Wie gefährlich ist die Riesaer Straße?

Anwohner beklagen Verkehrslärm und viel zu schnelles Fahren. Die Stadt Großenhain sieht jedoch keinen aktuellen Handlungsbedarf.

Von Thomas Riemer

 

Auto an Auto wälzt sich entlang der Riesaer Straße. Vorgeschrieben ist

hier eigentlich Tempo 50. Aber daran halte sich nicht jeder. Morgens,

am frühen Nachmittag und abends sei es am schlimmsten, berichten

Anwohner. Da sei für Radfahrer und Fußgänger ein Überqueren der Straße

kaum möglich. Manchmal brauchen die Schulkinder bis zu zehn Minuten.

Schon seit Jahren ringt eine kleine Gruppe um Henner Ruscher dafür,

hier Entlastung zu schaffen. Insbesondere seit der Schließung des

Berliner Bahnübergangs auf der Kleinraschützer Seite ist das

Verkehrsaufkommen auf der Riesaer enorm gestiegen. Rund 9000 Fahrzeuge

seien es täglich, die zwischen 5 und 22 Uhr durchkommen. Noch vor

sieben Jahren, bei einer ersten privaten Bestandsaufnahme, seien es

„nur“ etwa 4000 gewesen, so Henner Ruscher. „Du kannst angesichts des

Lärms kein Fenster aufmachen –- vor allem, seitdem Kaufland bis 22 Uhr

geöffnet hat.“ Seit über zwei Jahren gebe es dazu einen Schriftverkehr

mit dem Straßenbauamt sowie der Großenhainer Stadtverwaltung - ohne

Ergebnis.

 

Im Rathaus stützt man sich dabei auf eigene Erhebungen. 2009 habe die

letzte Verkehrszählung auf der Riesaer Straße stattgefunden. Sie ergab,

dass reichlich 46000 Fahrzeuge pro Woche dort entlang fahren.

Geschwindigkeitskontrollen führten zum Ergebnis, dass etwa 7,5 Prozent

dort zu schnell unterwegs sind. Das habe gezeigt, „dass die Beschwerden

zur Raserei unbegründet waren bzw. nicht im Verhältnis mit dem Ergebnis

der Geschwindigkeitsmessung stattfanden“, so Rathaussprecherin Diana

Schulze. Ergo: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung – zum Beispiel auf 30

Kilometer je Stunde – sei „aus gegenwärtiger Sicht nicht vorgesehen“.

Dafür seien prinzipiell das Unfallgeschehen und das Vorhandensein

besonderer Gefahrenstellen entscheidend. „Beides trifft für diese

Straße nicht zu“, so Diana Schulze. Aus Sicht der Stadt gebe es zudem

derzeit auch keine vorliegenden Beschwerden beim städtischen

Straßenverkehrsamt.

 

Aktuelle Unfallstatistiken für den Bereich gibt es nicht. Ein

Unfallschwerpunkt sei die Riesaer Straße jedenfalls nicht, heißt es aus

dem Landratsamt Meißen. Die Polizei wiederum ist nach Auskunft des

Pressesprechers der Direktion Oberes Elbtal-Osterzgebirge Wolfgang

Kießling „der falsche Ansprechpartner“, was Unfallschwerpunkte,

Häufungen etc. angeht. Zumindest bei der Durchführung von

Geschwindigkeitskontrollen gibt es allerdings eine Abstimmung mit dem

Großenhainer Rathaus, das seit Januar 2010 auf seinem Hoheitsgebiet

dafür zuständig ist. Sie laufen darauf hinaus, dass nicht zur gleichen

Zeit am gleichen Ort durch beide Behörden „geblitzt“ wird.

Dass die unglückliche Situation am Eisenbahntunnel sowie am

darauffolgenden Bahnübergang immer wieder zunächst zu Stau und dann zu

dichtem Verkehr gen Großraschütz führt, bestreitet indes niemand. Der

Ausbau der Straße sowie der damit verbundene Neubau des Tunnels scheine

„die einzig mögliche Lösung“ zu sein, so Diana Schulze. Doch dies liege

nicht im städtischen Verantwortungsbereich, sondern auf dem Tisch der

Deutschen Bahn.

 

Grundsätzlich, so Diana Schulze, sei natürlich auch eine Ampel auf der

Riesaer Straße im Sinne der Fußgänger überlegenswert. Eine

Notwendigkeit jedoch bestehe nicht, weil auf beiden Seiten ein Fußweg

mit ausreichend Sicht vorhanden sei. Außerdem: „Jede Ampelregelung

stellt eine Unterbrechung des Verkehrsflusses mit allen

Folgeerscheinungen dar und führt somit eher zu einer Verschlechterung

der allgemeinen Verkehrssituation“, so Schulze.

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