Spansberger Haltestelle verwaist

Die Gemeinde hat vor zwei Jahren ein neues Wartehäuschen gebaut, ohne dass der Bus-Stopp überhaupt gebraucht wurde. Die Verkehrsgesellschaft Meißen spricht von einem Schildbürgerstreich.

Von Thomas Riemer

Im September 2009 war’s, als die Gemeinde Nauwalde in ihrem Ortsteil Spansberg ein altes Buswartehäuschen mit Wellblechdach großzügig umbaute und durch ein neues Häuschen ersetzte. Rund 8000 Euro ließ sich die Gemeinde das Ganze kosten – wie sich jetzt herausstellt, war dies mehr oder weniger herausgeworfenes Geld. 

Denn: „Diese Haltestelle wird ab Dienstag, dem 2. August 2011, 7 Uhr, bis auf Weiteres ersatzweise bedient“, heißt es dort seit wenigen Tagen in einer Mitteilung als Anhang zum Fahrplan. Und „bis auf Weiteres“ bedeutet in diesem Falle: für immer. „Als die Gemeinde 2009 die neue Haltestelle errichtete, hat sie die damalige Kreisverkehrsgesellschaft Riesa-Großenhain (KVRG) nicht ausreichend konsultiert“, so Rolf Baum, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM), die als Rechtsnachfolger der KVRG fungiert und folglich deren Strecken übernommen hat. Schon damals sei darauf hingewiesen worden, dass für Spansberg als einziger Bedarf die Haltestelle Am Anger für Schulbusse besteht. Die wenigen Busse, die die VGM auf der Linie 439 zwischen Riesa und Schweinfurth sowie die Verkehrsgesellschaft des Elbe-Elster-Kreises dort fahren lässt, würden ebenfalls am Stopp hinter der Kirche halten – wenn denn überhaupt jemand aus- oder zusteigen möchte. Doch das ist offenbar die absolute Ausnahme, wie die Fahrgastzahlen belegen. Deshalb wird die VGM künftig das neue Wartehaus in Spansberg nicht mehr anfahren – auch, weil die Lage der Haltestelle „eigentlich recht ungünstig ist“, so VGM-Chef Rolf Baum. Sollte die Gemeinde freilich auf die VGM zukommen, um nach einer Variante zu suchen, werde die Gesellschaft sich natürlich nicht generell sperren und bei der suche nach einer einvernehmlichen Lösung helfen.

Trotzdem bleibt ein Geschmäckle. Denn schon als das neue Häuschen gebaut wurde, regte sich in Spansberg der Unmut, gab es Hinweise, dass die Haltestelle überhaupt nicht gebraucht werde. Die Gemeinde ignorierte dies seinerzeit, unter anderem weil wegen der Baumaßnahmen auf der B 169 in Tiefenau die Busfahrer vorübergehend tatsächlich den Standort als Ausweich-Stopp anfuhren. Doch das ist längst Geschichte. Rolf Baum kommentiert das Ganze eher mit Humor. „Ich denke mal, das war ein richtiger Schildbürgerstreich der Gemeinde“, sagt er.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 11. August 2011)

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