Der Pfarrer geht

Thomas Piesker hat sich am Sonntag von seiner Martsinskirchgemeinde verabschiedet. Ohne Wehmut, aber mit viel Rührung, wie er sagt.

Von Thomas Riemer

Thomas Piesker ist weg. Die Ära des beliebten bisherigen Pfarrers der Martinskirchgemeinde Hirschstein ist Geschichte. Am Sonntag hielt der 51-Jährige seinen letzten Gottesdienst in der Prausitzer Kirche und verabschiedete sich von seinen Gemeindemitgliedern. Gestern erfolgte die "offizielle" Pfarramtsübergabe an Volkmar Becher. Der Strehlaer Pfarrer wird bis zu einer endgültigen Nachfolgeregelung die Kirchengeschicke in der Martinskirchgemeinde mit leiten.

"Ich glaube, es war ein sehr schöner Gottesdienst", beschreibt Thomas seinen (wahrscheinlich) letzten Auftritt als Pfarrer in Sachsen. Sechseinhalb Jahre wirkte er in Hirschstein und Umgebung als Gemeindepfarrer, prägte vorher einige Jahre das Leben als Seelsorger in der JVA Zeithain entscheidend mit. "Ich scheide nicht mit Wehmut", blickt Thomas Piesker zurück.

Für seinen letzten Gottesdienst suchte der engagierte Kirchenmann unter anderem ein Thema heraus, das wohl immer nachhaltig an sein Wirken erinnern wird. Es war der 10. September 2005, als er sich gemeinsam mit Hirschsteins Bürgermeisterin Christine Gallschütz und vielen anderen mutigen Menschen gegen ein gleichzeitig in Mehltheuer veranstaltetes NPD-Fest stemmte. Piesker erinnerte in der gut gefüllten Kirche am Sonntag daran und sprach vor allem dem Gemeinderat von Hirschstein seine Anerkennung aus, dass er seinerzeit das Vorkaufsrecht für die "Neue Schänke" in Mehltheuer in Anspruch nahm und damit den Rechtsextremisten keine Chance zur Ansiedlung im Dorf gelassen wurde. "Das bedeutet sehr viel, und der Schritt hat sich danach ausgezahlt", so Piesker.

Ja, er sei bei seinem Abschied beeindruckt gewesen, gibt er zu. Denn die Wehmut, die Piesker nicht empfand, brachte Bürgermeisterin Christine Gallschütz zum Tragen. Und zwar sehr nachhaltig. "Das hat mich sehr berührt", gesteht Thomas Piesker. Ebenso der Auftritt der vier aktuellen Konfirmanden der Kirchgemeinde, die unter anderem an eine Reise auf den Spuren Oskar Schindlers nach Krakau im Herbst 2010 erinnerten. "Ich habe hier sehr gern mit den jungen Leuten zusammengearbeitet", sagt der Pfarrer dazu kurz und knapp - und wohl auch ein wenig zu bescheiden. In seiner letzten Predigt in Sachsen warb Thomas Piesker dann für das Bekenntnis zu Jesu Christi, das zum Wohle aller Menschen angewendet werden müsse - "in der Kirche wie auch im Gemeinwesen".

Am 1. März wird Piesker offiziell seine neue Stelle als Pfarrer in Bockhorn nahe Bremen antreten. Den Termin haben inzwischen auch die beiden beteiligten Landeskirchen sanktioniert und bestätigt. Bis dahin wird der Pfarrer seinen Umzug ins Norddeutsche vorbereiten, sich wohl auch von Freunden und Bekannten verabschieden. Ob er irgendwann ein zweites Mal als Pfarrer in Sachsen arbeitet? "Ich glaube nicht", sagt Thomas Piesker. Und muss dabei lachen.

(Sächsische Zeitung Riesa, 15. Februar 2012)

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