Wer hat den Wein geklaut?

Wer hat den Wein aus dem Regal geklaut?
Zwei frühere Nachbarn treffen sich vor Gericht. Es geht um sieben Flaschen im Wert von 28 Euro.
 
Von Thomas Riemer
 
Wie man es auch dreht und wendet: Der Fall erinnert an den Streit um
den Maschendrahtzaun. Und Silvio Reis (*), der Angeklagte, bestätigt
auch gleich am Anfang der Verhandlung vor dem Riesaer Amtsgericht, dass
es mit Carmen Reuter „immer Ärger gab, seit ich dort eingezogen bin“.
Und Frau Reuter, als Zeugin geladen, bestätigt, dass das Verhältnis
untereinander „nicht sehr gut“ war. Sie habe dazu jedoch keinen Anlass
gegeben, beteuert die 51-Jährige.
Schauplatz des vermeintlichen Diebstahls ist ein Grundstück in
Lampertswalde. Dort soll der 28-jährige Reis irgendwann im Juli 2011
sieben Flaschen Wein aus dem Keller von Carmen Reuter gestohlen haben.
Wert: 28 Euro. Silvio Reis bestreitet das. Er sei weder in den Keller
eingestiegen noch habe er Kenntnis von irgendwelchem Wein in Reuters
Verlies. Dass in einem Müllsack später neben einem Einweckglas aus
seinem Haushalt auch zwei leere Weinflaschen gefunden wurden, sei
natürlich möglich. Denn in dem Mehrfamilienhaus ist der Müll-Standort
quasi frei zugänglich. „Ich war selbst völlig baff, als die Polizei vor
der Tür stand“, beschreibt Silvio Reis.
Carmen Reuter wiederum erzählt, dass sie eine Flasche zum Geburtstag
ihrer Schwiegermutter geöffnet habe. Zwei Tage später seien „alle
Flaschen weg“ gewesen. Wie es dazu kam, da gebe es mehrere
Möglichkeiten, so Frau Reuter. So sei der Kellerschlüssel mal ein paar
Tage weg und plötzlich wieder da gewesen. Außerdem sei die körperliche
Konstellation beim Angeklagten dazu geeignet, über die Trennwand der
benachbarten Kellerräume hinweg ins Regal greifen zu können.
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sind „gewisse Verdachtsmomente
vorhanden“. Doch das reiche für eine Verurteilung nicht aus. Vieles sei
nicht schlüssig, es gebe viel Raum für Spekulationen. Silvio Reis‘
Verteidiger stützt sich insbesondere darauf, dass es in dem Haus
offenbar sehr einfach sei, Müll unerkannt „abzulagern“. Reis selbst
wiederholt: „Ich habe mit der Sache nichts zu tun.“
Das sieht letztlich auch Richter Mischa Hecker so. „Die
Hauptverhandlung hat nicht dazu beigetragen, den Vorwurf zu beweisen“,
begründet er den Freispruch.
(* Namen geändert)

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