Modellbahn-Freak macht kleinen Loks Dampf

Im Saal des alten Gasthofes in Röderau entsteht eine Anlage, auf der die Verbindung von Röderau nach Hamburg zum Kinderspiel wird.

 

Von Thomas Riemer

 

Die Strecke zwischen dem Bahnbetriebswerk in Hamburg-Altona und dem früheren Bahnhof in Röderau wird irgendwann in weniger als fünf Minuten absolviert. Wer‘s nicht glaubt, kann sich im kommenden Jahr im alten Saal des Gasthofes „Zum Admiral“ in Bobersen überzeugen. Denn dort werkeln enthusiastische Modelleisenbahn-Freaks seit mehr als einem Jahr an einer in dieser Größenordnung wohl einzigartigen Anlage.

Maßstabsgerechter Nachbau

„Bis jetzt haben wir ungefähr 400 Meter Gleise verbaut“, sagt Stefan Reitz. Er ist sozusagen der „Kopf“ des derzeit fünfköpfigen Grüppchens. Der 36-Jährige gelernte Kfz-Elektriker kümmert sich dabei vor allem ums Technische, zwei weitere Männer sind für Gleisbau und Gebäude zuständig. Und Ehefrau Elke sowie Sohn Malte sind die Landschaftsbauer.
„Es soll ein Hobby bleiben“, sagt Stefan Reitz. Doch was auf den einzelnen Modulen entstanden ist oder derzeit entsteht, spricht eine andere Sprache. Oftmals detailgetreu und mit sehr viel Liebe und Professionalität gestaltet, reihen sich Bahnhöfe und Landschaften aneinander. Das Betriebswerk Hamburg-Altona haben die Liebhaber buchstäblich aus dem Staub herausgeputzt. Neue Herausforderungen kommen hinzu. Aktuelles Kernstück: Die Modellbauer wollen den alten Bahnhof von Röderau im Maßstab 1:87 originalgetreu nachbauen. Grundlage dafür sind Luftaufnahmen sowie Originalzeichnungen der Deutschen Bahn. Während die Luftbilder dank eines befreundeten Piloten relativ einfach zu haben waren, dauerte es bei der Bahn immerhin drei Jahre, ehe sie die Karten herausgab. Doch jetzt, da alles da ist, soll es schnell vorangehen.
Bis zur eigenen Ausstellung am 14. und 15. Januar allerdings wird der Nachbau nicht fertig. „Das schaffen wir nicht mehr“, sagt Stefan Reitz. Trotzdem werden er und seine Mitstreiter eine anspruchsvolle Anlage in die große Halle des Autohauses Widmann in Zeithain schaffen. „30 bis 40 Meter gehen zur Ausstellung“, so Reitz. Abbau in Bobersen und Aufbau in Zeithain „sind kein Akt“. Denn dank des Modulsystems sind quasi sämtliche Einzelanlagen untereinander austauschbar. Und auch von der technischen Seite sieht der Experte keine Probleme. „Die Anlage fährt komplett rechnergestützt“, so Reitz. Trotzdem könne jeder einzelne Zug auch per Handsteuerung durch die Landschaften geleitet werden. Die längsten sind übrigens 4,50 Meter lang und entsprechen maßstabsgerecht einer Originallänge von 750 Metern. Die entsprechend nötigen Utensilien der Spur H0 stammen überwiegend aus eigenen Beständen. Rund 34 Ganzzüge und 200 Loks gehören zum „Fuhrpark“ in Bobersen.

Gebaut wird beinahe täglich

Neben der eigenen Anlage werden im Januar weitere Ausstellungsstücke zu sehen sein. Angesagt haben sich Modellbahnbauer aus Oschatz, Mügeln, Schwarzenberg, Suhl und Chemnitz. Angesichts dieser „Konkurrenz“ wollen die Bobersener dann freilich ordentlich abschneiden. „Wir machen uns selbst den Druck, um bei der Ausstellung ein ordentliches Bild abzugeben“, sagt Stefan Reitz. Und deshalb vergeht kaum ein Nachmittag, an dem nicht wenigstens einer der Enthusiasten im alten Saal werkelt.

 

(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 21. Dezember 2011)

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