Gefährliches Blitzeis auf den Straßen

Von Thomas Riemer & Jens Ostrowski

In den letzten Wochen kracht es auf den Straßen in der Region Riesa immer häufiger in den Morgenstunden. Vor allem auf Brücken, auf tieferliegenden Landstraßen und in Waldstücken bringt die gefrierende Nässe Autofahrer von der Fahrbahn ab. Nur durch Glück ist bislang niemand zu Schaden gekommen.

Das gilt auch für Steffen B. und seine drei Mitfahrer, die vergangenen Samstagmorgen auf der Wildenhainer Straße in Großenhain stadtauswärts in Richtung der neuen B 98 unterwegs waren. Gegen 7.10 Uhr geriet das Auto ins Schlingern, rutschte in einer langgestreckten Rechtskurve nach links Richtung Straßenrand. Ein Begrenzungspfahl zerschellte an der Vorderseite. Nach kurzer Flugeinlage kam der Opel schließlich gut zwei Meter unterhalb der Fahrbahn in einer Schonung zum Stehen, nachdem er vorher noch eine Eisenstange samt Zaun wegrasiert hatte. Wie durch ein Wunder wurden Fahrer und Beifahrer sowie die beiden Kinder auf der Hinterbank nicht verletzt.
"Fluchtartig verließen wir anschließend das Auto", sagt Steffen B. - und das aus gutem Grund. Denn keine fünf Minuten später erwischte es an gleicher Stelle einen Kleintransporter. Dessen Fahrer blieb nur wenige Meter vor dem Opel im Straßengraben hängen, seine Kiesladung rutschte nach links. Auch hier wurde glücklicherweise niemand verletzt.
Zwei Wochen vorher kam es auf der B169 Richtung Riesa gleich zu zwei Unfällen an gleicher Stelle. Auf der spiegelglatten Piste geriet erst ein 34-jähriger Fahrer mit seinem Wagen auf der Elbbrücke ins Schleudern, kurze Zeit später kam an gleicher Stelle eine Frau beim Spurwechsel von der Fahrbahn ab.
Großes Glück hatte eine Opelfahrerin eine Woche darauf in Colmnitz. Sie landete mit ihrem Opel auf der Oberen Hauptstraße vor einem Baum. Sie musste verletzt in Krankenhaus gebracht werden.
Wieso Gemeinden das Blitzeis nicht in den Griff bekommen und was Experten raten, um einem Unfall auf glatten Straßen zu entgehen, erklärt die Sächsische Zeitung in den folgenden Zeilen.

⇒ Das macht die Blitzeis-Stellen so gefährlich

Blitzeis taucht oftmals dann auf, wenn Autofahrer nicht damit rechnen - nämlich auch an Tagen, an denen die Temperaturen über null Grad liegen (siehe Interview). "Gefährliche Stellen sind Senkungen, Anhöhen, Brücken und auch Waldstücke und Fahrbahnen, die sich in der Nähe von Gewässern befinden", sagt der Riesaer Polizeichef Hermann Braunger.

⇒ So reagieren die Kommunen auf die gefährlichen Stellen

Nicht alle Kommunen lassen die bekannten Blitzeis-Stellen regelmäßig abfahren. Zwar gibt es meistens Tourenpläne mit den bekannten Gefahrenstellen - und doch kann der Winterdienst nicht überall gleichzeitig sein. Bei der Polizei existiert eine Auflistung aus den meisten Kommunen, die zeigt, wie im Falle eines Unfalles die jeweiligen kommunalen oder beauftragten Subunternehmen zu benachrichtigen sind. Sind größere Straßen betroffen, werden in aller Regel die zuständigen Straßenmeistereien informiert. Bei weniger befahrenen Straßen wird das Problem an die Disponenten der Rettungsleitstelle weitergegeben.

⇒ Warum der Polizei die Hände gebunden sind

Die Polizei selbst kann nicht viel tun, außer den Streudienst zu benachrichtigen. "Wir haben schon mehrfach versucht, die Winterdienste bei Unfällen zu erreichen", sagt Lutz Teistler von der Pressestelle der Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge. Ob dann allerdings von dort irgendwelche Maßnahmen eingeleitet werden, sei nicht Sache der Ordnungshüter und wird auch nicht weiter verfolgt. "Wir haben keinen Einfluss auf den Winterdienst", so Teistler. Dass die Polizei bis zum Eintreffen von Winterdienstkräften vor Ort gefährdete Straßen absperrt, sei meist unmöglich. "Dafür fehlt uns dann die so genannte Manpower", sagt Teistler.

⇒ Warum die Stadt Riesa eine komfortable Situation genießt

Im Vergleich zu vielen anderen Kommunen hat die Stadt Riesa den Vorteil, eine hauptamtliche Feuerwehr zu besitzen. Somit gibt es eine Dienststelle, die ständig besetzt ist. Nach dem Anruf durch die Polizei regele dann der Feuerwehrdienst alles Weitere mit Stadtverwaltung und der Allgemeinen Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft mbH. Und die erledigt im Auftrag der Stadt sämtliche Belange des Winterdienstes. "Insofern gibt es eine klare Dienstanweisung, wie zu verfahren ist", sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Sobald seitens der Leitstelle der Polizeidirektion ein Einsatzersuchen erfolge, werde automatisch der Diensthabende der Riesaer Feuerwehr informiert. An Wochentagen sei überdies die städtische Winterdienstleitung jederzeit zwischen 6 und 20 Uhr erreichbar, so Päsler.

⇒ Wie Kommunen nach Unfällen reagieren

Es muss erst etwas passieren: Seit Wochenbeginn gehört nun auch die alte Wildenhainer Straße zu den "Brennpunkten" dieser Kontrollen, wo am Sonnabend der geschilderte Unfall passierte. Warum dort nach dem Crash auch in den folgenden drei Stunden kein Räum- und Streudienst vor Ort kam, ist bislang noch nicht geklärt. Was niemand sagt: Offenbar ist die Straße bislang vergessen worden.

⇒ Wie sich Autofahrer gegen Blitzeis wappnen können

In dieser Jahreszeit sollten Autofahrer mit Vorsicht langsam und vorausschauend fahren. In Bereichen von Waldschneisen, Höhenunterschiede oder Brücken sinkt die Temperatur des Asphalts. Polizeichef Braunger rät, vor der Antritt der Fahrt einen Blick aufs Thermometer zu wagen. Selbst bei Plusgraden könne es zu Vereisungen kommen. Bei den meisten Auto-Thermometern ertöne daher schon bei drei Grad plus ein Warnsignal.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 14. Dezember 2011)

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