Schlag für Schlag zum Golfplatz

Schlag für Schlag zum neuen Golfplatz
Tiefenau: Ein Investor aus Holland hat seine Pläne um eine Spiele-Welt erweitert. Problematsich bleibt der Bau von 350 Ferienhäusern.

Von Thomas Riemer

Die Freizeitanlage mit Golfplatz, Hotel, Ferienhäusern sowie einer Spiele-Welt rund um Tiefenau ist wieder ein Stück greifbarer geworden. Dank des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge, das jetzt seine Stellungnahme bei der Landesdirektion Dresden eingereicht hat. „Das touristische Vorhaben ,Ressort Rittergut Tiefenau‘ ist mit den geplanten touristischen Angeboten geeignet, einen Beitrag zur Entwicklung des Tourismus als ergänzenden Wirtschaftsfaktor im Vorhabensgebiet und seinem Umland zu bringen“, heißt es dort in bestem Amtsdeutsch.
 
Wülknitz‘ Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) ist über den positiven Bescheid nicht überrascht – warnt jedoch auch davor, ihn überzubewerten. „Der Planungsverband ist einer von 35 oder 40 Trägern öffentlicher Belange, die sich bei der Landesdirektion zu den Plänen äußern“, sagt er. Allerdings räumt er natürlich ein, dass der Verband einer der wichtigsten davon ist.
Seit einigen Jahren schon liegen die Pläne und Ideen auf dem Tisch. Sie stammen insbesondere von der holländischen Firma DeJong Export Marrum B.V. De Jong will am alten Rittergut in Tiefenau einen Hotelkomplex mit 75 Ferienwohnungen sowie einen 18-Loch-Golfplatz bauen. Bereits 2008 gab es dafür von unterschiedlichen Instanzen, darunter auch dem Regionalverband, grundsätzliche Zustimmung. Doch die Holländer stellten danach fest, dass „die Refinanzierbarkeit des Projektes nur bedingt geeignet ist, weitere Investoren für die Umsetzung zu gewinnen“. Deshalb habe er sich entschieden, den Bau von 400 Ferienhäusern und die Einbindung einer Indoor-Spielewelt, ergänzt durch Outdoor-Angebote, einzubinden, heißt es bei de Jong.
 
Doch bei der Anzahl der Ferienhäuser gibt es seitens des Regionalverbandes denn doch einige Vorbehalte. Denn das Gros davon, etwa 350, plant der Investor auf einer rund 30 Hektar großen Fläche, die dem Vernehmen nach Teil eines „großflächig unterschnittenen störungsarmen Raumes“ ist. Das stehe im Widerspruch zum so genannten Landesentwicklungsplan.
 
Hannes Clauß sieht das Geschehen sachlich-nüchtern abwägend. Wülknitz verfolge seit langem das hehre Ziel, das Rittergut zu revitalisieren. Dabei sei klar gewesen, dass dies nicht ohne zusätzliche „angedockte“ Elemente, wie zum Beispiel einen Golfplatz geht. Die holländischen Investoren lieferten dann die ersten Vorschläge und fanden Gehör. Dass sich Pläne oder auch beteiligte Investoren im Laufe der Zeit – zum Beispiel durch die Auswirkungen der Finanzkrise – ändern, ist dabei durchaus nachvollziehbar. Wülknitz sei darüber bestens informiert, so Hannes Clauß. Mindestens einmal monatlich gebe es telefonischen oder auch persönlichen Kontakt zu den Holländern. Die Bemühungen seien „ernsthaft und von Vertrauen geprägt“. Bis zum ersten Spatenstich scheint es trotzdem noch ein recht weiter Weg zu sein. Experten vermuten, dass diesbezüglich noch mindestens zwei Jahre ins Land gehen.
 
Aus Wülknitzer Sicht ist der „Fahrplan“ dagegen völlig klar – zumindest auf kurze Sicht. Am Montag soll sich der Gemeinderat in seiner Sitzung auf eine Stellungnahme zum Gesamtprojekt einigen, so Hannes Clauß. Dieser Entscheidung könne er nicht vorgreifen.

Den jetzigen Abschnitt bezeichnet der Bürgermeister als eine „Phase sehr im Ungefähren“. Es gebe natürlich Risiken, die in Betracht gezogen werden müssen. Hinzu kommen Fragen der Einbeziehung der Landwirtschaft sowie Belange von Grundstückseigentümern.

Trotzdem ist Hannes Clauß „relativ optimistisch“. Denn für Wülknitz wäre eine 30-Millionen-Euro-Investition ins Areal rund um das Tiefenauer Rittergut ein Segen. Oder wie es beim Golf heißt: Ein guter Abschlag.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 7. Dezember 2011)

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