Himmelfahrts-Spektakel wie im Mittelalter
Der Schreiberhof in Zottewitz erwartet zum Herrentag Familien mit Sinn fürs Mittelalter. Es darf auch für einen Tag geheiratet werden.
 
Von Thomas Riemer
 
Die Schankgenehmigung ist bis Mitternacht beantragt. „Aber die Ersten
werden wohl schon um neun vor der Tür stehen“, vermutet Volkmar Börner.
Die Rede ist vom Mittelalterspektakel am Himmelfahrtstag auf dem
Schreiberhof in Zottewitz. Zum vierten Mal hat sich eine kleine
Interessengemeinschaft von Enthusiasten um Volkmar Börner
zusammengetan, um abseits vom Heiratsmarkt-Trubel im benachbarten
Seußlitz etwas auf die Beine zu stellen. „Wir machen das Kleine,
Feine“, so Börner.
Und deshalb ist das Fest zwar „auf Mittelalter getrimmt“, jedoch
keineswegs auf das entsprechende Publikum beschränkt. Dafür sorgen die
sehr speziellen Angebote für quasi jede Altersgruppe. Kutschfahrten,
eine „Ritter-Kindertafel“ sind zum Beispiel für die eher Kleinen im
Angebot. Die Folterstrecke – unter anderem mit den gerade neu
erworbenen Daumenschrauben – „droht“ dagegen den Größeren. Für die
ganze Familie eignet sich zur Unterhaltung bestens das musikalische
Programm, dem die Gruppe „Pampatut“ – das Urgestein der
Mittelalterszene – die absolute Krone aufsetzen wird.
Und allein die Aufzählung Volkmar Börners zu den kulinarischen
Spezialitäten des Tages lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. „Die
Mittelalterküche war sehr rustikal – so wie bei uns“, sagt er. So wird
es „echte“ Bratwürste geben, hergestellt von Fleischer Frank Naumann.
Der verrät natürlich das Rezept nicht – nur soviel: wenig Salz, kein
Kümmel. Fladenbrot, Zwiebelkuchen – auch für Vegetarier! – sowie die
unterschiedlichsten Kaffeespezialitäten seien außerdem genannt.
Letztere haben auch mal einen sehr exotischen Namen. „Gottes Zorn“ zum
Beispiel besteht aus Rotwein, Wodka und Kaffee. Ausgeschenkt wird er
übrigens von „Bruder Spiritus“ aus Halle – bei Bedarf auch in der
Mittelalter-Relax-Ecke. Welch schöne Wort-Kreation!
Drei Festzelte wollen die Zottewitzer auf dem Schreiberhof aufstellen.
Und auch sonst jede Möglichkeit nutzen, das begrenzte Platzangebot
auszuschöpfen. Denn sie dürfen mit noch mehr Besuchern als in der
Vergangenheit rechnen, weil die Herrentagsvariante in Seußlitz
bekanntlich in diesem Jahr sparsam ausfallen wird. Auch deshalb steht
das „Standesamt für einen Tag“ diesmal auf dem Schreiberhof. „Bruder
Ignazius“ wird Heiratswillige trauen und auch Ablassbriefe vergeben.
 
(Sächsische Zeitung Großenhain, 12. Mai 2012)

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