Stema-Hänger rollen gen Westen
Der Trailer-Direct-Standort in Großraschütz präsentierte sein Angebot am Sonnabend beim Frühlingsfest. Demnächst folgen zwei weitere Eröffnungen in Uelzen und Nürnberg. Werden die Hänger künftig auch dort hergestellt?
 
Von Thomas Riemer
 
Immer wieder muss Katrin Reimann ihren „Leitstand“ verlassen. Hier fragen Kunden nach dem Preis für einen „einfachen“ Hänger, am anderen Ende der Freifläche werden Informationen zum Kipp-Anhänger der Stema Großenhain gewünscht. Katrin Reimann und ihre Kollegin Sindy Persegla sind die gefragten Frauen an diesem Sonnabend in der Filiale von „Trailer-Direct“ in Großraschütz. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, werden die inzwischen mindestens europaweit bekannten Anhänger verschiedenster Coleur produziert.
 
Schon im Dezember des vergangenen Jahres hat das renommierte Großenhainer Unternehmen seine hundertprozentige Tochter bei einem Händlertag präsentiert. Am Sonnabend zum Frühlingsfest waren vor allem die Großenhainer sowie Interessenten aus der näheren Umgebung eingeladen. Und die kamen auch in die rund 500 Quadratmeter große Ausstellungshalle sowie auf die mehr als doppelt so große Freifläche. „Ohne Hänger geht gar nichts“, beschreibt Rene Alsterberg aus Lauchhammer den Grund seiner Visite. Er ist Mitte Dreißig – und gehört damit beim Kundenkreis schon eher zu den Youngstern. Denn die Stema hat festgestellt, dass vor allem Leute jenseits der 50 zum Kauf von Autoanhängern gehören. Kunden unter 30 Jahre seien eher die Ausnahme, sagt Geschäftsführer Michael Jursch. Das habe eine Umfrage ergeben, bei der 1700 potenzielle Kunden angeschrieben wurden. Aus Grund dieser Konstellation wolle die Stema mit ihren „Trailer-Direct“-Zentren und im Vertrieb vor Ort im übrigen auch künftig die „Papier-Variante“ bei der Bestellung anbieten. Denn ältere Leute haben es mit dem Internet nicht so…
 
Breit ist die Palette der Stema-Anhänger. Neben den herkömmlichen Gefährten sind seit diesem Jahr zwei neue Produkte auf dem Markt. Da wäre der Boots-Trailer für Segler und leichte Motorboote. Ebenfalls neu ist der zum Systema-Segment gehörende WOM (World of Motorbike) - eine absenkbare Anhängerplattform mit Radhalterwippen, die sich auch bequem mit Bordwänden oder Planen ergänzen lässt. Gedacht ist der WOM für schwere Motorräder, mit denen die Kunden direkt auf die Plattform hochfahren können. Gerade mit dem WOM sorgte die Stema bei Motorradmessen in Dortmund und München bereits für so manchen Aha-Effekt, sagt Michael Jursch.
 
Stema-Anhänger rollen mindestens deutschlandweit. Das Großenhainer Unternehmen gehört zu den Marktführern, in Ostdeutschland ist das unbestritten. „Wir beliefern große Baumärkte wie Praktiker, OBI, Toom, Bauhaus, Hagebau“, sagt Geschäftsführer Michael Jursch. Dank dieser Präsenz gehen Stema-Produkte auch ins Ausland – zum Beispiel Ungarn, Dänemark, die Schweiz. In Deutschland selbst gibt es trotzdem noch ein paar „weiße Flecken“. Die sollen Schritt für Schritt mit Standorten von „Trailer-Direct“ erschlossen werden. In Leipzig gibt es die Tochterfirma schon, nach Großenhain folgen Neueröffnungen am kommenden Sonnabend im niedersächsischen Uelzen, im April in Nürnberg.
 
Trotzdem will die Firma bodenständig bleiben. „Die Produktion wird definitiv in Großenhain bleiben“, tritt Michael Jursch anderslautenden und immer wieder mal aufkommenden Gerüchten entgegen. Ins Areal an der Riesaer Straße wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Die Mitarbeiterzahl hält sich konstant bei rund 150, 24 Auszubildende gehören im Moment dazu. „Die besten davon übernehmen wir“, sagt Michael Jursch. Das sei ein bisschen wie bei der Zusammensetzung einer Olympiamannschaft. Auch Katrin Reimann und Sindy Persegla gehörten seinerzeit dazu und haben sich mit viel Engagement in den Trailer-Direct-Job gestürzt – mit gutem unternehmerischem Erfolg, wie Michael Jursch nicht ohne Stolz vermerkt.
 
Rund 2000 Fachhandels-Anhänger aus der riesigen Palette hat die Stema vergangenes Jahr verkauft. Bis 2014 will Michael Jursch diese Zahl auf 6000 erhöhen. Der Hof des Betriebsgeländes ist prall mit den silberfarbenen Anhängern gefüllt. „Wenn Bestellungen aus den Baumärkten kommen, wollen die Kunden nicht länger als fünf Tage warten“, begründet dies der Chef. Dank der ausgeklügelten Systema-Baureihen könne man auch schnell auf ganz spezielle Kundenwünsche reagieren – Service halt. Fast alles, was die Anhänger-Branche wünscht, ist hier zu haben. Einzige Ausnahme sind Pferdetransporter. Aber auch hier wird an einer Lösung gearbeitet.
 
Ebenso an einem Problem, das die Großenhainer besonders beschäftigt. Die enge Zufahrt zum Betriebsgelände sorgt immer mal wieder für Staus auf der Riesaer Straße. „Da sind wir am Nachdenken, wie das zu lösen ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten“, deutet Michael Jursch an.
 
(SZ Riesa/Großenhain am 19. März 2012)

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