann buchen die Adelsdorfer gleich ein ganzes Hotel. Vergangenes Jahr fand sich ein Sponsor – eine Speditionsfirma aus Osnabrück –, die den Dumper-Transport übernahm. „Das war ein absoluter Glücksfall“, so Gottfried Scheeler.
 
Lieschow auf Rügen ist die letzte Station der DDM. Bis dahin will Thomas Neumann bereits den Grundstein für den Gesamtsieg legen. Einfach wird’s nicht, weiß er. Insbesondere die Lehndorfer haben in der Vergangenheit die Konkurrenz beherrscht. Ihr Vorteil sei, so Gottfried Scheeler, dass sie mehr als andere auf den Nachwuchs setzen können. Der Blick in die Runde der Adelsdorfer Dumper-Fanatiker scheint das zu bestätigen: Mit seinen 40 Lenzen gehört Thomas Neumann eher noch zur „jungen Garde“ im Team.
 
Am 29. April vor sicherlich wieder großem heimischen Publikum wird er trotzdem zusätzliche starke Konkurrenz aus der eigenen Mannschaft bekommen. „Frank Domsch, sechsfacher deutscher Dumper-Meister, fährt dieses Jahr für unser Team“, freut sich Gottfried Scheeler. Der bisherige Lehndorfer habe dies ganz aktuell bestätigt. Und da ist er dann doch – der Bezug zur Formal Eins, wo der Wechsel des Rennstalls oft die entscheidende Rolle spielt. Vielleicht ist es ja auch dieses Jahr bei den Dumperfahrern so – unter denen Thomas Neumann trotzdem als Favorit wie Hoffnungsträger der Adelsdorfer gilt.
 
(Sächsische Zeitung Großenhain, 16. April 2012)

Nach oben