Wülknitz speckt Ortswehren ab

Künftig nur noch zwei Ortsfeuerwehren
Wülknitz. Die Gemeinde passt die Strukturen dem Bedarf an. In Streumen und Tiefenau gibt es jetzt nur noch Löschgruppen.
 
Von Thomas Riemer
 
Bislang gab es in der Gemeinde Wülknitz vier Ortsfeuerwehren – in Wülknitz selbst sowie in den Ortsteilen Lichtensee, Streumen und Tiefenau. Dies wird sich demnächst ändern. Aus den Ortswehren in Streumen und Tiefenau werden künftig sogenannte Löschgruppen. Am Status von Wülknitz und Lichtensee wird derweil nicht gerüttelt.
 
Grund ist der neue Brandschutzbedarfsplan, dem die Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Montag zustimmten. Er wurde den Wülknitzer Gegebenheiten angepasst. „Dies muss aller fünf Jahre passieren“, so Bürgermeister Hannes Clauß zum Sinn des Prozederes. Dabei werden neben dem erforderlichen Personal auch solche Aspekte wie der Bedarf an Fahrzeugen und anderweitiger Löschtechnik unter die Lupe genommen.
 
Für die Gesamtfeuerwehr konnte dabei ein letztlich positives Fazit gezogen werden. „Vieles an Investitionen, die wir uns vorgenommen hatten, wurde erledigt“, sagt der Bürgermeister. Wülknitz und Lichtensee verfügen über moderne Gerätehäuser. Beide Standorte seien außerdem in den letzten Jahren mit neuer Technik und Fahrzeugen bestückt worden. Doch zum Beispiel die demografischen Entwicklungen im Land machen auch um Wülknitz keinen Bogen. Man habe erkennen müssen, „dass wir uns als kleine Kommune nicht alles leisten können“, so Clauß
 
Deshalb werden die beiden bisherigen Ortsfeuerwehren in Streumen und Tiefenau jetzt zu Löschgruppen „umfunktioniert“. Die werden bei eventuellen Einsätzen auch künftig voll einbezogen und alarmiert und rücken dann mit einer kleineren Mannschaftsstärke zu den Einsatzorten aus. Für Streumen soll unter dieser Konstellation möglichst schnell ein Mannschaftstransportwagen angeschafft werden für sechs Kameraden, an den dann bei Bedarf die Löschtechnik angehängt wird.
 
Auf die Einsatzbereitschaft der Wülknitzer Feuerwehr haben die Änderungen keinerlei Auswirkungen, so Hannes Clauß. Wie schon bislang sei gewährleistet, dass jeder Brand innerhalb des Gemeindegebietes innerhalb von zwölf Minuten ab Zeitpunkt der Alarmierung erreichbar ist.
 
Auch Gemeindewehrleiter Frank Wilhelm sieht in den Neuerungen keinerlei Beeinträchtigungen für die Arbeit der Kameraden. Wichtig sei, die Existenz der Feuerwehr – in welcher Größenordnung auch immer – in allen vier Ortsteilen zu erhalten. Auch er sehe den finanziellen Aspekt, nicht jede Ortswehr gleichmäßig anspruchsvoll ausrüsten zu können. Deshalb sei geplant, dass die Feuerwehren von Lichtensee und Tiefenau sowie Wülknitz und Streumen künftig sehr eng zusammenwirken. Das betreffe sowohl die regelmäßigen Dienstabende, die vor allem im Winterhalbjahr gemeinsam durchgeführt werden, sowie das Ausrücken zu Einsätzen. Dazu gebe es derzeit Abstimmungen mit der Rettungsleitstelle über die Art und Weise der jeweiligen Alarmierung. Eine Grundausrüstung zur Brandbekämpfung bleibe nach Angaben des Wehrleiters auch künftig in den „kleineren“ Wehren gewährleistet.
 
Insgesamt zählt die Wülknitzer Gemeindewehr zurzeit rund 80 aktive Mitglieder. In Lichtensee gibt es eine Jugendfeuerwehr, für die weitere Nachwuchsgewinnung stellen die Verantwortlichen derzeit grundsätzliche Überlegungen an. Das Einsatzgeschehen im laufenden Jahr hält sich – zum Glück – in Grenzen. „Wir hatten noch keine zehn Einsätze“, so Frank Wilhelm. Größere Maßnahmen seien die Brände in Spansberg und jüngst in Peritz gewesen. Hinzu kommen – vor allem in Lichtensee – immer wieder mal Verkehrsunfälle auf der B 169.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 20. Oktober 2011) 

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