Biogasanlage wird mit

Sudangras gefüttert

Die Agrargenossenschaft Wülknitz versuchte sich erstmals am Anbau des Süßgrases mit afrikanischem Ursprung. Und das mit Erfolg.

 Von Thomas Riemer

Was wächst dort auf den Feldern zwischen Wülknitz und Lichtensee? Diese Frage sei in den letzten Wochen vielfach gestellt worden, sagt Thomas Keil. Er ist Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Wülknitz eG, die sich in diesem Jahr erstmals zum Anbau einer Pflanze entschied, „die zuvor in unserer Region noch nicht gesehen wurde“: Sudangras – lateinisch Soghum Sudanese (Foto: Agentur).

„Sie sieht zwar von weitem wie Mais aus“, so Thomas Keil. „Aber wer sich die Pflanzen näher ansieht, stellt fest, dass die Kolben fehlen.“ Sudangras stammt – wie der Name schon sagt – ursprünglich aus Nordostafrika, wo auch der Sudan liegt. Es gehört wie der Mais zur Familie der Süßgräser und ist dem Mais auch sonst sehr ähnlich. Allerdings hat Sudangras statt Kolben eben Rispen. Bis zu dreieinhalb Meter hoch können die Pflanzen werden. Der Vorteil: Gegenüber Mais hat Sudangras weit geringere Ansprüche an den Boden und die Wasserversorgung. Allerdings ist auch das Ertragsniveau geringer.

Trotzdem sah das Wülknitzer Agrarunternehmen im Anbau von Sudangras eine interessante Alternative zum Mais auf den relativ leichten Standorten nördlich der Bahnlinie. Zumal es deutschlandweit nur sehr wenig Erfahrungen mit dem Anbau dieses „exotischen“ Gewächses gibt. Größere Anbauflächen existieren nämlich noch nicht, nur einige wenige Flächen um Würzburg und Worms sind bekannt. Der Erfolg der Wülknitzer spricht daher letztlich für sich. Rund 6300 Tonnen konnten in den letzten Tagen und Wochen gehäckselt werden. Sie werden jetzt auf dem Gelände der Biogasanlage in Lichtensee siliert. Letztendlich dient der Ertrag dann als „Futter“ für die Biogasanlage.

Insgesamt baut die Wülknitzer Agrargenossenschaft nach eigenen Angaben auf rund 300 Hektar ihrer Flächen Substrate für die Biogasanlage an. Das sind immerhin zirka 15 Prozent der gesamten Anbaufläche des Unternehmens. Auf den verbleibenden Feldern sollen auch in den nächsten Jahren Getreide, Raps, Erbsen und Sonnenblumen wachsen. So soll die Vielfalt auf den Äckern erhalten bleiben, sagt Thomas Keil.

Mehr als 1930 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden von der Wülknitzer Agrargenossenschaft bewirtschaftet. Hinzu kommt die jährliche Erzeugung von rund 5000 Mastschweinen. Das Tochterunternehmen, die „Bio Rind Wülknitz GmbH“, hält zusätzlich 300 Rinder und bewirtschaftet 515 Hektar Fläche nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus. Nicht zuletzt ist der Gesamtbetrieb Arbeitgeber für 31 Arbeitskräfte aus der näheren Umgebung.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 19. Oktober 2011)

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