Wo junge Leute gern abhängen

Teenager tummeln sich an vielen Stellen im Großenhainer Stadtgebiet. Nicht immer sind sie dort gern gesehen. Oft aus gutem Grund.

Von Thomas Riemer

Gelangweilt sitzen Mandy und Christin (* Namen geändert) auf der

Rücklehne einer Bank. Mitten im ehemaligen Gelände der Gartenschau,

genau vor der Blumenhalle, haben sie es sich bequem gemacht. „Wir

wollen einfach nur chillen“, sagt die 13-jährige Mandy. Ihre ein Jahr

ältere Freundin Christin hat sich derweil „eine angezündet“ und pafft

vor sich hin. „Einfach herrlich, wenn wir nach der Schule hier

abhängen“, sagt sie. So zwei, drei Mal die Woche sind die beiden hier.

Manchmal kommen Freundinnen mit. Oft stoßen ältere Jungs am Nachmittag

hinzu. Die sind schon in der Lehre und können immer erst spät“, sagt

Mandy schnippisch. „Aber die bringen Nachschub mit.“

Nachschub – das ist für die Teenager mal ein Bier, Alcopops,

Zigaretten. Bestellt wird in der Regel per SMS übers Handy. Das

Mobiltelefon ist auch einziger Kontakt zu den Eltern. „Die dürfen das

nicht wissen“, haucht Christin. Wenn doch mal irgendwas durchsickert,

wird der Standort gewechselt. Beliebte Treffpunkte sind dann das

benachbarte „Tal der Gräser“ oder der Cottbuser Bahnhof. „Dort regen

sich aber manche von den Alten immer auf, wenn Flaschen rumstehen oder

kaputtgehen“, sagt Mandy.

Szenenwechsel: Auf der Halfpipe hinter dem Sparkassengebäude auf der

Dresdner Straße geht es heiß her. „Am Wochenende ist hier ganz schön

was los“, erzählt Paul, selbst begnadeter Künstler auf seinem BMX-Rad.

Manche würden dort richtig trainieren und alle hätten viel Spaß.

„Außerdem kennt dort fast jeder jeden“, sagt Paul. Klar würden die

Älteren dort auch mal ein Bier trinken. „Aber die Flaschen bleiben

garantiert nicht liegen“, weiß der 13-Jährige.

„Gegen 16 Uhr kommen meist die Großen“, weiß Stanley. Der 11-Jährige

brilliert gern vor den anderen mit seinen Kunststückchen. Mit den

meisten BMXern und Skateboardern ist er befreundet. „Die Großen nehmen

immer Rücksicht auf die Kleinen“, bestätigt Jenny (12). An Beschwerden

über die Lautstärke oder ähnliches kann sie sich jedenfalls nicht

erinnern.

Für Mandy und Christin sind die „Kiddies von drüben“ die Looser – zu

deutsch die Verlierer. Dass sie selbst von Passanten wegen

weggeworfener Kippen oder kaputter Flaschen „angemacht“ werden, „ist

mir egal“, sagt Christin. Ebenso, dass manche Supermärkte im Umfeld

schon ganz genau hinschauen, wenn Teenager durch die Regalreihen

bummeln... Ja, es soll sogar schon Hausverbote geben.

Zumindest der Müll wird im früheren Gelände der Gartenschau regelmäßig

und gründlich beseitigt. Immer wieder sind Stadtbauhof-Mitarbeiter mit

ihren Rädern unterwegs. Ob und in welchem Umfang das Großenhainer

Rathaus oder andere Behörden allerdings kontrollieren, ob Ordnung und

Sicherheit eingehalten werden, dazu konnte das Rathaus gestern keine

Antwort geben. Man wolle aber die „Zuarbeiten unterschiedlicher

Fachbereiche“ einholen, teilte die Pressestelle auf SZ-Anfrage mit.

 

(Sächsische Zeitung Großenhain, 24. April 2012)

Nach oben