Holperweg zum schönsten Dorf

Holpriger Weg zum schönsten Dorf 

Lorenzkirch: Der Ort bewirbt sich seit zwei Jahren in der IG „Sachsens Schönste Dörfer“. Doch im Wettbewerb ist offenbar wenig Bewegung. 

 
 

  
 

Interessengemeinschaft „Sachsens Schönste Dörfer“ ist der wohlklingende Titel eines Zusammenschlusses von zwölf sächsischen Dörfern mit besonders wertvoller Bausubstanz und Siedlungsstruktur. Mittendrin, auch geografisch gesehen, gehört der kleine Ortsteil Lorenzkirch dazu. Aber: Kaum jemand im Ort weiß davon. „Viele Leute verstehen bislang nicht, welche Chancen sich durch diesen Wettbewerb bieten“, sagt Marlis Weidner. Gemeinsam mit ihrem Mann Conrad gehört sie zu den Schrittmachern der Lorenzkircher Bewerbung um das „schönste Dorf“. Die wurde 2010 mit relativ großem Aufwand betrieben. Das Zeithainer Rathaus und die ehemalige Pfarrerin Renate Henke gehörten zu den Wegbereitern. Doch vor allem mit dem Weggang der Pfarrerin habe es einen gewissen Bruch gegeben, beklagt Marlis Weidner.
Während andere Teilnehmerdörfer wie Höfgen, Hinterhermsdorf oder Obercunnersdorf „klotzen statt kleckern“ und sich teilweise mit großem Aufwand den Anforderungen der Qualitäts-Charta stellen, ruhen in Lorenzkirch die Aktivitäten. Fast jedenfalls. Denn gemeinsam mit Vertretern anderer deutscher Bewerberorte war Marlis Weidner Anfang September beim sechsten Festival der schönsten Dörfer Europas in Italien zu Gast. Dort erlebte sie, wie anderswo zum Beispiel historische Baukultur, aber auch Neues touristisch vermarktet wird, um die Regionen im Gespräch zu halten. Zumindest historisch habe doch auch Lorenzkirch einiges zu bieten, sagt Marlis Weidner. Und nennt unter anderem den denkmalgeschützten Klosterhof sowie das Pfarrhaus. Doch bislang sei es nicht gelungen, im Rahmen der Interessengemeinschaft Lorenzkirch über die eigenen Ortsgrenzen hinaus bekannt zu machen. Dabei ist es ausgemachtes Ziel aller Teilnehmer, „ein Netzwerk zwischen Dörfern zu schaffen, um die Entwicklung von touristischen Angeboten und deren Vermarktung anzukurbeln“.

Erschwerend hinzu kommt, dass der Wettbewerb letztlich sehr langfristig angelegt ist und damit - zumindest bislang - keinerlei Förder- oder andere Gelder fließen.
Weidners wollen trotzdem die Flinte nichts ins Korn werfen, auch wenn der Wettbewerb für die Lorenzkircher zurzeit „nur auf dem Papier steht“, so Marlis Weidner. Vor allem personell müssen nach ihrer Auffassung zwei wichtige Weichen neu gestellt werden: in der Neubesetzung der Pfarrerstelle sowie des künftigen Bürgermeisters. Der Nachfolger von Amtsinhaber Hannes Berger wird im kommenden Jahr gewählt. (Th. Riemer)

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 15. Oktober 2011)

 

 

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