Der Lorenzmarkt ist eröffnet

Bis Dienstag herrscht Oktoberfeststimmung im August auf den Lorenzkircher Elbwiesen. Jahrmarkt, Konzerte, Disko, kirchliche Veranstaltungen – für jede Altersgruppe ist etwas dabei.

Von Thomas Riemer

Es ist angezapft! Das klingt auf den ersten Blick zwar wie zur Eröffnung des Münchner Oktoberfestes. Tatsächlich aber gilt dies für den Startschuss des Lorenzmarktes am Freitag. Wobei: Für die nächsten vier Tage bis zum Dienstag ist das Geschehen auf den Elbwiesen in Lorenzkirch durchaus als Oktoberfest im August zu betiteln. Denn was sich auf der Händlermeile entlang des Flusses abspielt, erinnert tatsächlich ein wenig an den großen Jahrmarkttrubel in der bayerischen Landeshauptstadt. Nur ist der Rummel etwas kleiner, gibt es weniger Bierzelte – und natürlich auch weniger Bier, vom Maßkrug mal ganz abgesehen.
Trotzdem: Das traditionelle Fest in Lorenzkirch hat sich allen Unkenrufen zum Trotze auch in diesem Jahr wieder durchgesetzt. Gemeinde, Ortschaftsrat, Schaustellerverband und Wiesenpächter haben letztlich an einem Strang gezogen, teilweise zähe Verhandlungen über Konzept, Nutzungsrechte und Programm geführt. Unterm Strich steht jetzt die Fortsetzung eines der ältesten Volksfeste in der Region – und darüber freuen sich nicht nur die Einheimischen.
Die nämlich mussten lange um das 2011er Fest bangen. Noch im April war unklar, ob der Wiesenpächter Hermann Moddemann und der Schaustellerverband Dresden unter einen Hut kommen würden. Grund waren offenbar Querelen nach dem Markt im vergangenen Jahr, der zum großen Teil im strömenden Regen stattfand und tiefe Spuren auf den Elbwiesen hinterlassen hatte, so seinerzeit die Vermutung der Lorenzkircher Ortschaftsrätin Uta Pradella. Was sich dann hinter den Kulissen an Gesprächen und Verhandlungen zutrug, blieb fern der Öffentlichkeit. Die bekam dann aber zum Glück Anfang Juli die gute Nachricht. Zeithains Hauptamtsleiter Horst Kühne verkündete, dass alle Verträge unter Dach und Fach seien, „der Lorenzmarkt wie gehabt an gleicher Stelle stattfinden“ wird.
Das Pochen auf die Tradition hat durchaus seine Berechtigung. Denn bis auf wenige Ausnahmen fand das bunte Treiben an der Elbe schon seit sehr langer Zeit stets im August statt. Wie lange genau – das ist nicht komplett überliefert. In den einschlägigen Chroniken ist zu finden, dass der Lorenzmarkt schon seit „undenklichen Zeiten“ existiert. In einer Urkunde aus dem Jahr 1002 wird das Marktrecht von Strehla, zu dem Lorenzkirch einst gehörte, erstmals erwähnt. Lorenzkirch selbst taucht als urkundliche Erwähnung zwar erst 1274 auf, ist aber mit Markt und Kirche wahrscheinlich sehr viel älter. In jedem Fall dürfte für das dortige Marktwesen die Lage Strehlas an der Via Regia eine große Rolle gespielt haben.
Als sicher gilt zudem, dass der Lorenzmarkt bis zur Reformation unter kirchlicher Regie stand. Danach wurde er in weltliche Herrschaft überführt. Vom reinen Handels- zum Jahrmarkt wandelte er sich allerdings erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, als die ersten Karussells das Geschehen auflockerten. Zwischen 1941 und 1945 fiel der Markt komplett aus, ehe es einen Neuanfang gab und Lorenzkirch das Marktrecht erhielt. 1994 wechselte es dann mit der Gemeindegebietsreform nach Zeithain. Die Gemeindeverwaltung wiederum übertrug die Organisation im Wesentlichen dem Schaustellerverband Dresden – daran hat sich bis heute nichts geändert.
Und so gehören auch in diesem Jahr die Händler- und die Schaustellermeile zu den täglichen angeboten des Lorenzmarktes. Und natürlich viel Musik und Unterhaltung bei einem guten Pils – eben ganz wie beim Münchner Oktoberfest, nur eine große Nummer kleiner.
Programmauszug:
- Die Händlermeile öffnet täglich um 9 Uhr, das Festzelt um 10 Uhr, die Schaustellermeile um 11 Uhr
- Sonnabend, 20. August: 14.30 Uhr Heimatchor Jacobsthal, ab 13 Uhr Kaffee- und Kuchenzeit im Pfarrgarten, ab 13 Uhr Trödelmarkt im Pfarrhof, 20 Uhr musikalische Unterhaltung mit DJ im Festzelt
- Sonntag, 21. August: ab 13 Uhr Kaffee- und Kuchenzeit im Pfarrgarten, ab 13 Uhr Trödelmarkt im Pfarrhof, 20 Uhr musikalische Unterhaltung mit DJ im Festzelt
- Montag, 22. August: ab 11 Uhr Kaffee- und Kuchenzeit im Pfarrgarten, 11 Uhr Trödelmarkt im Pfarrhof, 19 Uhr musikalische Unterhaltung mit DJ im Festzelt
- Dienstag, 23. August: ab 9 Uhr Kaffee- und Kuchenzeit im Pfarrgarten mit Resteverkauf, 9 Uhr Trödelmarkt im Pfarrhof mit Resteverkauf.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 20. August 2011)

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