Knapp 500 Euro Schulden pro Einwohner

Nünchritz. Der Landrat bestätigt den Gemeindehaushalt für 2012. Für den Bürgermeister ist es ein Arbeitsnachweis der Verwaltung – mehr nicht.

 

Von Thomas Riemer

 

Der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) wusste am Freitag noch gar nichts von seinem Glück. Bereits tags zuvor hatte die Pressestelle des Landratsamtes Meißen die Meldung unter der kurzen und knappen Überschrift „Haushalt genehmigt“ für die Öffentlichkeit freigegeben. Gerd Barthold erfuhr durch Zufall aufgrund einer SZ-Anfrage davon zwischen zwei Terminen, nahm es zur Kenntnis und will kommende Woche das Zahlenwerk erläutern. „So ein Haushalt beschäftigt uns doch das ganze Jahr über“, sagt er, und es klingt fast wie eine Entschuldigung.

 

Dass Nünchritz eine der ersten Kommunen im Landkreis mit einem genehmigten Haushalt für 2012 ist, hat indes wenig mit Zufall zu tun. Die Gemeinde gehört mit dem Wacker-Chemiewerk, seinen mittelständischen Unternehmen sowie den zahlreichen Dienstleistungsfirmen zu den wirtschaftlich stärksten Kommunen im Landkreis. „Das Weindorf Diesbar-Seußlitz ist als Tourismusmittelpunkt in der Region sozusagen das i-Tüpfelchen auf eine leistungsorientierte Gesellschaft“, stellt Kerstin Thöns von der Pressestelle des Landratsamtes ergänzend fest.

 

Logische Folge sei der Gemeindehaushalt 2012. Er hat einen Umfang von rund 18 Millionen Euro. Den Löwenanteil stelle dabei der Verwaltungshaushalt mit einem Umfang von etwa 13,8 Millionen Euro dar. Der Vermögensetat mache rund 4,2 Millionen Euro aus. Was noch weit schwerer wiegt, ist die Feststellung des Landratsamtes, dass die Haushalt- und Finanzplanung in Nünchritz für die Jahre 2012 bis 2015 ausgeglichen ist.

 

Dass sich die Gemeinde auf eine starke Wirtschaft stützen kann, hat sie in ihrem Vorbericht zum Haushalt klargemacht. So konnten allein bei der Gewerbesteuer im vergangenen Jahr über sieben Millionen Euro an ehreinnahmen verbucht werden, heißt es aus dem Landratsamt. Deshalb sei ein Haushaltausgleich über Rücklagen, auf den sich andere Kommunen in der Regel stützen müssen, in Nünchritz nicht notwendig gewesen. „Das ist ein sehr ordentliches Ergebnis“, kommentiert Landrat Arndt Steinbach dieses nicht unwichtige Detail. Natürlich habe nicht jede Kommune so günstige Voraussetzungen wie Nünchritz. Doch gerade bei gut gefüllten Kassen „oder gerade dann braucht es eine bodenständige und den Menschen dienende Haushaltführung“, so Steinbach an die Adresse von Verwaltung und Gemeinderat. In das Lob bezieht er ausdrücklich ein, dass auch die Pro-Kopf-Verschuldung in Nünchritz unter dem Richtwert des Freistaates liegt – und zwar derzeit bei 491 Euro je Einwohner. Zum Vergleich: Noch 2009 lag dieser Wert bei 677 Euro.

 

Ob und in welcher Größenordnung in diesem Jahr Investitionen in der Großgemeinde getätigt werden, darüber will Gerd Barthold in den nächsten Tagen informieren. In den letzten Jahren floss das Gros des dafür stehenden Geldes in den Straßen- und Wegebau, in Kindereinrichtungen sowie in das gesamte Paket der Schulumgestaltung in Nünchritz. Bis auf Letzteres wird es wohl auch 2012 bei diesen wesentlichen Themen bleiben – und mit dem genehmigten Haushalt kann es nun auch losgehen.

 

(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 7. Januar 2012)

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