„Blitzeis ist eher eine Sache für windschwache Gegenden“
Die Meteorologin Sabine Krüger erklärt, warum Kraftfahrer die Glätte
meist zu spät oder gar nicht bemerken.
 
Beim Deutschen Wetterdienst ist man gewohnt, schlechte Nachrichten zu verbreiten. Zwar sind es in diesen Tagen eher Orkanböen, die die Großwetterlage beherrschen. Doch auch Blitzeis gehört zu den täglichen Beobachtungen. Die SZ sprach dazu mit Diplom-Meteorologin Sabine Krüger vom Deutschen Wetteramt.
?Frau Krüger, ist Blitzeis in seiner Häufigkeit ein Phänomen in Mitteldeutschland?
Nein, ganz bestimmt nicht. Das „Phänomen“ besteht vielmehr darin, dass wir es mit zweierlei Messwerten zu tun haben. Die angegebenen Temperaturen sind jene Werte, die in etwa zwei Metern Höhe gemessen werden. Und dann wird noch einmal in einer Höhe von fünf Zentimetern über dem Boden gemessen. Dort liegt die Temperatur dann in Sachsen jeweils ein bis zwei Grad tiefer als in den oberen Schichten.
?Wie ist das zu erklären?
Bei klarem Himmel kühlt sich der Boden schneller ab. Wenn dann ein leichter Regen aus den höheren Schichten darauffällt, dann gefriert er sehr schnell. Das war in Sachsen zum Beispiel am Montag sehr gefährlich, als in Bodennähe sogar leichte Minusgrade waren.
?Welche Stellen sind aus meteorologischer Sicht besonders anfällig für Blitzeis?
Das sind insbesondere Flächen auf Brücken, weil unter ihnen recht kalte Luft vorhanden ist. Wenn die auf wärmere Luftmassen bei Feuchtigkeit trifft, kann schnell Eis entstehen. Ähnlich verhält es sich in Senken mit kalter Luft.
?Ist eventuell einfallender Wind der Eisbildung zuträglich?
Nein. Wind führt eher zur Durchmischung der Atmosphäre. Blitzeis ist daher meist eine Angelegenheit für windschwache Gegenden.
Gespräch: Thomas Riemer
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 14. Dezember 2011)

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