Paket nach Wroclaw

Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag
Ein kleiner Fußballer aus Polen knackte beim Hallenkick in Priestewitz den Jackpot am Glücksrad. Jetzt erhielt er ein Paket aus Sachsen.
 
Von Thomas Riemer
 
Ein kleiner polnischer Junge hat wenige Tage nach den Internationalen Hallenkick für D-Jugend-Fußballer in Priestewitz den Turniersiegern aus Hannover ein wenig die Schau gestohlen. Es ist eine jener Geschichten, die solch ein Event am Rande schreibt. Und zwar eine sehr rührende. Denn der zehnjährige Michal Nowak vom polnischen Vertreter Slask Wroclaw ist dank einer spontanen Aktion der Gastgeber vom SV Traktor Priestewitz zum Star geworden. „Wahrscheinlich erlebt er jetzt das Gefühl, dass Weihnachten, Ostern und wohl auch der Geburtstag auf einen Tag gefallen sind“, so Michael Zech, Priestewitzer D-Jugend-Trainer und Turnierorganisator. Dabei hatte der kleine Pole zwar ein Törchen erzielt. Seine Mannschaft aber fand sich auf den hinteren Plätzen wieder.
 
Es geschah am 26. Februar, dem Abschlusstag des Hallenturniers mit 14 Mannschaften aus vier Ländern. Als Michael Zech am späten Abend seine Post im Computer checkte, fand er eine Nachricht aus dem polnischen Wroclaw. Die kleinen Kicker aus Wroclaw, die die Finalrunde und damit auch die Siegerehrung verpassten, bedankten sich darin für die perfekte Organisation und die Gastfreundschaft am Ende folgte eine Frage: „Was hat Michal eigentlich gewonnen?“
 
Michal Nowak ist ein zehnjähriger hoffnungsvoller Fußballer. In  Priestewitz hatten sich die Slask-Kicker schnell die Sympathien der anderen Teilnehmer und der Fans ergattert. Und wie seine Mitspieler versuchte sich Michal in einer Spielpause am Glücksrad. „Das war so ein richtiger kleiner Niedlicher, und er hat sich gefreut wie ein Schneekönig“, erinnert sich Vivian Riemer (14) vom Priestewitzer Hallenkick-Team. Denn: Michal knackte den Jackpot. Die großen leuchtenden Augen, als er den Zettel mit dem „großen Los“ in der Luft schwenkte, sind Vivian in Erinnerung geblieben. „Der war so richtig glücklich“, beschreibt sie. Der Haken: Als der Jackpot dann „gelüftet“ wurde, war Michal mit seinem Team nicht mehr da, sondern schon auf dem Nachhauseweg.
 
Tags darauf ging alles sehr schnell. Michals Trainer hatte per E-Mail an die Priestewitzer vom Schicksal des Zehnjährigen berichtet. „Er kommt aus einer sehr, sehr armen Familie. Und im vergangenen Jahr ist sein Vater verstorben“, hieß es darin. Keine zehn Minuten später hatten Michael Zech und Teammanager Andreas Suche von der D-Jugend des SV Traktor den Entschluss gefasst: Von Priestewitz wird sich ein Paket auf den Weg nach Wroclaw machen. Aus dem  Glücksrad-Fundus waren noch zahlreiche Preise, gestiftet von unzähligen Sponsoren, übrig geblieben. Michael Zech machte sich ans Packen: T-Shirts, Dartscheibe, Kleinspielzeug, ein Zelt, Boomerang, natürlich ein hochwertiger Fußball und vieles mehr wanderten in den großen Karton. Dann fand sich ein nächster Gönner. Der Paketdienst DPD sponserte das Porto – immerhin wegen der Größe und des Gewichts des Päckchens mehr als 23 Euro.
 
Die Reaktion in Wroclaw ist überschwänglich. Im Beisein aller Mitspieler öffnete Michal mit seinem Trainer am vergangenen Mittwoch das Paket – und kommt seitdem aus dem Staunen nicht mehr heraus. Trainer Maciek hatte den Termin bewusst auf den Nachmittag nach der Schule gelegt, „denn sonst wäre der Kleine gar nicht mehr im Stande gewesen, weiterhin fleißig zu lernen“, wird die Situation beschrieben. Seine Freunde hätten sich ehrlich mit ihrer Nummer 8 über die Supergeschenke gefreut. Und da das Gesamtgewicht des Paketinhalts über neun Kilogramm betrug, nimmt Michal nun jeden Tag – sozusagen häppchenweise – die Geschenke mit nach Hause. „So dauert die Freude noch länger“, heißt es in einer E-Mail an den Priestewitzer Trainer Michael Zech. Darin schreibt der Vater eines Mitspielers auch, dass die Jungs in Wroclaw sehr beeindruckt waren: „Eine fantastische Geste von Ihnen.“ Inzwischen gibt es schon eine Einladung für die Priestewitzer Kicker, irgendwann an einem Turnier in Wroclaw teilzunehmen. Gut möglich, dass dies der Beginn einer aufrichtigen Partnerschaft wird. Der „glücklichen Hand“ des kleinen Michal sei Dank.
 
Nicht zum ersten – und wohl auch nicht letzten – Mal haben die Priestewitzer ihr Herz für Kinder bewiesen. Als sie im vergangenen Jahr von der schweren Krankheit der kleinen Victoria hörten, wurde spontan ein Teil des Erlöses aus einem Turnier in Höhe von 656 Euro gespendet, um der Achtjährigen eine Delfin-Therapie zu ermöglichen. Insgesamt kamen bei der seinerzeit von der SZ mitorganisierten Aktion zusammen. Der Erfolg war frappierend: Victoria lernte, sich trotz ihrer Krankheit auf eigenen Füßen zu bewegen.
 
Und noch ein Beispiel: Vor zwei Jahren spendeten die Priestewitzer aus ihrem Erlös des Hallenpokals 2010 sagenhafte 807 Euro für den Verein für Kinderkrebshilfe sowie weitere 250 Euro für das Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig.

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