Strehla hat kein Standesamt mehr

Strehla hat kein Standesamt mehr
Standesamtlich gehört die Stadt jetzt zu Riesa. Nur noch dort können künftig Unterschriften geleistet werden. Mit einer Ausnahme.

Von Ines Witt-Klotz und Thomas Riemer



Der Weg in die Ehe beginnt mit der Anmeldung der Eheschließung beim Standesamt“, heißt es in diversen Ratgebern für Leute, die sich trauen wollen. Dieser Weg zum Standesamt ist zumindest für Strehlaer Heiratswillige seit 1. Januar ein paar Kilometer länger elbaufwärts geworden. Denn: Mit Jahresbeginn sind die Standesamtsbezirke Riesa und Strehla zusammengelegt worden. Grundlage ist natürlich ein sächsisches Gesetz – in diesem Fall das zur Ausführung des Personenstandsgesetzes. Es sieht vor, dass Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern mit benachbarten Gemeinden desselben Landkreises einen Standesamtsbezirk bilden sollen, so Martina Knichale, Hauptamtsleiterin im Strehlaer Rathaus. Zugestimmt hat der Stadtrat der Zweckvereinbarung bereits im Juli 2011.

Beamtin wechselt elbaufwärts

Rein praktisch bedeutet dies: Das Standesamt im kleinen Elbstädtchen ist zum 31. Dezember 2011 aufgelöst worden. Das beim „großen Nachbarn“ Riesa wird umgebildet und übernimmt fortan die wesentlichen Belange der Strehlaer mit. „Wir haben das Standesamt von Strehla übernommen, die Standesbeamtin ist jetzt Angestellte der Stadt Riesa“, bestätigt der dortige Rathaussprecher Uwe Päsler. Die entsprechenden Genehmigungen für den formellen Akt sind durch Landesdirektion und den Landkreis Meißen erteilt.
Die gute Nachricht für die Strehlaer: Auch künftig können sie auf Wunsch den Bund fürs Leben in ihrem Heimatstädtchen schließen. Dagegen „bestehen keine rechtlichen Bedenken“, so Martina Knichale.
Die betrübliche Nachricht: Sämtliche formelle Vorbereitungen für die Trauung müssen am künftigen Amtssitz des Standesamtes – also in Riesa – erfolgen. Nur in den dortigen Amtsstuben können fortan die nötigen Unterschriften geleistet werden. Und dazu müssen die Leute höchstpersönlich erscheinen.
Im Strehlaer Stadtrat sorgt dies nicht nur für Zustimmung. Denn: Man heiratet nicht nur, man wird auch geboren, man stirbt, so der Hinweis auf „eingebüßte Serviceleistungen“. Amtsleiterin Martina Knichale indes sieht das anders. „Die Urkundenbestellungen laufen bei uns oft über das Internet ein, dafür brauchen wir keine Standesbeamtin hinzusetzen“, sagt sie.
Trotzdem will die Stadt auch künftig helfend zur Seite stehen, wenn standesamtliche Fragen auftauchen. Beratungen zu allgemeinen Fragen sollen beantwortet werden. Auch Anträge und Briefe will man weiterhin entgegennehmen und dann zum Amtssitz nach Riesa weiterleiten. Wie das praktisch umgesetzt wird, muss nun die Zukunft zeigen.
Dass das Rathaus in Strehla eine recht beliebte Kulisse für Trauungen ist, zeigte sich zuletzt insbesondere am 11.11.2011. Pünktlich zum Start der Karnevalssaison gaben sich damals Paare das Ja-Wort und wurden frenetisch gefeiert. Immerhin 25 Eheschließungen wurden im Jahr 2010 in Strehla registriert. Hinzu kamen 31 Sterbefälle, die im Standesamt bearbeitet wurden. Außerdem 25 Kirchenaustritte, zehn nachträgliche Namenserklärungen, zwei Namensangleichungen von Kindern bei der Eheschließung. Zudem oblagen der Standesbeamtin in Strehla 2010 rund 250 Ausstellungen von Heirats-, Geburts- und Sterbeurkunden.
Und auch wenn die Zahlen für 2011 noch nicht vorliegen – den Strehlaern wird es wohl ein wenig fehlen – ihr stadteigenes Standesamt.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 4. Januar 2012)

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