Viel Lärm um Glaubitzer Industriegebiet
Die Gemeinde will eine Schallschutzwand bauen. Damit sollen benachbarte Wohngebiete attraktiver werden. Doch ist die Wand auch bezahlbar?
 
Von Thomas Riemer
 
Ein Lastkraftwagen nach dem anderen biegt von der B 98 ins Industrie- und Gewerbegebiet am Dorfrand von Glaubitz ein. In der Ferne, im Norden des Areals, ist zuweilen zu hören, wie die dort ansässigen Betriebe produzieren. „Das wummert manchmal bis ins Dorf rein“, sagt ein Bewohner aus dem unmittelbar benachbarten Wohngebiet. Es klingt zwar nicht bitterböse, „aber manchmal nervt es auch“, sagt er.
Dem will das Glaubitzer Rathaus jetzt buchstäblich einen Riegel vorschieben – und zwar in Form einer Lärmschutzwand. Bürgermeister Lutz Thiemig hat das anspruchsvolle Projekt quasi zur Chefsache erklärt und den Bau als „vorrangig“ für 2012 bezeichnet. Sein erklärtes Ziel: „Ich wünsche mir, dass sich die Lebensqualität in Glaubitz weiter erhöht“, formulierte der Rathauschef in seinem Jahresausblick.
Mit der Lärmschutzwand „wollen wir das Wohngebiet Rollweg, Kanalsiedlung und Am Kanal sowie die Streumener Straße vor dem Betriebslärm der dort ansässigen Unternehmen schützen“, so Thiemig. Doch bevor es so weit ist, müssen natürlich allerlei Gutachten und Beschlüsse auf den Weg gebracht werden. Einen ersten Schritt will der Gemeinderat bereits in der kommenden Woche gehen. Dann stehen die Finanzierung sowie die Beauftragung der schalltechnischen Untersuchung zur Wirksamkeit einer Lärmschutzwand zur Diskussion. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um an Fördermittel zu gelangen.
Hauptauslöser für die Schallschutzwand war ein Gutachten aus dem vergangenen Jahr. Darin wurde festgestellt, dass der Lärm, den Unternehmen im Industriegebiet verursachen, grenzwertig ist beziehungsweise geringfügig über den vorgeschriebenen Werten des Bebauungsplans liegt. Deshalb, so Lutz Thiemig, müsse sich der Gemeinderat mit dem Thema befassen. „Wenn wir das Industriegebiet weiter entwickeln wollen – und das wollen wir –, dann müssen wir etwas tun“, so Thiemig.
Noch nichts sagen lässt sich allerdings über den genauen Verlauf, die Höhe oder die Beschaffenheit des Lärmschutzes. Darüber müssen die Experten urteilen, die sich demnächst im Auftrag der Gemeinde mit dem Thema auseinandersetzen. „Wir müssen ein Gutachten abgeben, das uns Sicherheit gibt“, sagt der Rathauschef lediglich. Darin müsse schlussendlich jedoch auch berücksichtigt werden, dass noch immer eine Umgehungsstraße für die B 98 um Glaubitz herum im Raum steht. Die Lärmschutzwand dürfe nicht den Effekt bringen, dass sie den Lärm reflektiert und später ins Dorf zurückträgt.
Weniger dramatisch sieht Lutz Thiemig den finanziellen Aspekt. Im Gemeindeetat seien 836 000 Euro für das Vorhaben eingeplant. Ähnliche Projekte anderswo sind bis zu 75 Prozent gefördert worden. Thiemig geht daher davon aus, dass es billiger als derzeit angedacht für Glaubitz wird.
 
(Sächsische Zeitung Riesa am 18. Januar 2012)

Nach oben